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Märkte-InsightDer lange Schatten der Fed

Die Märkte haben sich nach den Ermittlungen gegen Notenbankchef Powell schnell erholt. Doch die Diskussion über die Folgen startet erst und wird Anleger noch beschäftigen, meint Astrid Dörner. 18.01.2026 - 15:16 Uhr Artikel anhören
Die Autorin: Astrid Dörner ist Chef-Korrespondentin für Märkte und Geldanlage. Foto: REUTERS

Die gute Nachricht: Die US-Finanzmärkte haben sich nach dem Powell-Schock vor einer Woche erstaunlich schnell erholt. Die Optimisten haben wieder einmal recht behalten: Dass die US-Regierung gegen Fed-Chef Jerome Powell ermittelt, ist zwar beispiellos, doch offenbar nur eine weitere Einschüchterungstaktik, von der US-Präsident Donald Trump und die zuständige Staatsanwältin bereits zurückgerudert sind.

Die weniger gute Nachricht: Die Folgen dieser Aktion werden in den kommenden Tagen und Wochen erst wirklich deutlich werden. Für Investoren bedeutet das, dass sie ihren Blick auf die Fed und deren Zinsstrategie immer wieder neu justieren müssen. Auf diese Dinge kommt es an:

  • Wer wird Powells Nachfolger?
    Trump hat die Diskussion erst am Freitag neu angeheizt. Sein eigentlicher Favorit, Kevin Hassett, könnte vielleicht doch dringender in seiner derzeitigen Rolle als Wirtschaftsberater im Weißen Haus  gebraucht werden. Schließlich könne kaum jemand Trumps Wirtschaftspolitik so gut erklären wie er. Daraufhin stiegen die Renditen auf US-Anleihen für praktisch alle Laufzeiten leicht an. Kevin Warsh gilt nun als der Favorit. Der ehemalige Fed-Gouverneur hat sich zwar – ebenfalls wie Hassett – für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Doch er könnte schnell umschwenken, falls die Inflation wieder deutlich steigen würde, gibt Krishna Guha, Notenbank-Experte der Investmentbank Evercore ISI, zu bedenken. Auch sei nicht klar, dass dies „wirklich das endgültige Signal“ für Trumps Entscheidung zu Fed-Nachfolge ist. Der Präsident hätte eigentlich schon vor Monaten entscheiden wollen und will sich nun in den kommenden Wochen festlegen.
  • Bleibt Powell noch als Gouverneur im Amt?
    Diese Frage ist eng mit der oben verbunden. Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im Mai. Doch er kann als regulärer Gouverneur noch zwei Jahre im Amt bleiben. Das wäre unter Notenbankern ein ungewöhnlicher Schritt, doch Powell könnte ihn gehen, um die Unabhängigkeit der Notenbank zu stützen, und sich gegen weitere schnelle Zinssenkungen aussprechen. Trump will Powell dringend loswerden. Doch Powell wäre am ehesten bereit zu gehen, wenn der derzeitige Fed-Gouverneur Christopher Waller zu seinem Nachfolger ernannt würde, berichtete das „Wall Street Journal“.
  • Was wird aus Lisa Cook?
    Der Oberste Gerichtshof trifft sich am Mittwoch zur Anhörung. Trump wollte die Fed-Gouverneurin im Sommer loswerden, doch ob er dazu tatsächlich die Befugnis hat, muss der Supreme Court entscheiden. Sollten sich die Richter auf die Seite des Präsidenten stellen, könnte das den Weg für Trump frei machen, auch Powell zu feuern, glauben Analysten. Trump könnte dann einen weiteren Posten im Führungsgremium der Fed neu besetzen. Das würde die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinssenkungen erhöhen, die er schon lange fordert.
US-Präsident Donald Trump (links) und Fed-Chef Jerome Powell:  Meinungsverschiedenheiten bei der Renovierung der Fed und bei der Zinsstrategie. Foto: AP

All diese Entwicklungen müssen Investoren als Teil eines größeren Geflechts sehen, was die Abwägungen noch schwieriger macht. Schon mit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit haben die Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed zugenommen. Doch die Unabhängigkeit der mächtigsten Notenbank der Welt verschwindet nicht plötzlich, sondern graduell. Der Offenmarkt-Ausschuss, der über den Leitzins entscheidet, hat zwölf Mitglieder. Nicht alle werden ihre ökonomischen Prinzipien auf einmal über Bord werfen.

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