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LuftfahrtFlughäfen rufen um Hilfe: „Große Sorge um 180.000 Arbeitsplätze“

In einem Brandbrief an die Politik bitten der Airportverband ADV und die Gewerkschaft Verdi um dringend benötigte Finanzhilfen von der Regierung. Jens Koenen 14.05.2020 - 12:20 Uhr

Die deutschen Flughäfen und Verdi warnen vor hohen Jobverlusten wegen der Folgen der Corona-Pandemie.

Foto: dpa

Frankfurt. Die deutschen Verkehrsflughäfen rufen angesichts eines fast komplett ruhenden Luftverkehrs immer lauter um Hilfe. In einem Brief an mehrere Bundesminister und die Länderchefs appellieren der Flughafenverband ADV und die Gewerkschaft Verdi, den Airports dringend benötigte Unterstützung zu geben.

„Nach dem fast vollständigen Erliegen des Passagierverkehrs an den deutschen Flughäfen teilen Verdi und ADV die große Sorge um die Zukunftsfähigkeit von mehr als 180.000 Arbeitsplätzen, davon circa 40.000 direkt bei den Flughafengesellschaften“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. In den zurückliegenden Wochen haben die Flughäfen immer wieder auf ihre Notsituation hingewiesen.

Die Situation spitzt sich aber von Tag zu Tag weiter zu. Zwar befinden sich viele Flughafengesellschaften im Besitz der öffentlichen Hand. Damit scheinen die Unternehmen in der aktuellen Coronakrise auf den ersten Blick sicher zu sein. Doch die Betreiber müssen wie alle Unternehmen eine Bilanz vorlegen, und sollte die Liquidität ausgehen, droht die Insolvenz.

Ein großes Problem der Airports: Sie haben hohe Kosten für die Infrastruktur, die trotz fehlender Einnahmen in Betrieb bleiben muss. Denn Luftverkehr, wie die Fracht, aber auch wichtige Krankentransporte und Sonderflüge etwa mit Erntehelfern, muss weiter möglich sein.

Auch wenn sich die Grenzen nun langsam wieder öffnen und die Passagierzahlen vielleicht wieder etwas steigen werden – die Flughafen-Manager stellen sich auf eine lange Durststrecke ein. Stefan Schulte, der Chef der Betreibergesellschaft Fraport und zugleich Präsident der ADV, rechnet erst im Jahr 2023 mit einer Normalisierung des Betriebes.

Kann eine große Gesellschaft wie Fraport das finanziell vielleicht gerade noch durchhalten, gilt das für die meisten anderen Flughäfen nicht. Einige – vor allem kleinere Regional-Airports – waren schon vor Corona in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage und brauchten Finanzhilfen.

Beim Flughafen Düsseldorf wird nach Angaben von Verdi bereits ein Stellenabbau durchgerechnet. Bedroht sollen bis zu 600 der 2300 Jobs sein. Auch Fraport-Chef Schulte hat in dieser Woche angedeutet, dass man auf die neue Situation mit dauerhaft weniger Verkehrsaufkommen einstellen müsse. „Wir werden uns darauf vorbereiten müssen, dass wir 15 Prozent weniger Volumen haben. Dann müssen wir auch unsere Ressourcen anpassen.“

Heute befänden sich etwa 80 Prozent der Beschäftigen an den Flughäfen in Kurzarbeit, heißt es in dem Brief der an Kanzleramtschef Helge Braun, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sowie die Ministerpräsidenten der Länder adressiert ist.

Mittlerweile seien den Flughäfen über 95 Prozent der Umsätze weggebrochen. Pro Monat würden 500 Millionen Euro an Einnahmen fehlen. „Ein Flugbetrieb ohne Einnahmen lässt sich auf Dauer nicht durchhalten. Die von den Flughäfen eingeleiteten Sparmaßnahmen können den Einnahmerückgang nicht auffangen.“

Deshalb bitten ADV und Verdi darum, dass den Betreibern zumindest die sogenannten Vorhaltekosten erstattet werden. Das ist jener Aufwand, der für die Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft notwendig ist. Die ADV kalkuliert ihn für alle Flughafen auf 170 Millionen Euro. Zudem müssten die Flughäfen Zugang zu den Sonderkreditprogrammen der KfW und der Länder erhalten.

Bisher ist das nicht vorgesehen, da sich nur Firmen, die nicht im Besitz der öffentlichen Hand sind, um die Hilfen der staatlichen Förderbank bewerben können. Flughäfen, die Kredite weder gewährt bekämen noch zurückzahlen könnten, bräuchten zudem weitere Hilfen der Bundesländer und Gesellschafter, etwa Zuschüsse entsprechend der erweiterten Beihilfemöglichkeiten, schreiben ADV und Verdi.

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„Die Unterstützung der Bundesregierung für die deutschen Airlines ist wichtig und richtig. Aber es kann nicht sein, dass darüber die Flughäfen und ihre Beschäftigten in Vergessenheit geraten und keine Hilfen erhalten. Luftverkehr findet ohne die Infrastruktur am Boden nicht statt“, mahnen die Verfasser, der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Werneke, und ADV-Präsident Schulte.

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