Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bodendienste Warum am Flughafen bald die Koffer liegen bleiben könnten

Die Bodendienstleister schlagen Alarm: Die Arbeit fehlt, das Geld fließt ab. Es drohen Ausfälle, die den Neustart des Luftverkehrs behindern könnten.
06.04.2020 - 14:06 Uhr Kommentieren
Ohne Mitarbeiter auf dem Flughafen-Vorfeld kann kein Flugzeug startklar gemacht werden. Quelle: imago/Eibner
TUI Flugzeug bei der Abfertigung

Ohne Mitarbeiter auf dem Flughafen-Vorfeld kann kein Flugzeug startklar gemacht werden.

(Foto: imago/Eibner)

Frankfurt Der Appell ist eindringlich. „Bei den bisherigen Gesprächen der Bundesregierung mit der Luftverkehrsbranche war ein Vertreter der Bodenabfertigungsdienste bislang nicht mit am Tisch“, heißt es in einem Brief an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der von den Unternehmen Swissport, WFS und Menzies unterzeichnet ist. Und weiter: „Ohne uns wird der Himmel über Deutschland ungeachtet der Unterstützung für Fluggesellschaften oder Flughäfen leer bleiben. Es handelt sich aktuell um die größte Krise, mit der unsere Branche jemals konfrontiert war.“

Es ist der Alarmruf eines Unternehmenszweigs innerhalb des Luftverkehrs, der üblicherweise nur wenig Beachtung bekommt, weil die Mitarbeiter ihren Job meist im Verborgenen erledigen: in den Kofferkellern, auf dem Vorfeld beim Be- und Entladen der Flugzeuge oder als Reinigungskraft in der Kabine der leeren Jets.

Doch wie die Airlines oder die Flughäfen leiden auch die sogenannten Bodenverkehrsdienste massiv unter dem aktuellen Stillstand im weltweiten Luftverkehr wegen des Coronavirus. „Wir werden Ende April noch 20 Prozent des Vorjahresumsatzes haben, wir haben aktuell noch fünf Prozent des Groundhandling-Volumens des Vorjahres“, berichtet Eric Born, Chef von Swissport. Das Unternehmen ist mit rund 65.000 Mitarbeitern in 50 Ländern und an 300 Flughäfen der größte Anbieter in diesem Markt.

Selbst mit der noch laufenden Cargo-Logistik schreibe das Unternehmen tiefrote Zahlen. 70 Prozent der Kosten seien Personalkosten. „Natürlich kann man diese Kosten reduzieren, aber dennoch verbrennt man Cash. Der tägliche Geldabfluss ist dramatisch“, sagt Born. Da sei die Frage, wie lange man das in einer Krise aushalten könne, die ja wohl länger dauern werde als zu Beginn gedacht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Am Beispiel der Bodenverkehrsdienste lässt sich gut aufzeigen, wie sich die enormen Ausfälle in der Luftfahrt Stück für Stück durch die extrem fragmentierte Wertschöpfungskette fressen. Erst mussten die Airlines ihre Jets parken und verhandeln mittlerweile weltweit um milliardenschwere Staatshilfen und teilweise sogar um den Einstieg der jeweiligen Staaten.

    Dadurch fehlen den Flughäfen die Gebühren und auch die Einnahmen in den Geschäften und der Gastronomie. Längst rufen auch die Airports um Hilfe. Beide Gruppen achten sehr darauf, ihre eigene Liquidität zu sichern.

    Das schlägt wiederum so richtig bei den Bodenverkehrsdiensten auf. „Wir haben massiv Probleme, weil uns Airlines nicht bezahlen“, berichtet Born von Swissport. In der Regel werde die Dienstleistung erst einige Zeit nach der Abfertigung eines Flugzeugs beglichen. Nun würden die Airlines aber ihr Geld zusammen und auch die Ausstände nicht mehr bezahlen. „Es gibt einige Airlines, die sind solidarisch, aber es gibt auch viele, die sind das nicht, weil sie selbst nicht wissen, ob sie überleben.“

    Mieten müssen weiter bezahlt werden

    Gleichzeitig laufen die Fixkosten der Dienstleister an den Flughäfen weiter. Für jede Halle, für jeden Stellplatz auf dem Vorfeld für das Gerät der Abfertiger muss bezahlt werden. Versuche, bei den Flughäfen einen Nachlass oder eine Stundung der Miete zu erreichen, werden in den meisten Fällen fehlschlagen, ist in der Branche zu hören. „Das wird abgelehnt, weil die Flughäfen die Einnahmen dringend brauchen. In der Krise ist sich jeder selbst halt am nächsten“, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

    Hinzu kommt der enorme Ausfall auf der Nachfrageseite – mit großen Folgen. „Viele Airlines erwarten von uns, dass die wenigen Flugzeuge zu den bisher vereinbarten Kosten abgefertigt werden. Aber wir haben in der Krise natürlich eine ganz andere Kostenstruktur, weil wir kein Synergiepotenzial mehr beim Einsatz des Personals haben“, so Born. Es gebe bei der Arbeit zwar kurze Spitzen, aber über den Tag eine komplette Unterauslastung der Mitarbeiter.

    Das Problem: Die großen Anbieter sind ausschließlich auf die Dienste an den Flughäfen konzentriert. Sie haben kaum Möglichkeiten, das Geschäft vorübergehend aus anderen Einnahmequellen zu stützen oder auch die Mitarbeiter anderswo einzusetzen. Etwas besser gestellt sind dagegen Unternehmen wie etwa die Frankfurter Wisag AG, die als Dienstleister in zahlreichen Branchen aktiv ist, so etwa bei Immobilien- und Industrie-Services.

    Wisag wollte das Schreiben von Swissport und anderen denn auch auf Anfrage nicht kommentieren. Man habe aktuell keinen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt, heißt es in der Frankfurter Unternehmenszentrale. „Die Krise ist eine extreme Belastung für alle Unternehmen. Wisag ist aber solide finanziert und verfügt derzeit über ausreichend Liquidität.“

    Swissport wiederum hat mittlerweile Restrukturierungsexperten von White & Case und Houlihan Lokey ins Haus geholt. Besitzer von Anleihen des Unternehmens wurden aufgefordert, mit den Experten Kontakt aufzunehmen. Das zeigt, wie dramatisch die Situation ist.

    „Meine erste Sorge ist, dass wir uns genug Liquidität besorgen können, um diese Krise zu überstehen“, sagt Born: „Wir sind im Februar mit einer Proforma-Liquidität von über 300 Millionen Euro gestartet. Das war eine sehr gute Ausgangssituation für das Jahr.“ Aber es werde wohl wenig Firmen geben, die ausreichend Reserven hätten, um monatelang mit einem Umsatz von nur noch 20 Prozent des normalen Niveaus überleben zu können.

    Born kündigt deshalb harte Entscheidungen an. „Wir werden den Betrieb in Ländern, die nie wirklich gute Zahlen geliefert haben, überprüfen.“ Bisher habe man diese Länder im Gesamtsystem mitgetragen, auch weil man den Kunden eine möglichst gute, weltweite Netzwerk-Abdeckung bieten wollte. „Das geht aber nicht mehr, wenn unsere Partner nicht bereit sind, uns zu unterstützen“, macht Born deutlich.

    Der Swissport-Chef hat eine klare Vorstellung, wie den Unternehmen aus der Misere geholfen werden kann: „Wenn die Regierungen einspringen, um Airlines zu helfen, muss unbedingt sichergestellt werden, dass die Airlines diese Liquidität zum Teil an die Service-Dienstleister weitergeben, in dem diese bezahlt werden – und zwar sofort.“

    Er verbindet diese Forderung mit einer eindringlichen Warnung: Selbst wenn die Airlines und Airports die Krise überleben würden, könne es sein, dass der Flugverkehr nach der Krise trotzdem nicht wieder auf die Beine komme, weil es der eine oder andere Groundhandler nicht geschafft habe. „Gerade mit Blick auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft sollten solche Risiken nicht eingegangen werden. Das Letzte, was Deutschland nach der Coronakrise braucht, ist ein instabiler Luftverkehr.“

    Mehr: Die Rückkehr des Staats – Wie die Coronakrise die Luftfahrt verändern könnte

    Startseite
    0 Kommentare zu "Bodendienste: Warum am Flughafen bald die Koffer liegen bleiben könnten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%