Kik: Textildiscounter will unrentable Filialen schließen
Düsseldorf. Nach dem Rücktritt des Kik-Chefs Patrick Zahn muss Finanzchef Christian Kümmel das Unternehmen vorübergehend allein führen – und gleich unangenehme Entscheidungen treffen. Wie der Textilhändler bestätigte, prüft er die Schließung unrentabler Filialen. Wie viele Geschäfte an welchen Standorten innerhalb welcher Zeit geschlossen werden sollen, sei jedoch noch völlig offen, hieß es bei Kik.
In der vergangenen Woche hatte der langjährige Kik-Chef Zahn überraschend das Unternehmen verlassen. Ein Grund dafür war ein strategischer Dissens von Zahn mit dem Gesellschafter, der Tengelmann Holding, über mögliche Schließungen von unrentablen Geschäften, wie das Handelsblatt berichtet hatte.
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„Gerade in so extrem herausfordernden Zeiten wie heute braucht ein Unternehmen ein vertrauensvolles Zusammenwirken und ein Höchstmaß an Geschlossenheit in strategischen Fragen zwischen Geschäftsführung und Gesellschafter“, hatte Zahn in einem Brief an enge Geschäftsfreunde geschrieben. Das war offenbar nicht mehr gegeben.
Kik betreibt in 14 Ländern Europas rund 4200 Filialen, 2400 davon in Deutschland. Von den rund 32.000 Beschäftigten arbeiten etwa 19.000 in Deutschland.
Kommt es zu Schließungen, will Kik den betroffenen Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung ermöglichen, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens, aus der zuerst die Deutschen Presse-Agentur zitierte. Keiner müsse sich um seinen Job sorgen, hieß es dort: „Auf Grund unseres dichten Filialnetzes und unserer starken Präsenz in der Fläche bieten wir jederzeit Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung.“
Kik sieht ein härter umkämpftes Marktumfeld
Der Textildiscounter teilte weiter mit, dass sich die Rahmenbedingungen für Handelsunternehmen in den vergangenen Jahren deutlich verändert hätten. Man sehe ein härter umkämpftes Marktumfeld, anhaltende Inflation, eine spürbare Kaufzurückhaltung sowie zeitweise beeinträchtigte Lieferketten. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll der Umsatz von Kik im ersten Halbjahr zurückgegangen sein. Der größte Teil der Filialen arbeite aber profitabel, teilte Kik mit.
Derzeit analysiert Kik nach eigenen Angaben die bestehenden Strukturen. Dabei wolle man „Kosten- und Effizienzpotenziale“ identifizieren. Ziel sei, das Unternehmen so weiterzuentwickeln, dass man auch unter herausfordernden Marktbedingungen zukunftssicher und wettbewerbsfähig bleibe. Dies gelte für alle Länder.
„In welchem Umfang es zu einer Bereinigung unseres Filialportfolios kommt, ist Teil unserer sorgfältigen Analysen“, hieß es weiter. Dieser Optimierungsprozess des Filialnetzwerks erstrecke sich über die nächsten Jahre. Man wolle aber auch weiterhin neue Filialen eröffnen.