USA: Trump besucht die Fed – und gerät wieder einmal mit Powell aneinander
Washington. Jerome Powell kann seinen Unmut nicht verbergen. Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die Mundwinkel tief nach unten gezogen, als er neben US-Präsident Donald Trump auf der Baustelle steht. Beide tragen zunächst weiße Schutzhelme zu Anzug und Krawatte, bevor sie sie für die Kameras abnehmen.
Es ist das erste Mal seit fast 20 Jahren, dass ein amerikanischer Präsident zu einem offiziellen Besuch bei der Notenbank auftaucht. In der Regel lädt der Präsident ins Weiße Haus ein. Doch Trump wollte sich selbst ein Bild machen von den milliardenschweren Renovierungsarbeiten der Fed, für die er Powell zuletzt immer wieder massiv kritisiert hatte.
Und gleich zu Beginn kommt es zum Schlagabtausch. Trump behauptet, die Kosten für die umfassenden Renovierungen seien von 2,5 auf 3,1 Milliarden Dollar gestiegen. Powell schüttelt erst energisch mit dem Kopf und fällt ihm dann ins Wort. „Ich habe das noch von niemandem gehört“, sagte Powell nüchtern.
Trump jedoch beharrt auf seinen Angaben. Schließlich überreicht er dem Notenbank-Chef das Schreiben, das die Zahlen belegen sollte. Flüchtig blickt Powell auf das Papier und korrigiert den Präsidenten dann unmissverständlich. Trump habe in seine Kalkulationen ein Gebäude einbezogen, das bereits gebaut wurde. „Es wurde vor fünf Jahren fertiggestellt“, so Powell.
Trump wechselt daraufhin das Thema. Die Spannungen zwischen den beiden sind so groß wie nie. Trump fordert schon seit Monaten, dass die Notenbank die Zinsen senkt – und zwar deutlich. Immer wieder brachte der Präsident seine Forderung am Donnerstag bei seiner Tour vor.
Erst vergangene Woche hatten neue Berichte kurzzeitig für Unsicherheit an den Märkten gesorgt, wonach Trump Powell nun doch feuern wolle. Seitdem ist der US-Präsident wieder davon abgerückt. Aus seiner Regierung gab es zuletzt widersprüchliche Signale: „Jerome Powell muss zurücktreten“, schrieb William Pulte, Chef der Wohnbehörde FHFA, wenige Stunden vor Trumps Besuch bei der Fed auf dem Kurznachrichtendienst X.
Überraschend versöhnliches Ende der Tour
Die Fed hatte bereits im Juni eingeräumt, dass die Kosten für die Renovierung höher ausfallen werden als zunächst geplant. Gründe dafür seien unter anderem Inflation und höhere Asbestvorkommen als gedacht. Trumps Regierung indes „versucht, das als Vorwand zu nehmen, um ihn loszuwerden“, sagt ein Berater in Washington.
Nach seiner Tour gab sich der Präsident indes überraschend versöhnlich. Ob die Kostenexplosion ein Grund sei, Powell aus dem Amt zu entfernen, will ein Reporter wissen. „Das würde ich jetzt nicht unter diese Kategorie fallen lassen“, so Trump, dessen Familie mit einem Immobilienunternehmen bekannt geworden ist. Dass Kosten „außer Kontrolle geraten, kann passieren“. Wichtig sei, dass die Fed das Projekt schnell zum Abschluss bringe.
Die Notenbank tagt nächste Woche Mittwoch erneut zum Zinsentscheid. Sie wird vermutlich den Zins in der derzeitigen Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent belassen, wie aus Daten der Derivatebörse CME hervorgeht.
Da die Inflation jedoch nicht so stark gestiegen ist, wie die Geldpolitiker zunächst befürchtet hatten, könnten sie die Tür für Zinssenkungen im September öffnen, vermutet der unabhängige Kapitalmarktexperte Ed Yardeni. Trump will, dass die Fed die Zinsen gleich um gut drei Prozentpunkte senkt. Das indes gilt als extrem unwahrscheinlich. Üblich sind Zinsschritte von einem Viertelprozentpunkt.
Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im nächsten Mai. Eine Reihe von Bankchefs und ehemaligen Geldpolitikern hatte sich zuletzt für eine unabhängige Notenbank ausgesprochen. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für stabile und verlässliche Finanzmärkte, so etwa der CEO der Bank of America, Brian Moynihan. Der Supreme Court hatte bereits vor Wochen signalisiert, dass Trump seinen Notenbankchef nicht bloß wegen Differenzen bei der Zinspolitik feuern könne. Aus anderen, triftigeren Gründen womöglich schon, wobei es hier rechtlich keine genauen Vorgaben gibt.
Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters.