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Großhandel Metro nutzt die Coronakrise für sich – und hilft dabei auch der Gastronomie

Der Umsatz der Metro sinkt trotz der Restaurantschließungen nur leicht. Konzernchef Olaf Koch sieht den Großhändler deshalb sogar stark genug für Übernahmen.
15.12.2020 - 07:59 Uhr Kommentieren
Der Großhändler wagt nur eine vorsichtige Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Quelle: imago/Sven Simon
Metro-Chef Olaf Koch

Der Großhändler wagt nur eine vorsichtige Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

(Foto: imago/Sven Simon)

Düsseldorf Für viele Gastronomen ist die Metro in Coronazeiten ein Rettungsanker. Als es Vorschrift wurde, die Kontakte der Gäste nachzuvollziehen, ließ der Großhändler ein digitales Check-in-Tool programmieren, das Restaurant-Betreiber von der Zettelwirtschaft entlastet. „Nach einer Woche hatten wir schon 3000 angeschlossene Restaurants in unseren europäischen Ländern“, erzählt Volker Gläser, Leiter des Bereichs Hospitality Digital bei Metro.

Und als die Restaurants schließen mussten, startete Metro eine Kooperation mit Google, um einen Lieferservice in Google-Maps zu integrieren. Die angeschlossenen Gastronomen müssen jetzt nicht mehr Provisionen an Dienste wie Lieferando zahlen, sondern bekommen Kunden für ihren Lieferdienst kostenlos über die Google-Suche vermittelt.

Das Programm „Dish Order“ ist in kurzer Zeit so erfolgreich, dass die Kooperation mit Google im ersten Quartal 2021 auch auf Großbritannien ausgeweitet wird.

Doch die wichtigste Nachricht für die Eigentümer der Metro: Die von Hospitality Digital entwickelten kostenlosen Software-Helfer machen nicht nur die Gastronomen glücklich. Sie zahlen sich auch für den Großhändler aus. „Der Warenkorb der Gastronomen, die mindestens eins unserer digitalen Tools nutzen, ist im Schnitt um bis zu 50 Prozent pro Jahr höher“, sagt Metro-Manager Gläser. „Außerdem haben sie eine doppelt so hohe Kauffrequenz.“

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    Diese digitalen Initiativen tragen nicht unerheblich dazu bei, dass der Umsatzrückgang bei Metro im Krisenjahr 2020 noch vergleichsweise moderat ausfällt – obwohl die wichtigsten Kunden, die Restaurants, wochenlang geschlossen waren. Der Umsatz fiel um gerade mal 5,4 Prozent auf 25,6 Milliarden Euro. Im deutschen Markt ging der Umsatz sogar nur um 0,8 Prozent zurück. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sank um 16,8 Prozent auf 1,158 Milliarden Euro.

    Die Effekte der Pandemie werden auch im 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahrs spürbar sein. „Der erneute Lockdown kostet uns zwar wieder Umsatz und Ergebnis“, sagt Metro-Chef Olaf Koch im Gespräch mit dem Handelsblatt.

    „Aber wir sind besser vorbereitet als im Frühjahr, finanziell besser aufgestellt als viele Wettbewerber und sehen nicht nur Risiken, sondern auch die große Chance, Marktanteile zu gewinnen und so den Grundstein für nachhaltiges Wachstum nach der Pandemie zu legen“, so Koch.

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    Metro hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr von der Supermarkttochter Real getrennt und sich damit komplett auf den Großhandel fokussiert. „Wir können uns jetzt auf eine Sache konzentrieren, und das hilft in einer so schwierigen Zeit“, betont der Metro-Chef. „Und wir haben durch den Verkauf von Real und den Teilverkauf in China eine bärenstarke Liquiditätsposition.“

    Und die will das Unternehmen auch für gezielte Zukäufe nutzen. Gerade erst hat Metro den Großhändler Aviludo in Portugal übernommen und ist damit auch in diesem Land Marktführer. Koch macht kein Geheimnis daraus, dass weitere Übernahmen folgen könnten. „Die Einschläge in der Branche werden größer, und damit öffnen sich für uns Türen, aktiv an der Konsolidierung teilzuhaben“, sagt er.

    Wichtig sei bei Übernahmen jedoch das richtige Timing und dass zugekaufte Unternehmen entweder ein komplementäres Sortiment oder eine komplementäre Kundengruppe bringen. „Die reine Vergrößerung des Marktanteils bringt in unserer Branche keinen Vorteil“, sagt Koch.

    Analysten sind noch nicht überzeugt, dass Metro die Krise schon überstanden hat. „Der Covid-19-Ausbruch hat sich dramatisch auf das Geschäft ausgewirkt, und es müssen weitere wichtige Maßnahmen ergriffen werden, um das Geschäft sicherer zu machen und es Metro zu ermöglichen, gestärkt aus der aktuellen Krise herauszukommen“, betont Andrew Porteous von HSBC Global Research.

    Deshalb sieht er noch harte Zeiten voraus. Das erste Quartal, das für Metro im Oktober begonnen hat und das eigentlich einen wichtigen Beitrag zu den Ergebnissen liefern sollte, bringe weiteren Gegenwind, erwartet er. Mehrere Banken, darunter die DZ Bank, Barclays Capital und die Baader Bank, haben jüngst das Kursziel für Metro gesenkt. Sie alle äußern Sorgen, dass die Lockdown-Maßnahmen der Regierungen auf die Ergebnisse durchschlagen.

    Diese Skepsis spiegelt sich auch im Aktienkurs. So hat das Papier sich von seinem Einbruch Anfang März, als es um fast 50 Prozent auf 6,20 Euro gefallen war, noch nicht wirklich wieder erholt und lag zuletzt bei 7,50 Euro. Auch nach Bekanntgabe des Jahresergebnisses am Montagabend zeigte der Kurs nach Börsenschluss nur eine ganz leichte Aufwärtsbewegung.

    „Pandemie ist Härtetest für das Geschäftsmodell“

    Auch das Metro-Management ist vorsichtig bei der Prognose für das laufende Geschäftsjahr. So rechnet es mit einem erneuten leichten Rückgang des Umsatzes. Dabei geht es von staatlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis Mitte des zweiten Quartals aus. Koch sagt trotzdem selbstbewusst: „Wir haben gezeigt, dass wir mit der Pandemie sehr gut umgehen können, und deshalb mache ich mir auch keine Sorgen für das kommende Jahr.“

    Denn der Metro-Chef ist sich sicher, dass der Umbau des Geschäftsmodells und die Initiativen in der Digitalisierung langfristig nachhaltige Erfolge bringen. „Für unser jetzt auf den Großhandel fokussiertes Geschäftsmodell ist die Pandemie ein Härtetest“, räumt der Metro-Chef ein. Aber er ist sich sicher: „Wir haben ihn bestanden.“

    Der erste Schritt war es, die Kunden bei der Digitalisierung voranzubringen, um ihnen über die Krise zu helfen. „Unsere Kooperation mit Google ist da ganz wichtig“, sagt Koch. Der nächste, entscheidende Schritt ist komplexer: Jetzt sollen die von Hospitality Digital entwickelten Tools direkt mit dem Kerngeschäft verbunden werden.

    Dann bekommen Gastronomen etwa eine Software, die ihren Wareneinsatz analysiert und aus der sie dann gleich die benötigten Lebensmittel im Großhandel bestellen können – ohne sich in ein neues System einzuloggen. Damit wäre der Einkauf bei Metro digital in die Arbeitsprozesse der Kunden integriert.

    Metro-Manager Gläser räumt ein, dass das ein „komplexer Prozess“ sei. Denn während die Metro auf einem traditionellen Warenwirtschaftssystem läuft, arbeiten die neuen Kunden-Tools mit schlanker Software aus der Cloud. „Die Welten zu verbinden gelingt uns nicht über Nacht“, so Gläser. Da sind erste Erfolge erst im Laufe des kommenden Jahres zu erwarten.

    Olaf Koch wird das nicht mehr als Metro-Chef miterleben. Er hat dafür die Weichen gestellt, aber zum Jahreswechsel tritt er nach neun Jahren an der Spitze des Handelskonzerns ab. Kommissarisch übernehmen die beiden bisherigen Vorstände Christian Baier und Rafael Gasset als Doppelspitze, eine langfristige Nachfolge wird noch gesucht. Damit komme das Unternehmen „in eine neue Periode der Unsicherheit“, gibt HSBC-Analyst Porteous zu bedenken.

    Hilfreich für eine rasche Nachbesetzung dürfte sein, wenn sich die Ankeraktionäre, die bisher eher gegeneinander arbeiteten, näherkommen sollten. Erste Gespräche zwischen Daniel Kretinsky, der 40 Prozent der Anteile hält, und den Altaktionären Beisheim und Meridian, die zusammen 25 Prozent halten, soll es gegeben haben. Noch aber lassen sie sich nicht in die Karten schauen.

    Mehr: So bereiten sich die Einzelhändler auf den Lockdown vor.

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