Grönland: Großbritanniens Strategie steht mit Trumps Zolldrohung infrage
London. Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, im Konflikt um Grönland Sonderzölle gegen acht europäische Staaten zu verhängen, schockt die britische Politik. Premierminister Keir Starmer bezeichnete Trumps Ankündigung als „völlig falsch“. Die Zollandrohung richtete sich unter anderem gegen Großbritannien.
Starmer kündigte zunächst keine Gegenmaßnahmen an, will aber direkt mit Trump über den Riss in den traditionell „besonderen Beziehungen“ zwischen den beiden Verbündeten sprechen. Eine erste Gelegenheit zum Gespräch mit Trump bietet sich dem Premierminister in der kommenden Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
Insbesondere für Starmer ist die Drohung Trumps eine persönliche Niederlage. Er hatte sich bisher für sein gutes Verhältnis zum US-Präsidenten gerühmt und stolz darauf hingewiesen, dass Großbritannien von den bisherigen Strafzöllen der USA weniger hart getroffen wurde als die Europäische Union.
Tatsächlich werden die meisten britischen Exporte in die Vereinigten Staaten nur mit einem Zuschlag von zehn Prozent belegt, während für die Mehrzahl der Importe aus der EU ein Strafzoll von 15 Prozent fällig wird. Die EU hatte sich deshalb den Beschwichtigungskurs der britischen Regierung im Umgang mit Trump zum Vorbild genommen und bislang auf Gegensanktionen im transatlantischen Handel verzichtet. Die jüngste Drohung von Trump stellt diese Strategie jedoch infrage.
„Starmer ist durch Trumps neue Zollandrohung unglaublich bloßgestellt, da er das Handelsabkommen Großbritanniens stets als eine Rechtfertigung für die mildere Haltung seiner Regierung gegenüber dieser Administration angepriesen hat“, sagte Mujtaba Rahman, Europa-Chef der internationalen Politikberatung Eurasia Group. Das lasse den britischen Premier in den Augen vieler EU-Partner jetzt als „töricht“ erscheinen.
London lässt Gegenmaßnahmen offen
Bereits am Samstagabend hatte Starmer gesagt: „Wir haben deutlich gemacht, dass die Sicherheit in der Arktis für die gesamte Nato von Bedeutung ist und die Verbündeten gemeinsam mehr tun sollten, um der Bedrohung durch Russland in verschiedenen Teilen der Arktis zu begegnen.“ Die Verhängung von Zöllen gegen Verbündete, die sich für die kollektive Sicherheit der Nato-Verbündeten einsetzten, sei deshalb „völlig falsch“.
In seiner Haltung wird Starmer nicht nur von der konservativen Oppositionsführerin Kemi Badenoch unterstützt, sondern auch vom Rechtspopulisten Nigel Farage, der als Gesinnungsfreund von Trump gilt.
Am Sonntag sagte die britische Kulturministerin Lisa Nandy stellvertretend für die Labour-Regierung der BBC: „Unsere Haltung zu Grönland ist nicht verhandelbar.“ Über die Zukunft Grönlands könnten nur die Grönländer selbst und Dänemark entscheiden. Wie London reagieren würde, sollte Trump seine Zolldrohung wahr werden lassen, ließ die Ministerin offen.
Der US-Präsident will die zu Dänemark gehörende Inselgruppe zu einem Teil der USA machen, um, so seine Argumentation, in der Arktis ein stärkeres Gegengewicht zu Russland und China zu bilden. Dänemark und auch eine Mehrheit der Grönländer lehnen jedoch einen Verkauf ab und bieten den Amerikanern eine enge Sicherheitspartnerschaft an.
Mike Johnson, der republikanische Sprecher des US-Repräsentantenhauses, sagte der BBC, dass Trump den „Frieden durch Stärke“ sichern wolle. Er gehe aber nicht davon aus, „dass es zu einer militärischen Intervention in Grönland kommen wird. Der diplomatische Weg ist der richtige Weg.“
