Founders Foundation: Warum Ostwestfalen zum Hotspot für Gründer wird
„Wir wollen modellhaft zeigen, dass auch aus dem vermeintlichen Hinterland Ostwestfalen die nächste Generation der Tech-Unternehmer kommt.“
Foto: Bernhard PierelDüsseldorf. Hinterland! Wie das schon klingt – nach verschlafener, verstaubter Provinz. Im besten Fall. Ganz sicher aber nicht nach Innovationskraft. Dass beides aber sehr wohl zusammenpassen kann, konkret im weithin ländlichen Ostwestfalen, war Ausgangspunkt der Überlegungen von Brigitte und Christoph Mohn. Die beiden Geschwister aus der Bertelsmann-Familie initiierten deshalb mit zunächst 17,5 Millionen Euro ein auf zehn Jahre angelegtes Modellprojekt.
Der Auftrag an ihren Projektleiter Sebastian Borek, einstmals selbst erfolgreicher Gründer, lautete: „Wir wollen modellhaft zeigen, dass auch aus dem vermeintlichen Hinterland Ostwestfalen die nächste Generation der Tech-Unternehmer kommt, die Deutschlands digitale Zukunft gestaltet.“
Aus dem Projekt ist inzwischen eines „der beeindruckendsten Gründerzentren Deutschlands geworden“, wie es Robert Lacher, Mitgründer der Venture-Capital-Gesellschaft Visionaries Club, ausdrückt – und zwar abseits der klassischen Start-up-Ökosysteme in Berlin und München.
Die „Herzensangelegenheit“ der Familie Mohn trägt den Namen Founders Foundation (FF) und hat auf vier Etagen eines alten Fabrikgeländes in Bielefeld ihre Hinterland-Heimat gefunden. Zum Konzept gehört eine „Startup School“, in der mit lokalen Wirtschaftsgrößen wie Oetker, Miele und Goldbeck praxisnah unternehmerisches Denken gelehrt wird, ehe die potenziellen Gründer mit ihrer digitalen Geschäftsidee ins FF-Lab weiterziehen und schließlich im Accelerator und der Executive Education erste Businesspläne schreiben und Kunden akquirieren.
Das alles geschieht auf einem 3000 Quadratmeter umfassenden Campus, wo unter der inzwischen von Borek gegründeten und mittlerweile landesweit bekannten Marke „Hinterland of Things“ regelmäßig auch hochkarätig besetzte Tech-Veranstaltungen stattfinden, bei denen sich Gründer und Vertreter der etablierten Industrie begegnen und vernetzen. Borek sagt: „Ich bin mir sicher, dass es schon bald auch Einhörner geben wird, die hier bei uns in Bielefeld gestartet sind.“
Zum Einhorn und der damit verbundenen Milliardenbewertung hat es bisher (noch) keiner der 500 Gründer, die das Programm der Founders Foundation seit dem Start durchlaufen haben, geschafft. Immerhin aber sind nach Boreks Worten schon mehr als 25 Millionen Euro an Venture-Capital an die jungen Firmen in Bielefeld geflossen.
Die Founders Foundation selbst darf sich als gemeinnützige Organisation nicht an „ihren“ Start-ups beteiligen, was Borek bedauert, „weil da extrem spannende Firmen dabei sind“. Weshalb er den FF-Auftrag so umschreibt: „Wir bauen keine Raketen, bilden aber die Astronauten aus.“
Christian Miele, der Präsident des Bundesverbands Deutsche Startups, sagt: „Die Founders Foundation ist eine Blaupause dafür, wie man außerhalb von Berlin ein Start-up-Ökosystem baut – mit Geld, Talent und Zugang zu den Unternehmen.“ Und VC-Investor Lacher ergänzt: „Die Ausrede: ,Auf dem Land geht nichts‘, gilt nicht mehr.“
Beifall allerorten also, und doch gibt es da noch zwei Ideen, die Borek umsetzen möchte: erstens die enge Zusammenarbeit mit einem Lehrstuhl für Entrepreneurship einer Hochschule in Westfalen. Und zweitens der Transfer des Modells in eine andere ländliche Region. Gespräche in Hessen oder im Norden gab oder gibt es dazu. Am ähnlichsten und weitesten scheint indes Lidl-Gründer Dieter Schwarz in Heilbronn zu sein. Der Name dort: die „Campus Founders“.