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  4. Nach Skandaläußerungen: Adidas beendet Kooperation mit Kanye West

Kanye West & AdidasSportartikel-Konzern beendet die Kooperation mit dem Künstler

Die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Rapper Kanye West hatte Adidas Milliardenumsätze gebracht. Die Adidas-Aktie gibt an der Börse deutlich nach.Axel Höpner 26.10.2022 - 08:34 Uhr Artikel anhören

Der Rapper gilt als Unterstützer des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Foto: Reuters

München. Der Sportartikelkonzern Adidas beendet nach antisemitischen Äußerungen und massiver internationaler Kritik die Zusammenarbeit mit dem US-Rapper Kanye West mit sofortiger Wirkung. „Adidas duldet keinen Antisemitismus und keine andere Art von Hassrede“, teilte der Konzern am Dienstag mit. Die jüngsten Äußerungen und Handlungen des Künstlers, der mittlerweile unter dem Namen Ye auftritt, seien „inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich“.

Die Kooperation mit dem umstrittenen Künstler hatte Adidas in guten Zeiten Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr gebracht. Doch provozierte West immer wieder mit öffentlichen Äußerungen und in Social-Media-Beiträgen, die er meist schnell wieder löschte. Noch vor wenigen Tagen tönte er in einem Podcast: „Ich kann antisemitische Dinge sagen, und Adidas kann mich nicht fallen lassen. Na und?“

Nach vergeblichen Hintergrundgesprächen kündigte Adidas vor einigen Wochen eine Überprüfung der Zusammenarbeit an. Erneute Ausfälle Wests erhöhten nun den Druck auf die Konzernführung. Politiker in den USA und Kunden in den sozialen Medien forderten ein Ende der Kooperation.

Adidas zieht Konsequenz: Kanye West provozierte immer wieder mit radikalen Äußerungen

„Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen die Entscheidung getroffen, die Partnerschaft mit Ye mit sofortiger Wirkung zu beenden, die Produktion von Produkten der Marke Yeezy einzustellen und alle Zahlungen an Ye und seine Unternehmen zu stoppen“, hieß es nun. Wests Äußerungen verstießen „gegen die Werte des Unternehmens wie Vielfalt und Inklusion, gegenseitigen Respekt und Fairness“. Der Zentralrat der Juden begrüßte den Schritt am Dienstag als „überfällig“.

West hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit radikalen Äußerungen provoziert. Kürzlich erschien er mit der rechten schwarzen Influencerin Candace Owens auf der Pariser Fashion Week. Beide trugen Pullover mit der Aufschrift „White Lives Matter“ – eine bewusste Abgrenzung gegen „Black Lives Matter“.

Die rechtskonservative Aktivistin Candace Owens veröffentlichte ein gemeinsames Foto mit West. Aufschrift ihrer Shirts: „Weiße Leben zählen“

Foto: ddp socialmediaservice

In einem Interview mit dem ultrakonservativen Sender Fox News machte der Musiker anschließend die schwarze Sängerin Lizzo für „den Völkermord an der schwarzen Rasse“ verantwortlich. Seine antisemitischen Drohungen in den sozialen Medien, „Death con 3“ auf „jüdische Menschen“ zu gehen, führten schließlich dazu, dass er gesperrt wurde. „Defcon 3“, auf das er anspielt, ist ein Code für einen erhöhten Alarmstatus, der vom US-Militär verwendet wird.

Nach eigenen Angaben wurde bei Kanye West eine bipolare Störung diagnostiziert, eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene zwischen euphorischen und depressiven Zuständen schwanken.

Nach Trennung von Kanye West: Adidas-Aktie fällt unter die Marke von 100 Euro

Andere Unternehmen wie zum Beispiel Gap hatten schneller als Adidas reagiert und die Zusammenarbeit mit West bereits beendet. Die Entscheidung kommt Adidas teuer zu stehen. Die Trennung werde den Nettogewinn allein in diesem Jahr noch um 250 Millionen Euro drücken, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Damit verschlechtern sich die Aussichten des Konzerns weiter. Der scheidende Vorstandschef Kasper Rorsted hat die Prognosen in diesem Jahr bereits dreimal nach unten korrigiert. Zuletzt rechnete der Konzern für 2022 nur noch mit einem Gewinn von 500 Millionen Euro. Nun dürfte es also noch schlechter laufen. Ursprünglich hatte Rorsted bis zu 1,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Die Schuhe von Adidas und Yeezy werden für hohe Beträge gehandelt.

Foto: imago images/ZUMA Press

Das Hauptproblem von Adidas waren bislang die schwachen Geschäfte in China. Dies seien teilweise auch auf hausgemachte Fehler zurückzuführen, hatte Rorsted im Interview mit dem Handelsblatt eingeräumt. So habe man zu wenig auf die Bedürfnisse der Kunden in dem Land reagiert, die zum Beispiel mehr Produkte mit einem chinesischen Touch wollten. Kurz darauf kündigte Rorsted seinen vorzeitigen Abschied als Konzernchef im kommenden Jahr an.

Adidas verliert über 60 Prozent an Börsenwert

Die neuen hohen Belastungen aufgrund der Trennung von West ließen den Adidas-Kurs am Dienstag noch einmal um zweitweise mehr als vier Prozent auf unter 100 Euro sinken. Seit Jahresbeginn hat der Sportartikelkonzern damit über 60 Prozent an Börsenwert verloren.

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Erstpublikation am 25.10.22, um 14:36 Uhr.

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