Interview mit Unternehmer Michael Otto: „Wir wollen nicht Amazon kopieren“
Der Inhaber der Otto Group beklagt die zunehmende Monotonie in vielen Innenstädten.
Foto: IMAGO/SEPA.MediaHerr Otto, viele sehen den Onlinehandel als Totengräber der Innenstadt. Ist Ihre Otto-Group mitschuldig am Sterben von einst stolzen Marken wie Kaufhof und Karstadt?
Der Höhepunkt der genannten Warenhäuser liegt schon einige Jahrzehnte zurück, sodass deren Niedergang gewiss nichts mit dem Onlinehandel zu tun hat. Der Onlinehandel generell verschärft vielleicht die Probleme, aber die eigentliche Ursache liegt doch in der zunehmenden Monotonie in vielen Innenstädten. Stets dieselben Ketten prägen das Bild, die Städte werden immer austauschbarer.
Im Modehandel werden bereits 50 Prozent des Umsatzes online gemacht. Haben da Warenhäuser überhaupt noch eine Zukunft?
Der Onlinehandel insgesamt hat einen Marktanteil von gut zehn Prozent. Aber richtig ist: Händler werden in den meisten Fällen nur überleben, wenn sie ihre Filialen mit dem E-Commerce verknüpfen. Die Händler, die sich weggeduckt haben und dachten, die Digitalisierung wird schon über sie hinweggehen, die haben jetzt die größten Probleme. Der Onlinehandel bietet doch auch für den stationären Einzelhandel große Chancen.