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EventinManövrierunfähiger Öltanker wird nach Sassnitz geschleppt

Die „Eventin“ wird nun doch vor einen der Häfen auf Rügen geschleppt. Das mit 99.000 Tonnen Öl beladene Schiff steht im Verdacht, Teil der russischen Schattenflotte zu sein. 11.01.2025 - 15:16 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Die mit 99.000 Tonnen Öl beladene „Eventin“ wurde vom Notfallschlepper „Bremen Fighter“ an den Haken genommen und soll in einen Hafen geschleppt werden. Foto: Stefan Sauer/dpa

Sasnitz. Der manövrierunfähige Tanker „Eventin“ mit rund 100.000 Tonnen Öl an Bord wird nun vor den Hafen von Sassnitz auf Rügen geschleppt. Ziel sei die Reede des Stadthafens, rund vier Kilometer vor der Küste, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos der Deutschen Presse-Agentur am Nachmittag. Dort werde der Schleppverband am Sonntag erwartet. Eine Reede ist ein Ankerplatz zum Beispiel vor Häfen, wo Schiffe warten können.

Die „Eventin“ war in der Nacht zu Freitag mit einem Totalausfall der Systeme und der Maschine havariert und trieb stundenlang führerlos nördlich von Rügen in der Ostsee. Am Freitagnachmittag gelang es deutschen Einsatzschiffen, den Tanker mit Hilfe eines Notfallschleppers zu sichern. Später trafen zwei weitere Schlepper ein.

Der Schleppverband sollte den Tanker zunächst wegen kräftigen Nordwindes auf eine Position nordöstlich von Kap Arkona bringen. Im Verlauf des Einsatzes sei dann entschieden worden, dass die Reede des Stadthafens Sassnitz der bessere Platz sei, so die Sprecherin.

Das Schiff sei dicht, für die Umwelt bestehe keine Gefahr, sagte die Sprecherin. Auch für die Besatzung des unter der Flagge von Panama fahrenden Tankers besteht demnach keine Gefahr. Die Seeleute seien an Bord und blieben auch da, eine Evakuierung sei nicht nötig.

An Bord hat es einen Maschinenausfall gegeben. Weshalb es zu dem „Blackout“ kam, sei bislang nicht bekannt, sagte die Sprecherin.

Unterwegs von Russland nach Ägypten

Die „Eventin“ ist Baujahr 2006 und steht auf einer Liste der Umweltorganisation Greenpeace mit Schiffen der sogenannten russischen Schattenflotte. Mit solchen Schiffen wird russisches Öl exportiert. Sie sind oft überaltert.

Rettungsteams ist es gelungen, Schleppverbindungen zu dem nördlich vor Rügen havarierten Öltanker „Eventin“ herzustellen. Foto: -/Havariekommando/dpa

Nach Angaben des Tracking-Dienstes Vesselfinder war der Tanker auf dem Weg von Ust-Luga (Russland) nach Port Said (Ägypten). Das Havariekommando sprach von mäßigem bis frischen Wind – mehr Details zu Wetter und Wellengang konnten sie zunächst nicht geben.

Erst Mitte Oktober hatte es einen Zwischenfall mit einem Tanker vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste gegeben. Das kleine Öltankschiff „Annika“ brannte auf der Ostsee in Sichtweite Küste. Das Schiff war auf dem Weg von Rostock nach Travemünde, als am 11. Oktober rund 4,5 Kilometer vor dem Ostseebad Heiligendamm an Bord Feuer ausbrach. Nach ersten Löscharbeiten auf See war das 73 Meter lange und 12 Meter breite Schiff von Schleppern in den Rostocker Überseehafen bugsiert worden. Öl trat bei dem Zwischenfall nicht aus.

Scharfe Kritik von Baerbock an Putin

Außenministerin Annalena Baerbock warf Russland vor, mit seiner Schattenflotte schwere Umweltschäden in Kauf zu nehmen und zugleich den Tourismus zu gefährden. „Mit dem ruchlosen Einsatz einer Flotte von rostigen Tankern umgeht Putin nicht nur die Sanktionen, sondern nimmt auch billigend in Kauf, dass der Tourismus an der Ostsee zum Erliegen kommt - sei es im Baltikum, in Polen oder bei uns“, sagte die Grünen-Politikerin und bezog sich damit auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

„Russland gefährdet unsere europäische Sicherheit nicht nur mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine, sondern auch mit durchtrennten Kabeln, verschobenen Grenzbojen, Desinformationskampagnen, GPS-Störsendern und eben auch mit maroden Öltankern.“ Genau vor diesem Szenario habe sie gemeinsamen mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Ostseeraum immer wieder gewarnt.

Litauen für striktes Vorgehen gegen Russlands Schattenflotte

„Russland gefährdet unsere europäische Sicherheit nicht nur mit seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine, sondern auch mit durchtrennten Kabeln, verschobenen Grenzbojen, Desinformationskampagnen, GPS-Störsendern und eben auch mit maroden Öltankern.“ Genau vor diesem Szenario habe sie gemeinsamen mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Ostseeraum immer wieder gewarnt.

Litauens Außenminister Kestutis Budrys hat sich für ein entschiedeneres Vorgehen und weitere Maßnahmen gegen Russlands Schattenflotte ausgesprochen. „Die Ostsee ist das wichtigste Tor für Russlands Ölexporte und das müssen wir unterbinden“, sagte er bei einem Besuch in der estnischen Hauptstadt Tallinn.

Zugleich sei die Schattenflotte ein „Instrument in den Hybridaktivitäten“ und stelle eine Bedrohung für die Umwelt dar. Daher müsse sie gestoppt werden, sagte Budrys. Der Minister sagte, er hoffe, dass sich die zur Nato gehörenden Ostseeanrainerstaaten bei ihrem Gipfel kommende Woche in Finnland politisch darauf einigen können.

Oliver Zielinski vom Leibniz-Instituts für Ostseeforschung: „Generell bin ich aber von dem professionellen Arbeiten des Havariekommandos und der in Deutschland existierenden Strukturen überzeugt.“ Foto: Focke Strangmann/dpa

Russland wird seit langem vorgeworfen, zur Umgehung eines westlichen Preisdeckels für russische Ölexporte in Drittstaaten auf Schiffe zu setzen, die nicht in der Hand westlicher Reedereien und nur unzureichend versichert sind. Weiter betonte Budrys ebenso wie sein estnischer Kollege Margus Tsahkna, dass internationale Vorschriften und nationale Regulierungen angepasst werden müssen, um auf Zwischenfälle in der Ostsee reagieren zu können.

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Bei ihrem Spitzentreffen in Helsinki wollen die Nato-Verbündeten der Anrainerstaaten über die Sicherheit in der Region sprechen, nachdem es zuletzt wiederholt zu Vorfällen gekommen war, bei denen Leitungen und Kabel in der Ostsee beschädigt wurden.

An Weihnachten waren Schäden an einem Stromkabel zwischen Finnland und Estland sowie an vier Kommunikationskabeln festgestellt worden. Die finnischen Behörden setzten in der Folge den Öltanker „Eagle S“ fest, der nach Einschätzung der EU zur russischen Schattenflotte gehört.

dpa, doj
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