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Familienunternehmen Die Spreewaldgurke wird französisch: Andros schluckt Spreewaldkonserve

Die Gurken aus dem Spreewald sind ein Kultprodukt aus DDR-Zeiten. Doch der Markt ist schwierig. Jetzt übernimmt ein für seine Edelkonfitüren bekanntes, französisches Unternehmen.
11.01.2021 - 09:38 Uhr Kommentieren
Die Spezialität aus Brandenburg ist in der EU geografisch geschützt. Quelle: Spreewaldhof
Spreewaldgurken

Die Spezialität aus Brandenburg ist in der EU geografisch geschützt.

(Foto: Spreewaldhof )

Düsseldorf Spreewaldgurken gehören wie Rotkäppchen-Sekt, Halloren-Kugeln oder Bautz’ner Senf zu den Kultprodukten aus Ostdeutschland, die die Wende überlebt haben. Nun wird die Marke „Spreewaldhof“, Marktführer in Ostdeutschland, französisch.

Der Frucht- und Milchverarbeiter Andros, bekannt für seine Edel-Konfitüren „Bonne Maman“, schluckt das brandenburgische inhabergeführte Unternehmen Spreewaldkonserve Golßen samt seiner ungarischen Tochtergesellschaft Schenk és Társa Kft. Das haben die beiden Unternehmen am Freitagabend bekannt gegeben. Die Standorte sollen erhalten bleiben. Über den Preis wurde nichts bekannt. Die Kartellbehörden müssen dem Verkauf an Andros, ebenfalls ein Familienunternehmen, noch zustimmen.

Spreewaldkonserve Golßen gehört seit der Wende den Geschwistern Karin Seidel, 67, und Konrad Linkenheil, 66, vom Niederrhein. „Wir sind seit 41 Jahren begeisterte Unternehmer und seit 30 Jahren Inhaber von Spreewaldkonserve. Die nachfolgende Generation hat mehrheitlich einen anderen Weg eingeschlagen“, erklärten beide. „Auch aus diesem Grund war der Verkauf an ein starkes Unternehmen alternativlos, um die Zukunft des Betriebes zu sichern“, sagten sie dem Handelsblatt.

Es bedurfte eines noch leistungsstärkeren Unternehmens, das durch seine Größe, Möglichkeiten und Finanzkraft die Wettbewerbsfähigkeit der Spreewaldkonserve im Markt weiter verbessert, begründeten die Inhaber den Verkauf. Die Brandenburger machten im Geschäftsjahr 2019/20 rund 115 Millionen Euro Umsatz, Käufer Andros etwa zwei Milliarden Euro.

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    Die Unternehmergeschwister hatten den einstigen VEB Spreewaldkonserve Golßen nach der Wende gekauft. Quelle: Spreewaldhof
    Karin Seidel und Konrad Linkenheil

    Die Unternehmergeschwister hatten den einstigen VEB Spreewaldkonserve Golßen nach der Wende gekauft.

    (Foto: Spreewaldhof )

    Familie Linkenheil führte seit 1892 am Niederrhein eine Fabrik für Obstkonserven. Nach der Wende übernahmen sie den einstigen VEB Spreewaldkonserve Golßen. Der Betrieb war 1946 gegründet und später verstaatlicht worden. Die sauer eingelegten Dillgurken aus dem Spreewald waren zu DDR-Zeiten heiß begehrt. Sie wurden als „Bückware“ unter dem Ladentisch gehandelt.

    Im Jahr 2000 verlagerte die Familie ihre Produktion vom Niederrhein ganz in den Spreewald. Mehr als 30 Obst- und Gemüsesorten von Gurken über Rotkohl bis Apfelmus werden heute verarbeitet und in über 30 Länder verkauft. Etwa 200 Mitarbeiter und rund 220 Saisonkräfte sind bei Spreewaldkonserve beschäftigt.

    Das Unternehmen ist bei Obstkonserven laut Marktforscher IRI bundesweit auf Platz zwei, bei Gurkenkonserven die Nummer eins im Osten und deutschlandweit die Nummer drei. Die Bezeichnung „Spreewald-Gurke“ ist von der EU seit 1999 geschützt.

    Niedrige Margen, schwieriges Geschäft

    Das Familienunternehmen hat seinen Umsatz zuletzt stetig gesteigert. Allerdings sind die Margen in der Branche niedrig. Der Jahresüberschuss bei Spreewaldkonserve Golßen lag dem Bundesanzeiger zufolge vor einem Jahr bei gerade einmal 1,4 Millionen Euro.

    „Low interest – low price – low margin“, fasst Branchenexperte Werner Motyka von der Beratung Munich Strategy die Probleme der Branche zusammen. Das Interesse von Kunden und Handel an Obst- und Gemüsekonserven sei so gering wie die Margen.

    Dass der Run auf Konserven, die im ersten Lockdown oft vergriffen waren, nach Corona anhält, ist nicht zu erwarten. Die Konserven-Sparte von Bonduelle etwa habe sich seit Jahren um Innovation und Impulse für das Segment bemüht, leider auch mit wenig Erfolg, so Motyka.

    Rund 12.000 Tonnen Gurken verarbeitet Spreewaldkonserve Golßen in der Saison. Quelle: Spreewaldhof
    Sortieren von Spreewaldgurken

    Rund 12.000 Tonnen Gurken verarbeitet Spreewaldkonserve Golßen in der Saison.

    (Foto: Spreewaldhof )

    120 Millionen Euro hatte die Familie in Spreewaldkonserve investiert. Unter dem neuen französischen Eigentümer soll das Unternehmen, dessen Fokus laut Motyka bisher auf Handelsmarken lag, wettbewerbsfähiger werden. Käufer Andros weiß, worauf er sich einlässt. Die Franzosen hatten 1991 bereits den Hersteller der Marke Odenwald in Breuberg zugekauft, nach eigenen Angaben deutscher Marktführer für „Obst im Glas“.

    Andros mit Sitz im südfranzösischen in Biars-sur-Cère hat zudem bereits einen Standort in Ostdeutschland. Zur Gruppe gehört das Milchwerk Elsterwerda mit der Marke „Mark Brandenburg“.

    Synergien zwischen Andros und Spreewaldkonserve sieht Berater Motyka im regionalen Sourcing, aber auch in der Distribution. Andros habe die Chance, aus der Substanz von Spreewaldhof mehr herauszuholen. „Wir werden die Erfolgsgeschichte von Spreewaldkonserve begeistert weiterschreiben“, sagte Tim Schwertner, Geschäftsführer von Andros Deutschland.

    Doch insgesamt steht die Branche vor Herausforderungen: Obst und Gemüse leiden unter dem Klimawandel. „Es wird mehr Bewässerung benötigt, Unwetter verursachen zunehmend Ernteschäden, die durchschnittlichen Qualitäten leiden“, beobachtet Motyka.

    Weil der Juli ungewöhnlich kalt war, wuchsen die Gurken kaum. Zeitweise stand die Hälfte der Produktion in Golßen still. Unternehmer Linkenheil bangte um die Ernte. Und die ist nicht klein: Immerhin verarbeitet Spreewaldkonserven sonst 12.000 Tonnen Gurken in der Saison.

    Mehr: Ostdeutsche Erfolgsgeschichten – Der märchenhafte Aufstieg von Rotkäppchen

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