Familienunternehmen: Warum Luxuskosmetikhersteller Babor Stellen streicht
Düsseldorf. Die Kosmetikfirma Babor will ihre Strukturen anpassen – und in diesem Zuge auch Stellen abbauen. Fünf bis acht Prozent der Belegschaft müssen gehen, das sind zwischen 50 und 80 Mitarbeiter. Insgesamt zählt das Aachener Unternehmen 1000 Beschäftigte.
„Als Familienunternehmerin tut mir das schon weh, weil ich die betroffenen Mitarbeiter nicht nur mit Namen kenne“, sagte Co-Inhaberin Isabel Bonacker dem Handelsblatt. Firmenumbau und Entlassungen seien allerdings nötig, um weiter investieren und die Gruppe wettbewerbsfähiger aufstellen zu können. 2026 wird das Unternehmen 70 Jahre alt.
Mit mehr als 250 Einzelmaßnahmen in vier Projekten soll die gesamte Wertschöpfungskette verbessert werden, sagt Bonacker. Also etwa die Bereiche Produktion, Abfüllung und Logistik. Das Unternehmen will seine Prozesse auch mithilfe Künstliche Intelligenz (KI) effizienter machen.
„So viele Krisen wie nie wirken gerade auf einmal auf uns ein – da müssen wir agiler und resilienter werden“, sagt Bonacker. Das Management informierte die Beschäftigten am Montagmorgen. Mit dem Umbau will Babor die Kosten drücken. Etwa zehn Prozent des Umsatzes, also rund 26 Millionen Euro, sollen eingespart werden.
Wie andere Luxusmarken auch leidet die Konsumgüterfirma unter der Kaufzurückhaltung. Das gilt vor allem im Heimatmarkt, der für knapp die Hälfte des Umsatzes der Kernmarke Babor steht. Gleichzeitig sind infolge von Coronapandemie, Ukrainekrieg und durch die erratische Politik von US-Präsident Donald Trump die Rohstoff- und Logistikkosten deutlich gestiegen.
Für die Luxushautpflegefirma, die für ihre Ampullen bekannt ist, ist das eine Zäsur. In der vergangenen Dekade hatte die Babor Beauty Group ihren Umsatz jedes Jahr prozentual zweistellig gesteigert.
Umsatz stagniert nach jahrelangem Wachstum
2014 war Bonacker gemeinsam mit ihrem Cousin Martin Grablowitz in den Verwaltungsrat eingezogen und hatte das Familienunternehmen strategisch neu aufgestellt. Damals gab es die Cremes und Seren von Babor hauptsächlich in professionellen Kosmetikinstituten. Nun werden die Produkte in vielen stationären Geschäften und online vertrieben.
In der Folge hat sich die Zahl der Beschäftigten fast verdreifacht. Das Gleiche gilt für die Erlöse, die 2014 noch bei 93 Millionen Euro lagen. 2024 fiel der Umsatz erstmals nach zehn Jahren mit 260 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr. Auch der Gewinn ging zurück.
Denn vor allem in Nordamerika ist die Nachfrage derzeit zurückhaltend. Auch in China sind viele Verbraucher angesichts der wirtschaftlichen Schwäche nicht in der Stimmung, teure Cremes zu kaufen.
Allerdings stellt Babor nicht nur die eigene Marke her, sondern produziert im Auftrag des Handels auch Cremes für preisgünstigere Eigenmarken. Auch durch Zukäufe hatte die neue Inhabergeneration dieses Geschäft deutlich ausgebaut. Weil viele Verbraucher angesichts der Inflation sparen, ist dieser Bereich in den vergangenen Jahren stark gewachsen.
Zudem hat das Familienunternehmen ein Private-Label-Geschäft aufgesetzt. Influencerinnen, Schauspieler oder Dermatologen können Cremes unter eigener Marke bei Babor in Auftrag geben. Dieses Geschäft und das mit Eigenmarken für den Handel stehen für knapp 50 Prozent der Umsätze.
Ineffiziente Strukturen
„Durch das schnelle Wachstum sind Strukturen entstanden, die nicht mehr effizient funktionieren“, sagt Co-Geschäftsführer Tim Waller. Er ist einer von drei angestellten Managern und führt das Unternehmen operativ.
Im Kern soll die Entstehung der Produkte optimiert werden: So gibt es für die Herstellung der Babor-Marke und der Eigenmarken unterschiedliche Prozesse und sogar verschiedene IT-Systeme. Das liegt daran, dass Handelsmarken schneller entwickelt und in großen Stückzahlen produziert werden. Bei der Marke liegt der Fokus mehr auf Innovationen.
In den kommenden Monaten sollen Abläufe und IT vereinheitlicht werden, auch Einkaufsprozesse sollen besser abgestimmt werden. Zudem sollen Lager systematischer ausgesteuert werden.
Das Management will betriebsbedingte Kündigungen etwa durch Altersteilzeit oder ein Freiwilligenprogramm vermeiden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat beginnen diese Woche.
Bei der Umstrukturierung lässt sich Babor von Jan Kemper beraten. Der frühere Finanzchef der Smartphonebank N26, der TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1 und des Onlinehändlers Zalando arbeitet nun als Berater und hat eine Honorarprofessur für Wirtschaftswissenschaften an der RWTH Aachen. Gemeinsam mit den Beschäftigten von Babor sollen Maßnahmen ausgearbeitet und umgesetzt werden.
„Babor hat beste Voraussetzungen: eine starke Marke, unternehmerische Kontinuität sowie den Mut und Anspruch, sich weiterzuentwickeln“, sagt Kemper. Der eingeschlagene Weg sei notwendig und richtig.
Babor setzt auf „made in Germany“
Trotz hoher Kosten am Heimatstandort will Babor an „made in Germany“ festhalten. Vor zwei Jahren investierte die Firma 60 Millionen Euro in eine neue Fabrik, kurz vor Ausbruch der Pandemie 20 Millionen in eine neue Firmenzentrale.
Für das Unternehmen ist es nach eigenen Angaben Teil des Werteversprechens, Expertenhautpflege aus Deutschland anzubieten. Gerade für Kunden in den USA und China sei das ein Prädikat. Zudem verfüge man in Deutschland über erfahrenes Personal.
„Das heißt nicht“, sagte Bonacker im Februar im Handelsblatt-Interview, „dass es vielleicht in 15 Jahren im europäischen Ausland noch ein Werk geben kann. Wir sehen ja auch, dass die Kosten hier nur in eine Richtung gehen“.
Das Profigeschäft, das für knapp die Hälfte der Umsätze der Kernmarke steht, ist nicht direkt betroffen. Die Aachener sind hierzulande in rund 2000 Kosmetikinstituten vertreten. Schon seit Jahren versucht Babor, diesen Bereich auszudehnen. So bietet die Firma vermehrt professionelle Kosmetikanwendungen in Hotels an.
Erstpublikation: 19.05.2025, 12:11 Uhr.