1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Logistik: Amazon will seine Paketlieferung weiter beschleunigen

LogistikAmazon will seine Paketlieferung weiter beschleunigen

Mit beschleunigtem Zustelltempo will das US-Onlinekaufhaus in Deutschland seine Marktführerschaft ausbauen. Der konzerneigene Paketdienst gilt allerdings als defizitär.Christoph Schlautmann 08.05.2025 - 11:11 Uhr Artikel anhören
Amazon-Bote: Der Konzern will die Paketzustellung noch einmal beschleunigen. Foto: picture alliance/dpa

Dortmund. Der Onlineriese Amazon investiert erneut in die Logistik, um seine Kunden zunehmend noch am Bestelltag beliefern zu können. Das verkündete Rocco Bräuniger, als Vice President unter anderem für die deutschsprachigen Regionen von Amazon zuständig, am Mittwoch in Dortmund.

„Wir arbeiten daran, die Lieferung am selben Tag noch weiter auszubauen und die Bestellannahmezeiten zu verlängern“, sagte Bräuninger bei Amazons Innovationspräsentation „Delivering the Future“. Beabsichtigt sei, dass Kunden noch später am Tag bestellen können und ihre Artikel dennoch am selben Tag bekommen.

Danach plant Amazon, die taggleiche Lieferung in den nächsten zwölf Monaten an 20 neuen Standorten in Europa einzuführen, darunter in Augsburg, Metz und Bergamo, und zwar für Lebensmittel und Kosmetikware, aber auch für viele andere Artikel des täglichen Bedarfs.

Das Onlinekaufhaus, das im deutschen E-Commerce mit einem Jahresumsatz von 39,4 Milliarden Euro einen Marktanteil von knapp 50 Prozent hat, nutzt die konzerneigene Logistik als einen der entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Geld verdiene Amazon mit seinen Zustelldiensten in Deutschland jedoch nicht, sind sich Logistikexperten einig. „Das Geschäft wird vor allem durch die Gewinne der IT-Sparte AWS finanziert“, sagt Rico Back, der mehrere Jahre dem konkurrierenden Paketdienst GLS vorstand.

Konzern stützt Zustell-Tochterfirmen

Der Blick in die Geschäftsberichte der inzwischen 122 Einzelgesellschaften, die unter dem Namen „Amazon Deutschland Transport“ firmieren, scheint diese Einschätzung zu bestätigen. Die wenigen von ihnen, die ihre Gewinne veröffentlichten, lagen selbst im Boomjahr 2021 unter der Gewinnmarge von einem Prozent. Bei vielen anderen wurden millionenschwere Eigenkapital-Nachschüsse durch den 100-Prozent-Gesellschafter Amazon Europe Core nötig, eine Zwischengesellschaft des US-Konzerns, die ihren Sitz in Luxemburg hat.

Wie unrentabel das Zustellgeschäft an Privathaushalte in Deutschland ist, erfuhren allerdings in den vergangenen Jahren auch Wettbewerber wie die Otto-Tochter Hermes Germany oder DPD Deutschland. In ihren Geschäftsberichten fanden sich zuletzt operative Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Grund: Anders als bei der Paketzustellung an Gewerbebetriebe sind private Adressaten tagsüber oft selten erreichbar. Schon ab dem zweiten Zustellversuch aber verliert der Paketdienst Geld.

Für den Amazon-Konzern, der 2024 unterm Strich 59,3 Milliarden US-Dollar verdiente, bleibt dies offenbar belanglos. Die Same-Day-Deliverys sollen für Prime-Mitglieder sogar kostenlos bleiben, sofern die Versandware einen festgelegten Bestellwert überschreitet. Nur für Nicht-Prime-Mitglieder werden solche Lieferungen mit einer Gebühr belegt.

In ausgewählten Städten wie Berlin oder Erfurt ist der Service bereits heute verfügbar. Doch nicht nur die Zahl der Same-Day-Standorte will Amazon erweitern, der Zustellzeitraum soll sich darüber hinaus noch weiter verkürzen.

Taggleiche Lieferung für Bestellungen bis 18.15 Uhr

In ausgewählten Postleitzahlengebieten, so kündigt es Amazon an, können Kunden demnächst bis 18.15 Uhr bestellen, um die Ware noch am selben Abend zu erhalten. „Wir nutzen KI, um anhand von Beliebtheitsdaten zu prognostizieren, was Kunden am dringendsten benötigen“, sagt Bräuninger. Anschließend lege man die Produkte für diese sogenannten „Schnellliefergebiete“ fest.

Amazon-Prime-Paket: Die taggleiche Lieferung soll für Prime-Kunden kostenlos bleiben. Foto: Richard Vogel/AP/dpa

Getestet wird dies bereits am Logistikstandort in Madrid, ein weiteres Logistikzentrum in London soll noch diesen Monat folgen. Bis Ende des Jahres will man zudem in München und Berlin starten, um im Jahr danach europaweit auf mehr als 15 Standorte zu kommen.

Nach Aussage von Amazon wächst die Nachfrage nach möglichst schneller Belieferung derzeit deutlich. Im ersten Quartal 2025 habe Amazon mehr als 20 Millionen Alltagsartikel in ganz Europa noch am Bestelltag ausgeliefert, was eine Steigerung von mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute. An der Spitze der eilbedürftigen Sendungen stünden TV-Boxen für den Empfang von Amazon Fire, aber auch Lieferungen von Toilettenpapier.

Wettbewerber haben Same-Day-Delivery aufgegeben

Der deutsche Amazon-Verfolger Otto schafft dagegen bislang bestenfalls eine sogenannte Next-Day-Delivery, also die Lieferung am Tag nach der Bestellung. Dass die Hamburger bestellte Ware noch am selben Tag zustellen können, zeigten sie in der Vergangenheit dennoch. Passend zur Fußball-Europameisterschaft 2016 etwa versprach der Versandhändler, bis 13 Uhr georderte LED-Fernsehgeräte deutschlandweit noch am selben Tag zu liefern – und zwar über die Konzerntochter Hermes.

Ende 2020 allerdings verabschiedete sich Hermes komplett von der taggleichen Zustellung. Die Nachfrage sei gering, hieß es in Hamburg. „Die Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden für diese logistisch anspruchsvolle und kostenintensive Zustellart ist nicht im ausreichenden Maße gegeben“, erklärte damals eine Sprecherin. Marktführer DHL und auch der Paketdienst DPD hatten den Service schon im Jahr zuvor eingestellt.

Bilanzcheck

Investitionen gekürzt, Stellen gestrichen: Bei DHL bleiben allein die Aktionäre verschont

Damit bei Amazons Logistik nun die Kosten nicht völlig aus dem Ruder laufen, investiert der US-Konzern vehement in die Automatisierung. Allein für seine Verteilzentren hat Amazon für die Jahre 2021 bis Ende 2025 ein Budget von gut 700 Millionen Euro reserviert. Nicht nur Roboter sollen künftig vermehrt zum Einsatz kommen, denen die Entwickler eine Art von Tastsinn beigebracht haben, auch bei den Verpackungen sieht der Konzern Optimierungspotenzial.

Einsparungen bei Verpackungen geplant

Bis Ende 2025 will Amazon an seinen Logistikstandorten mehr als 70 Maschinen installieren – davon mehr als 30 in Deutschland –, die maßgeschneiderte Papiertüten erstellen. Sie seien bis zu 90 Prozent leichter als Kartons ähnlicher Größe, heißt es im Unternehmen. Die Beladung von Lieferfahrzeugen könne damit optimiert werden.

Verwandte Themen
Amazon
Deutschland
Europa
Berlin
Hermès
DPD

Auch Kartons selbst sollen die neuen Maschinen exakt auf die einzelnen Artikel anpassen. „Seit 2015 konnten wir das durchschnittliche Verpackungsgewicht pro Sendung um mehr als 40 Prozent senken und so über drei Millionen Tonnen Verpackungsmaterial einsparen“, sagt dazu Amazon-Manager Pat Lindner rückblickend. „Das ist mehr als das Zehnfache des Gewichts des Kölner Doms.“

Erstpublikation: 07.05.2025, 08:58 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt