1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Lufthansa: Ex-Eon-Chef Teyssen soll Aufsichtsrat leiten

LufthansaEx-Eon-Chef Teyssen soll Aufsichtsrat leiten

Nach längerer Suche findet Chefkontrolleur Karl-Ludwig Kley mit Johannes Teyssen endlich einen möglichen Nachfolger. Diese Punkte sprechen für den Energiemanager.Jens Koenen, Catiana Krapp 16.09.2025 - 17:03 Uhr Artikel anhören
Johannes Teyssen: Energiemanager als Chef des Lufthansa-Aufsichtsrats. Foto: picture alliance/KEYSTONE

Frankfurt. Karl-Ludwig Kley wollte sein Amt als Chefkontrolleur von Lufthansa schon bei der Hauptversammlung 2023 abgeben. Doch es gab keinen geeigneten Nachfolger, also stellte sich der frühere Finanzchef von Lufthansa und CEO des Pharmakonzerns Merck den Aktionären erneut zur Wahl.

In diesem Jahr sprang dann auch noch ein Kandidat für den Aufsichtsratsvorsitz ab. Der langjährige Airbus-Chef Tom Enders schied auf eigenen Wunsch aus dem Gremium aus.

Doch zur Hauptversammlung 2026 könnte die Amtsübergabe gelingen. Johannes Teyssen soll dann die Führung des Kontrollgremiums von Europas größter Airline-Gruppe übernehmen. Das teilte das Unternehmen am Dienstagnachmittag mit.

Mit Teyssen schlägt Kley den Anteilseignern einen Kandidaten aus seinem Netzwerk vor. Teyssen führte viele Jahre den Energiekonzern Eon, bei dem Kley bis zum Jahr 2023 Aufsichtsrat war. Auf den ersten Blick stehen sich alter und neuer also relativ nah. Doch mehrere Fakten sprechen für Teyssen und seine Unabhängigkeit.

Teyssen hat Erfahrung mit erfolgreichen Umbrüchen

Teyssen kann mit schwierigen Situationen eines Unternehmens umgehen. Er war elf Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns Eon. Dort begleitete er den deutschen Atomausstieg. Eon betrieb einst über Tochterunternehmen elf Atomkraftwerke in Deutschland, die das Unternehmen nach und nach stilllegte. Als Konsequenz baute Teyssen den Konzern radikal um.

Unter anderem fiel die Abspaltung von Uniper in Teyssens Amtszeit bei Eon. Das Unternehmen gliederte sein konventionelles Stromerzeugungsgeschäft und den internationalen Energiehandel aus und brachte Uniper 2016 an die Börse.

Ab 2018 baute Teyssen zudem gemeinsam mit dem damaligen RWE-Chef Rolf Martin Schmitz RWE und Eon komplett um. Sie machten Eon zu einem Infrastrukturbetreiber und Energieanbieter für Endkunden, RWE wurde ein reiner Stromerzeuger. Die Kartellbehörden genehmigten die Neuordnung und Auflösung des Wettbewerbs zwischen den beiden Unternehmen. Der Vorgang zog trotzdem Kritik und Klagen nach sich.

Lufthansa braucht krisenerfahrenen Aufsichtsrat

Ein produktiver Umgang mit Krisen und die Bereitschaft zum Umbau sind wichtige Voraussetzungen für den Chefkontrolleur bei Lufthansa. Der Konzern befindet sich seit Jahren ständig in einer Krise. Die Pandemie war dabei die schwierigste Zeit.

Aktuell belasten hohe Standortkosten in Deutschland das Geschäft. Zudem kämpft der Konzern mit zu komplexen Strukturen. Ein weitreichender Umbau, der die Zusammenarbeit der einzelnen Airline-Marken stärkt, soll das ändern. Auch drohen immer wieder Streiks, aktuell vonseiten der Piloten der Kernmarke Lufthansa Airlines und Lufthansa Cargo.

Als „unbelasteter“ Aufsichtsratschef könnte Teyssen den Umbau vorantreiben

Teyssen wäre nach vielen Jahren der erste Aufsichtsratschef ohne eigene Lufthansa-Historie. Jürgen Weber, Wolfgang Mayrhuber und Kley waren zuerst Vorstände oder sogar Vorstandschefs des Konzerns, bevor sie den Aufsichtsrat leiteten. Mit dem früheren Eon-CEO würde ein Manager das Gremium übernehmen, der als „unbelastet“ gilt.

Karl-Ludwig Kley: Amtsübergabe im Mai 2026. Foto: imago/Sven Simon

Mit Blick auf die Herausforderungen, vor denen die Lufthansa-Führung steht, könne es von Vorteil sein, wenn der Chefaufseher mit einem anderen Blick an seine Aufgabe gehe, heißt es im Umfeld des Aufsichtsrats. Das sehe auch Kley so. Dieser hatte zuvor stets die Ansicht vertreten, dass ein Mitglied des Aufsichtsrats angesichts der komplexen Luftfahrtmaterie Wissen aus der Branche mitbringen muss.

Teyssen hat Erfahrung mit der Moderation von Interessen

Teyssen kann zwischen verschiedenen Interessen moderieren. In der direkten Konfrontation mit den Arbeitnehmervertretern hätte der Manager den Umbau bei Eon nicht durchsetzen können. Da Energie zudem ein sehr politisches Thema ist, ist der 65-Jährige auch in der Kommunikation mit der Politik vertraut. Auch die Luftfahrt ist wie die Energie streng reguliert.

Teyssen sitzt zudem nur in wenigen anderen Aufsichtsräten. Er schied 2021 bei Eon aus. Heute ist er Verwaltungsratspräsident des Schweizer Stromproduzenten Alpiq, sitzt im Board des Ölkonzerns BP und ist Senior Advisor für die Beteiligungsgesellschaft KKR.

Für einflussreiche Investorenberater wie ISS dürfte die überschaubare Zahl von Aufgaben ein Vorteil sein. Sie stehen zu vielen Kontrollmandaten eines Aufsehers, dem sogenannten Overboarding, kritisch gegenüber.

Mit diesem Kritikpunkt hat Lufthansa 2013 Erfahrung gemacht. Als Mayrhuber den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen wollte, hatten die Investorenberater Bedenken wegen dessen vielen weiteren Mandaten. Das führte unmittelbar vor der Hauptversammlung zu einer chaotischen Situation. Kurzzeitig hieß es, Mayrhuber würde seine Kandidatur zurückziehen. Doch er trat dann doch an und wurde gewählt.

Klaus-Michael Kühne: Enge Abstimmung mit dem Großaktionär bei der Kandidatenwahl. Foto: dpa

Teyssen dürfte zudem auch die Unterstützung des Lufthansa-Großaktionärs Klaus-Michael Kühne bekommen. Dessen Vertreter im Lufthansa-Aufsichtsrat, Karl Gernandt, ist Mitglied des Nominierungssauschusses. Dort wurde die Personalie in den letzten Wochen entschieden.

Im Umfeld des Konzerns rechnet man mit wenig Widerstand gegen die Berufung Teyssens – auch nicht durch die Arbeitnehmervertreter. Nach Teyssens Wahl könnte er rechnerisch mindestens zwei Amtszeiten absolvieren. Laut aktuellem Anforderungsprofil darf ein Mitglied des Aufsichtsrats bei seiner Wahl nicht älter als 72 Jahre sein.

Auch für die größeren Investorengruppen wäre das akzeptabel. Vertreter von Union Investment und Deka Investment haben eines wiederholt deutlich gemacht: Ihre Zustimmung zu einem Kandidaten ist davon abhängig, dass dieser während seiner Amtszeit nicht älter als 75 Jahre ist.

Verwandte Themen
Johannes Teyssen
Lufthansa
RWE
Eon
Uniper
Deutschland

Der Druck auf Kley, seine Nachfolge zu regeln, war zuletzt gestiegen. „Wir brauchen dringend eine kompetente Nachfolgerin beziehungsweise einen Nachfolger“, mahnte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, beim Aktionärstreffen im Mai. „Spannen Sie uns hier nicht zu lange auf die Folter. Sie haben nicht mehr allzu viel Zeit.“

Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte der DWS, dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank, verweigerte dem Kontrollgremium unter anderem wegen der ungeklärten Nachfolgefrage sogar die Entlastung. Zwar habe Lufthansa Fortschritte im Hinblick auf Governance gemacht, also den Regeln einer guten Unternehmensführung. Doch das habe sich wieder geändert, sagte Schmidt im Mai: „Nun sehen wir wieder vermehrt Defizite, insbesondere mit Blick auf die Nachfolgeplanung, die Struktur und Besetzung der Ausschüsse sowie die Mandatssituation einiger Mitglieder.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt