Ukraine-Konflikt: Schalke 04: Sponsor Gazprom wird endgültig zum Problem
Im Stadion des Zweitligisten FC Schalke 04 wird für die Gaspipeline geworben. Die Eigentümer-Gesellschaft ist eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom.
Foto: action pressDüsseldorf. Der FC Schalke 04 ist wegen seiner Sponsorenverträge mit dem Energiekonzern Gazprom unter Druck geraten. Der russische Staat ist Mehrheitseigner des Energiekonzerns, der seit 15 Jahren Hauptsponsor von Schalke ist. Nach der Anerkennung der ostukrainischen Teilrepubliken durch Russlands Präsident Wladimir Putin adressierte der Zweitligist zuerst selbst die Problematik – begleitet von harter Kritik, vor allem in sozialen Netzwerken. Nach dem am Donnerstag erfolgten Angriffen auf die Ukraine folgen erste Konsequenzen.
Das Schalker Aufsichtsratsmitglied Mathias Warnig legt seine Amt nieder. Das teilte der Klub am Donnerstagmorgen über die eigenen Kanäle mit. Warnig war als Vertreter des Hauptsponsors Gazprom in den Aufsichtsrat entsandt worden. Vor der Zweitligapartie gegen den Karlsruher SC äußerte sich am Donnerstagvormittag auch der Gelsenkirchener Klub zur Lageentwicklung.
„Auch wir sind schockiert gewesen über die Bilder“, erklärte Marc Siekmann, Leiter der Sportkommunikation beim FC Schalke, „das hat heute Morgen eine neue Wendung bekommen.“ Die Vereinsführung werde sich zu gegebener Zeit äußern. Wann das ist, könne er aber nicht sagen.
Vorangegangen waren klare Kritik von Fans und Positionierungen bekannter Klub-Unterstützer. Der Sport-Marketing-Experte Raphael Brinkert etwa teilte am Dienstag auf Twitter mit: „Die Zusammenarbeit mit dem russischen Staatsunternehmen Gazprom war, ist und bleibt ein Fehler.“ Werber Brinkert hat einst in Jung von Matt Sports eine der führenden Sport-Agenturen Deutschlands gegründet.
Zuletzt war der bekennende Schalke-Fan auch kreativer Leiter der erfolgreichen SPD-Bundestagswahlkampagne 2021. Die Zusammenarbeit habe „dem FC Schalke 04 seit 2007 singulär Mehreinnahmen beim Hauptsponsoring aber ganzheitlich Mindereinnahmen in fast jedem anderen Bereich (Fanartikel, Hospitality, Sponsoring, PR) gebracht“.
Schalke-Fans fordern Ende von Gazprom als Hauptsponsor
Gazprom ist auf dem Schalker Vereinsgelände omnipräsent. Nicht nur auf den Trikots der Spieler findet sich das Logo des russischen Gaskonzerns, sondern auch auf Gebäuden, Fanartikeln und den Videoleinwänden. Die Nord Stream 2 AG wirbt im Stadion. Die Eigentümergesellschaft der Gaspipeline gehört vollständig dem russischen Energiekonzern. Nord-Stream-2-CEO Matthias Warnig saß zweieinhalb Jahre im Schalker Aufsichtsrat, bevor er heute mit „sofortiger Wirkung sein Aufsichtsratsmandat niedergelegt“ hat.
Aus Fankreisen schlug dem FC Schalke auch Wut entgegen. Am Dienstag schlossen sich viele Brinkerts Forderung an, dass der Verein die Partnerschaft mit dem Gaskonzern beenden solle.
Schalke 04 verfolgt Ukraine-Konflikt mit „großer Sorge“
Der Verein hatte am Dienstag eine Stellungnahme veröffentlicht: „Mit großer Sorge verfolgt auch der FC Schalke 04 die jüngsten Entwicklungen in Osteuropa“, hieß es darin. Der nach Mitgliederzahl fünftgrößte Sportverein der Welt betonte aber auch: „Mit Gazprom Germania, einer deutschen Tochter des staatlichen russischen Energieunternehmens Gazprom, hat der S04 seit nunmehr 15 Jahren einen zuverlässigen Partner und einen relevanten Gaslieferanten der Bundesrepublik Deutschland an seiner Seite.“
Gazprom bringt Schalke zehn Millionen Euro pro Jahr
Konsequenzen hat der Gelsenkirchener Klub vorerst nicht gezogen. Immerhin bringt der Vertrag pro Jahr zehn Millionen Euro ein. Nicht nur in der zweiten Fußball-Bundesliga ist das eine beachtliche Summe für ein Sponsoring.
Eine schnelle Trennung vom langjährigen Hauptsponsor dürfte für den finanziell angeschlagenen Zweitligisten schwierig werden.
Der Klub hat in der Coronakrise eine Bürgschaft des Landes NRW erhalten und zudem zuletzt den Startplatz seiner E-Sport-Abteilung für 26,5 Millionen Euro verkaufen müssen. Ministerpräsident Hendrik Wüst wollte sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht dazu äußern, ob Gazproms Wirken auf Schalke mit der Bürgschaft vereinbar ist. Unter Wüsts Amtsvorgänger Armin Laschet war die Sportförderung mit Blick auf eine Olympia-Bewerbung näher an die Staatskanzlei in Düsseldorf herangeführt worden.
Schalke-Führung setzt auf Dialog statt Konsequenzen
Die Vereinsführung rund um den neuen Vorstandsvorsitzenden Bernd Schröder befinde sich „in ständigem Dialog mit dem langjährigen Hauptsponsor“. In der Mitteilung heißt es weiter: „Für den FC Schalke 04 steht außer Frage, dass sich der Verein für Frieden und ein friedliches Miteinander einsetzt.“
Außerdem werde der FC Schalke 04 die weitere Entwicklung beobachten, bewerten und nachdrücklich zum Frieden aufrufen – „zum Schutz der von der Krise betroffenen Menschen“. Ob der Verein nach den von der Bundesregierung als Völkerrechtsbruch verurteilten Angriffen Russlands weitere Konsequenzen ziehen wird und den Sponsorenvertrag mit Gazprom doch auflöst, ist nicht bekannt.
Bereits 2007 Kritik an Gazprom als Schalke-Sponsor
Das dürfte das Umfeld nicht beschwichtigen. Bereits 2007 war der Unmut der Fans über den Gazprom-Einstieg groß. Denn die Partnerschaft mit dem russischen Gaskonzern war damals wohl auch dank guter Kontakte des ehemaligen Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies zu Wladimir Putin zustande gekommen.
Die ursprüngliche Laufzeit des Sponsoringvertrags war auf Ende 2022 datiert. Doch bereits im Frühjahr 2021 verlängerten Schalke und Gazprom die Partnerschaft bis 2025.