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Aton-Chef Thomas Eichelmann„Wir wollen mit am Tisch sitzen“

Binnen fünf Jahren hat Thomas Eichelmann ein Milliardenvermögen verdoppelt: Im seltenen Interview spricht der Chef der Holding Aton über Renditen, den Börsengang von Edag und ein besonderes „Tierchen“ im Portfolio.Robert Landgraf 03.09.2015 - 15:00 Uhr Artikel anhören

„Wir denken in drei Säulen: Medizintechnik, Engineering und Mining.“

Foto: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt

Thomas Eichelmann ist ein Automobilfan. Zur Firmenholding Aton gehört auch der Börsenkandidat Edag. Wenn das Gespräch auf den Autoentwickler kommt, strahlt der Aton-Chef. Denn Edag hat das erste fahrbare Auto in Originalgröße produziert, das aus dem Drucker kommt und aus einer Mischung aus Kunststoff und Metall besteht. Bezogen ist das Ganze mit einer Stoffaußenhaut von Jack Wolfskin, angetrieben wird es von einem Elektromotor. Der Prototyp hat auf dem Genfer Automobilsalon für so viel Aufsehen gesorgt, dass selbst Eichelmann einen Termin braucht, um ihn anschauen zu können. Aber auch ein Interview mit Eichelmann ist ein seltenes Gut, das es nur alle paar Jahre einmal gibt.

Herr Eichelmann, seit Ihrem Start im Jahr 2010 haben Sie das Milliardenvermögen der Familie Lutz Helmig in der Holding Aton mehr als verdoppelt. Erreichen Sie das erneut in den nächsten fünf Jahren?
Wir rechnen nicht jährlich aus, wie viel das Aton-Portfolio wert ist. Aber wir diskutieren mehrfach jedes Jahr mit der Familie Helmig über strategische Ergänzungen und treffen gemeinsam alle wichtigen Entscheidungen. Typischerweise kommen am Ende durch neue Investments mehr Wert, Umsatz und Gewinn heraus. Aber es gibt keine klare Vorgabe wie etwa eine Verdoppelung des Wertes in fünf Jahren.

Wäre es trotzdem vorstellbar?
Ja, natürlich.

Hilft dabei auch ein Börsengang des Autoentwicklers Edag 2015? Nach einer Anleihe wäre das der zweite Schritt am Kapitalmarkt.
Wir überprüfen kontinuierlich, wie unsere Firmen am besten aufgestellt sind. Ein Zugang zum Kapitalmarkt gewährt natürlich immer Flexibilität, falls mehr Kapital etwa für strategische Zukäufe nötig ist.

Thomas Eichelmann – zur Person
Seine Leidenschaft für Autos hat Thomas Eichelmann mit dem Gründer der Helios-Kliniken, Lutz Helmig, zusammengebracht, um dessen Vermögen sich Eichelmann heute kümmert. Der 49-Jährige führt die Firmenholding Aton als CEO. Gleichzeitig leitet er das Family-Office Horus. Wertpapieranlagen und Immobilienengagements liegen hier. Der Ex-Berater von Boston Consulting und McKinsey war Finanzvorstand der Deutschen Börse, bevor er 2010 zu Aton wechselte.
Aton ist an über 150 Firmen beteiligt. Hier liegt ein Teil der 1,5 Milliarden Euro, die Helmig (69) durch den Verkauf der Helios-Kliniken erlöste. Die Aton-Gruppe erzielte 2014 einen operativen Gewinn von 149 Millionen Euro.

Wann fällt die Entscheidung pro Börsengang, im September?
Wie gesagt, wir analysieren regelmäßig, was die besten strategischen Optionen für unsere Portfoliounternehmen sind. Im Übrigen ist die Edag als GmbH organisiert. Es gibt also noch gar kein Vehikel für einen Börsengang.

Ist das wirklich so schwierig? Die Vorbereitungen laufen doch. Sie wollen doch den Börsengang über eine Schweizer AG organisieren?
Grundsätzlich ist die Aton netto nicht verschuldet und wir haben keinen akuten Handlungsbedarf unsere Beteiligungen in welcher Form auch immer zu veräußern. Das Eigenkapital entspricht den Schulden, was uns wichtig ist. Wir sind ein echtes „Private-Equity-Unternehmen“ und investieren privates Kapital langfristig in Unternehmen, während Finanzinvestoren ihr Geld maßgeblich über den Schuldenhebel verdienen.

Zurück zur Frage, nutzen Sie die Schweizer AG beim Gang auf das Parkett? Im Ergebnis würden Sie von niedrigeren Steuern und einer eingeschränkten Mitbestimmung profitieren und gleichzeitig als Verwaltungsratschef weiter starken Einfluss auf die Edag nach der Emission nehmen. Das wäre ein Modell für andere Familienunternehmer.
Wir versuchen immer innovativ zu sein. Rein steuerliche Gründe geben keinen Ausschlag. Unsere Philosophie verlangt, dass wir möglichst 100 Prozent an einem Unternehmen halten und bei strategischen Entscheidungen mit am Tisch sitzen und Einfluss nehmen. Dafür stellt eine Schweizer AG eine sinnvolle Gesellschaftsform dar. Für das operative Geschäft der Edag mit VW, Daimler oder BMW spielt das allerdings keine Rolle. Dafür ist das Edag-Management zuständig.

Und die Mitbestimmung?
Die Edag hat einen paritätisch mitbestimmten Aufsichtsrat. Wir haben keine Pläne das in der Zukunft zu ändern.

Schätzungen bewerten Edag mit einer Milliarde Euro. Stimmt das?
Wir diskutieren nicht öffentlich über unsere Bewertungen. Wir konzentrieren uns auf das Geschäft.

Können bald noch weitere Ihrer 150 Unternehmen folgen?
Wenn Sie jedes Unternehmen zählen, dann haben wir sicherlich mehr als 150 Firmen. Wir denken aber in drei Säulen. Medizintechnik, Engineering und Mining. Wir überlegen für jedes unserer Unternehmen, was der richtige Weg ist, Werte zu schaffen.

„Die Privatbank Ellwanger & Geiger ist ein besonderes ,Tierchen'. Für das Family-Office passt die Bank gut zu uns.“

Foto: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt

Ist der Bereich Bergbau angesichts der aktuellen Entwicklungen ein Sorgenkind?
Der Bergbau-Engineeringbereich ist sehr profitabel, aber gewiss ein volatiles Geschäft. Hier erkennen Sie die Vorteile unserer Firmenstruktur bei Aton. Die Bereiche haben wenig miteinander zu tun, das ist unsere Form der Risikostreuung. Außerdem werden die Verträge langfristig geschlossen, wenn eine Mine gebaut wird. Höchstens mittelfristig kann es ein Problem geben, wenn die Rohstoffpreise dauerhaft unter bestimmte Grenzen fallen. Das trifft dann natürlich den gesamten Markt. Ein Sorgenkind ist der Bereich definitiv nicht.

… noch nicht.
Nein, ich glaube nicht, dass der Minenbereich einer wird.

Wie sehen Ihre Anforderungen an die Rendite aus?
Wir wollen auf das investierte Eigenkapital mindestens eine Rendite von zehn Prozent nach Steuern verdienen.

Mit Blick auf die Rendite können Sie durchaus als Private-Equity-Investor durchgehen ...
Ja, das sind wir auch. Wir setzen echtes privates Kapital einer zugegebenermaßen sehr wohlhabenden Familie ein. Außerdem besitzen wir den Zeithorizont von zehn bis zu 20 Jahren, da auch noch die nächsten Generationen der Familie von der Holding profitieren sollen. Im Gegensatz zu Finanzinvestoren und ihren Fonds verspüren wir keinen Druck, das Geld irgendwann auszahlen zu müssen.

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Zum Firmenimperium gehört nicht nur Aton, sondern auch das Family-Office Horus der Familie Helmig, das Sie ebenfalls führen. Wie unterscheiden Sie die beiden Bereiche?
Bei Horus liegen die Engagements in Immobilien und die Wertpapierdepots einschließlich Aktienbeteiligungen, bei denen wir keine 100 Prozent haben und auch keine Mehrheit besitzen möchten. Hier sind wir als ganz normaler Anleger unterwegs.

Sie besitzen mit Ellwanger & Geiger auch eine Bank und sind an Wüstenrot & Württembergische beteiligt. Das sind doch Fremdkörper ...
Ellwanger & Geiger ist ein besonderes ,Tierchen‘. Neben der Arbeit als Privatbank hat sich das Institut auf Immobilien spezialisiert, sowohl im Fondsbereich als auch bei der Arbeit als Immobilienmakler. Da das für das Family-Office ein wichtiger Bereich ist, passt die Bank gut zu uns. Wir haben Know-how eingekauft.

Herr Eichelmann, vielen Dank für das Interview.

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