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LuftfahrtUS-Luftfahrtbehörde verschärft Aufsicht bei Boeing

Die US-Luftfahrtbehörde FAA greift nach dem Beinahe-Unglück mit einer Boeing 737-9 Max durch. Sie verschärft die Prüfungen bei dem Flugzeugbauer und erwägt externe Kontrolleure dazuzuholen. 12.01.2024 - 16:38 Uhr aktualisiert

Seattle. Der jüngste Zwischenfall mit einem im Flug herausgebrochenen Rumpfteil hat für Boeing immer schwerwiegendere Konsequenzen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verschärft die Aufsicht bei dem Flugzeugbauer und leitete Ermittlungen ein.

Die FAA wird die Produktion des betroffenen Typs 737-9 Max inklusive der Zulieferer einer Überprüfung unterziehen. Auch werde man möglichen Sicherheitsrisiken in der Arbeitsaufteilung nachgehen, teilte die Behörde am Freitag mit. Die FAA will auch prüfen, ob unabhängige externe Kontrolleure engagiert werden sollten.

Die FAA hatte am Wochenende angeordnet, Flugzeuge des Typs Boeing 737-9 Max am Boden zu lassen und zu inspizieren. Das Bauteil verschließt bei der Modellvariante eine nicht benötigte Türöffnung. Bei einem Flug von Alaska Airlines am Freitag vergangener Woche riss das Teil plötzlich kurz nach dem Start im Steigflug heraus. Die Maschine war erst vor kurzem ausgeliefert worden.

Weitere Flugzeuge sind betroffen

Bei darauffolgenden Überprüfungen fanden Alaska und United Airlines auch bei weiteren Flugzeugen des Typs an der Stelle lockere Befestigungsteile. Die Branchenwebsite „The Air Current“ berichtete, dass allein United bei rund 15 Maschinen auf solche Probleme gestoßen sei.

Der Rumpf der Modelle wird weitgehend vom Boeing-Zulieferer Spirit Aerosystems montiert und geht dann ins Boeing-Werk, wo unter anderem die Flügel angebaut werden. Boeing-Chef Dave Calhoun sagte dazu in einem TV-Interview, der Konzern werde „nicht mit dem Finger zeigen“, da man schließlich auch einen Fehler habe durchgehen lassen.

„The Air Current“ schrieb, bei der betroffenen Alaska-Maschine hätten Boeing-Mitarbeiter die Befestigung der identischen Tür-Abdeckung auf der gegenüberliegenden Seite nach der Lieferung von Spirit nachgezogen.

Bisherige Untersuchungen gegen Boeing

Bereits am Donnerstag hatte die FAA Boeing über eingeleitete Ermittlungen informiert. Die Umstände wiesen darauf hin, dass der Flugzeugbauer möglicherweise seine Pflichten bei Produktion, Inspektionen und Tests vernachlässigt habe, hieß es in einem Brief an den Flugzeugbauer.

Die FAA gab Boeing zehn Werktage Zeit, in den Ermittlungen die Situation zu erläutern. Die FAA erwartet unter anderem Angaben zu den Ursachen des Zwischenfalls sowie ergriffenen Maßnahmen. Der Zwischenfall habe nicht passieren dürfen und dürfe sich nicht wiederholen, betonte die Behörde.

Boeing bekräftigte nach dem FAA-Brief, dass man mit dem Luftfahrtamt und der Unfallermittlungsbehörde NTSB transparent zusammenarbeiten werde. Konzernchef Dave Calhoun hatte mehrfach volle Aufklärung versprochen. „Wir werden das zuallererst so angehen, dass wir unseren Fehler eingestehen“, sagte er am Dienstag vor Mitarbeitern.

Bei dem Zwischenfall kamen die rund 170 Passagiere mit dem Schrecken  davon, obwohl ein Loch im Rumpf klaffte. Zugleich verwiesen Experten darauf, dass durch einen glücklichen Zufall die zwei Sitze direkt neben dem herausgebrochen Rumpfteil leer geblieben waren.

Qualitätsmängel bei Boenig 737 Max

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Boeing hatte in den vergangenen Monaten Auslieferungen von Modellen der 737 Max zwei Mal unterbrochen - zunächst wegen Qualitätsmängeln am hinteren Rumpfteil, dann wegen fehlerhafter Bohrlöcher in dem Druckschott, das die Flugzeugkabine nach hinten abschließt. Verantwortlich war jeweils Spirit Aerosystems. Das Unternehmen hatte früher selbst zu Boeing gehört.

Unterdessen blieb Boeing im vergangenen Jahr erneut weit hinter seinem europäischen Rivalen Airbus zurück. Trotz angespannter Lieferketten übergab Airbus 735 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden, wie der Konzern am Donnerstagabend mitteilte. Das waren über 200 mehr als Boeing und 15 mehr als von Airbus-Chef Guillaume Faury angepeilt.

Dank der Erholung des Luftverkehrs von der Corona-Krise holte der Dax-Konzern zudem Bestellungen über mehr als 2000 Jets ein - und stellte damit einen Branchenrekord auf. Auch der Auftragsbestand erreichte mit fast 8600 Flugzeugen einen Rekordwert.

dpa
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