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Eishersteller Der Chef von Ben & Jerry's fordert Haltung gegen Rassismus ein

Der Eishersteller gehört zu einem Großkonzern. Trotzdem schreckt Firmenchef Matthew McCarthy nicht vor einer klaren Meinung zurück – selbst wenn das Kunden verprellt.
20.07.2020 - 08:25 Uhr 2 Kommentare
Eine klare Haltung gehörte von Anfang an zum Geschäftsmodell des Eisherstellers. Quelle: Ben and Jerry´s
Matthew McCarthy, Chef von Ben & Jerry's

Eine klare Haltung gehörte von Anfang an zum Geschäftsmodell des Eisherstellers.

(Foto: Ben and Jerry´s )

London Als nach dem Tod von George Floyd weltweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA stattfanden, machte sich ein großer Unterschied in der Geschäftswelt bemerkbar: Einige Unternehmen stellten sich offen hinter die „Black Lives Matter“-Bewegung, andere halbherzig – und viele gar nicht. Zu denjenigen, die sich klar gegen Rassismus aussprachen, zählte der US-Eishersteller Ben & Jerry's – und das, obwohl Firmenchef Matthew McCarthy sich keine Illusionen macht, dass das auf Widerspruch stößt.

„Wir werden regelmäßig kritisiert”, sagt McCarthy im Video-Interview mit dem Handelsblatt aus seinem Homeoffice im US-Städtchen Burlington, in dem auch die Firmenzentrale ist. „Es gibt immer Menschen, die anderer Meinung sind”, sagt er. Aber das damit verbundene Risiko, Kunden zu verärgern, müssten Unternehmen eingehen. Es sei wichtig, Haltung zu beziehen.

„Ich halte es nicht für realistisch zu glauben, dass man nur Zustimmung bekommt“, erklärt McCarthy, man könne und müsse auch nicht alle zufrieden stellen. Ein klares Profil sei auch wichtig für Kunden und Mitarbeiter – sie könnten sich schließlich nur dann mit ihrem Unternehmen identifizieren.

Wie schwierig es aber ist, dabei die richtige Balance zu treffen, bekam unter anderem Adidas zu spüren. Zwar verurteilte der deutsche Konzern Rassismus, doch einigen Mitarbeitern ging das nicht weit genug: Vor der Niederlassung in Portland demonstrierten Mitarbeiter, in sozialen Netzwerken gab es harsche Kritik. Der Konzern gelobte Besserung, die Personalchefin musste gehen.

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    Auch soziale Netzwerke waren unter Druck geraten, allen voran Facebook. Das Netzwerk wurde unter anderem dafür kritisiert, dass es – anders etwa als Twitter – nicht gegen umstrittene Posts von US-Präsident Donald Trump vorging. Auch sei Facebook nicht eingeschritten, als auf der Plattform Rassismus, Diskriminierung und Hassbotschaften verbreitet worden seien, hieß es.

    Für Facebook hatte das teure Folgen: Zahlreiche Firmen – darunter bekannte Namen wie Coca-Cola, Honda oder der Ben-and-Jerry's-Mutterkonzern Unilever – kündigten einen Werbeboykott an, wodurch Facebook viele Millionen Einnahmen entgehen dürften.

    Ben & Jerry's wird keine Halbherzigkeit vorgeworfen – aus gutem Grund: Eine klare Haltung gehörte von Anfang an zum Geschäftsmodell der beiden Firmengründer Bennett Cohen und Jerry Greenfield, die ihr Eiscreme-Unternehmen 1978 in einer ehemaligen Tankstelle starteten. Seit den Anfängen vertritt Ben & Jerry's die Devise „Faire Produkte, verantwortliches wirtschaftliches Handeln und soziales Engagement für die Gesellschaft“.

    Daran änderte sich auch nichts, als aus dem einst kleinen Laden einer der weltweit größten Eishersteller wurde, in dessen Fabriken pro Minute 400 Becher Eiscreme produziert werden. Und auch nicht, als Ben & Jerry's vor 20 Jahren vom Konsumgüterriesen Unilever aufgekauft wurde. Im Geschäftsbericht begrüßt es Unilever explizit, dass Marken „Haltung beziehen und aktiv werden bei Themen, die wirklich wichtig sind“.

    Und für Ben-&-Jerry's-Chef McCarthy, der von Unilever zu dem Eiscreme-Hersteller wechselte, ist eines dieser wichtigen Themen Rassismus. Dieser sei eine der „am weitesten verbreiteten und schädlichsten Eigenschaften vieler Gesellschaften auf der ganzen Welt, nicht nur hier in den Vereinigten Staaten“, erklärt er. Auf allen Ebenen müsse man dagegen vorgehen.

    Transparenz und Offenheit – nur bei einem Thema nicht

    Aktuell unterstützt Ben & Jerry's die „Defund the Police“-Bewegung in den USA: Geld, das zur Finanzierung der Polizei eingesetzt werde, sollte demnach in soziale Projekte investiert werden, die „Gesundheit, Friedenssicherung und Sicherheit fördern“.

    Aber allen guten Vorsätzen zum Trotz habe Ben & Jerry's noch viel zu tun. „Wir sind ein sehr weißes Unternehmen“, räumt McCarthy ein. „Die meisten unserer Angestellten sind weiß, ich bin weiß, und auch wenn wir enorme Fortschritte in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter erzielt haben, hinken wir bei der Repräsentation von Schwarzen hinterher.“ Man wolle weiter daran arbeiten, dass sich das bessere.

    Nur allzu gern spreche man darüber, wo man erfolgreich sei oder wie großartig die Produkte des Unternehmens seien. „Das ist in Ordnung. Aber es ist mein Privileg als CEO von Ben & Jerry's, dass ich auch über Dinge sprechen kann, bei denen wir noch Aufgaben vor uns haben – etwa dem Kampf gegen Rassismus.“

    Aber ein Thema gibt es dann doch, bei dem man sich bei Ben & Jerry's in Schweigen hüllt: Daten zu Umsatz oder Gewinn macht das Unternehmen nicht publik. Auf Nachfrage gibt es nur die wenig überraschende Aussage, dass Ben & Jerry's zu den „Super-Premium-Marken für Eiscreme in den USA und Deutschland zählt, die sich am besten verkaufen“.

    Mehr: Das Kulturproblem: Diese Baustellen könnten für Adidas teuer werden.

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    2 Kommentare zu "Eishersteller: Der Chef von Ben & Jerry's fordert Haltung gegen Rassismus ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Muss jetzt jedes Unternehmen auf diesen Zug aufspringen?

      Ich finde es verlogen, wenn Unternehmen ständig den Gratismut breittreten. Niemand hat darum gebeten oder die Integrität der Unternehmen in Frage gestellt. Sie wollen kostenlose Werbung, denn völlig egal, mit welchem Quatsch sie in der Zeitung stehen: Sie wurden abgedruckt. Dazu noch ein Bild vom Chef, damit es persönlicher wird und fertig ist die Werbung.

      Wenn sie endlich mal weniger Zucker in ihre Produkte kippen, wäre das auch eine Meldung wert. Das hier ist einfach nur noch peinlich.

      Da ich Ben & Jerry's noch nie mochte, muss ich zum Glück nichts von meiner Einkaufsliste streichen.

    • "Aktuell unterstützt Ben & Jerry's die „Defund the Police“-Bewegung in den USA: Geld, das zur Finanzierung der Polizei eingesetzt werde, sollte demnach in soziale Projekte investiert werden, die „Gesundheit, Friedenssicherung und Sicherheit fördern“. "

      Gut zu wissen!
      Werde ab sofort keine Ben & Jerry`s Produkte mehr kaufen.
      "Defund the Police" ist nichts anderes als kollektive "Sippenhaftung" für zehntausende von Cops.
      Daher für mich strikt abzulehnen.




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