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Anleihe geplatzt KTG Agrar beantragt Insolvenz

Das Unternehmen KTG Agrar kann die Zinsen für eine Anleihe nicht bedienen. Nun soll die Sanierung in Eigenverwaltung die Rettung bringen. Doch die größten Probleme sind noch nicht gelöst.
05.07.2016 - 15:06 Uhr Kommentieren
KTG Agrar will sich in Eigenverwaltung sanieren. Quelle: dpa
Landwirtschaft

KTG Agrar will sich in Eigenverwaltung sanieren.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seit Wochen bereits zeichnete sich die Schieflage immer mehr ab. Jetzt ist es offiziell: Das Unternehmen KTG Agrar hat Insolvenz beantragt. Nach der geplatzten Zwischenfinanzierung eines Grundstücksverkaufs konnte das börsennotierte Unternehmen die Zinsen für eine Anleihe nicht rechtzeitig zahlen.

Ein entsprechender Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung wurde beim zuständigen Amtsgericht Hamburg eingereicht und angenommen. Dieses hat den Sanierungsexperten Stefan Denkhaus von der Sozietät BRL Boege Rohde Luebbehuesen zum vorläufigen Sachverwalter bestellt. Die Tochtergesellschaften der KTG Agrar SE sei von dem Antrag nicht betroffen, teilte das Unternehmen mit.

Auslöser für die wirtschaftliche Schieflage war die Fälligkeit von Anleihezinsen der im Jahr 2011 begebenen Anleihe KTGB Biowertpapier II (ISIN DE000A1H3VN9). Die Inhaber-Teilschuldverschreibung hat ein Volumen von 250 Millionen Euro und ist mit 7,125 Prozent pro Jahr verzinst. Die am 6. Juni 2016 anstehende Zinszahlung in Höhe von 17,8 Millionen Euro konnte nicht erfolgen. Da die Zinsen nicht innerhalb von vier Wochen nachgezahlt wurden, können die Anleger nun die gesamte Anleihe sofort fällig stellen.

Die Aktie des Unternehmens befindet sich schon länger im freien Fall. Hatte sie Anfang des Jahres noch bei 14 Euro notiert, war sie in der vergangenen Woche schon auf unter drei Euro abgestürzt. Mit der Bekanntgabe des Insolvenzantrags fiel der Kurs dann auf nur noch 40 Cent.

Schon in der vergangenen Woche zeichnete sich ab, dass die Situation eskaliert. Nachdem das Unternehmen seine für vergangenen Donnerstag geplante Hauptversammlung um zwei Monate verschoben hatte, teilte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt auf Nachfrage mit: „Solange die Zinszahlung nicht geleistet wurde, kann eine Insolvenz nicht ausgeschlossen werden.“

Die Anleihezinsen sollten aus dem Verkauf von Agrarflächen bedient werden. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, verzögerte sich jedoch die Zahlung des Käufers. Deswegen hatte das Unternehmen eine Zwischenfinanzierung mit einer Hausbank vereinbart. Doch das Institut soll die Zusage kurzfristig zurückgezogen haben.

In den kommenden Monaten soll nun ein Restrukturierungsplan erarbeitet werden. Dazu wird der Aufsichtsrat den Rechtsanwalt Jan Ockelmann aus der Sozietät Johlke Rechtsanwälte als Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand der KTG Agrar SE berufen. Er verfügt über langjährige Kontakte zu landwirtschaftlichen Betrieben und Beratern. Er ist zudem selbst seit vielen Jahren als Insolvenzverwalter tätig und mit den Besonderheiten eines Eigenverwaltungsverfahrens vertraut.

Der operative Betrieb wird fortgeführt, insbesondere die Einbringung der bevorstehenden Ernte auf über 45.000 Hektar. Zur Deckung der Löhne und Gehälter wird umgehend eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet.

Doch die Probleme gehen weiter: Neben der jetzt geplatzten Anleihe hat KTG Agrar noch eine zweite Anleihe im Volumen von 92 Millionen Euro ausstehen. Im Oktober bereits steht für diese Anleihe die nächste Zinszahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an.

Noch im Februar hatte KTG-Chef Siegfried Hofreiter in einem Brief an die Anleger geschrieben, dass er die "Kurskapriolen unserer Anleihen" nicht nachvollziehen könne. "Die KTG Agrar SE ist seit der ersten Anleihe im Jahr 2010 ein verlässlicher Emittent. Wir haben stets gehalten, was wir versprochen haben", erklärte er vollmundig. Jetzt wird er sich unangenehme Fragen stellen lassen müssen, was seine Versprechen wert sind - und wie lange die jetzt verkündete Insolvenz schon absehbar war.

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