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LufthansaPassagiere müssen sich auf Streiks einstellen

Bodenpersonal, Kabinen-Crews und Piloten – die Lufthansa kämpft an vielen Tariffronten. Die Gespräche sind schwierig. Ab wann es für Passagiere kritisch wird.Jens Koenen 18.01.2024 - 09:55 Uhr

Frankfurt. Fluggästen der Lufthansa stehen schwierige Wochen im Luftverkehr bevor. Denn der größten deutschen Fluggesellschaft drohen Streiks an mehreren Stellen.

Unter anderem beim Bodenpersonal: Hier stehen an diesem Donnerstag und am Dienstag, den 23. Januar Verhandlungsrunden zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Management an. Verdi hatte die eigene Tarifforderung für die gut 20.000 Bodenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von Lufthansa schon vor über einem Monat formuliert: 12,5 Prozent mehr Lohn sollen es sein, dazu ein Inflationsausgleich von 3000 Euro. 

„Wir haben unsere Forderung bewusst sehr früh vorgestellt, damit Lufthansa sich frühzeitig Gedanken über ein Angebot schon in der ersten Verhandlungsrunde machen kann“, sagte Marvin Reschinsky, Verhandlungsführer für Verdi, dem Handelsblatt: „Wir wollen einen schnellen Abschuss.“

Die Arbeitnehmervertreter warten bislang noch auf eine Antwort des Managements. Das war in früheren Tarifrunden ähnlich. „Offiziell gibt es von Lufthansa bisher keine Indikation für ein Angebot. Es heißt nur: Das ist viel zu hoch“, so Reschinsky.

Um den Druck zu erhöhen, könnte Verdi ab dem 23. Januar zu Arbeitskämpfen aufrufen, vielleicht auch schon vorher. An den Standorten Hamburg, München und Frankfurt gab es in der vergangenen Woche erste sogenannte Streikversprechen. Weitere Treffen sind geplant. Dabei werden die Lufthanseaten nicht nur über den aktuellen Stand informiert, auch Vorbereitungen für einen möglichen Arbeitskampf werden besprochen.

Mögliche Streiks bei Lufthansa: Schwierige Wochen für Passagiere

Die Gefahr von Ausständen im Luftverkehr ist nicht nur wegen der Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal Ende Januar besonders groß. Ebenfalls Ende Januar drohen auch Arbeitskämpfe der Piloten bei der Lufthansa-Marke Discover Airlines.

Nachdem deren Cockpitbesatzung bereits unmittelbar vor Weihnachten ein erstes Mal die Arbeit niedergelegt hat, kommen die Gespräche über den ersten Tarifvertrag bei dem jungen Ableger nicht voran. Deshalb lässt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nun in einer Urabstimmung über weitere, längere Arbeitskämpfe abstimmen.

Außerdem gibt es auch jenseits der Lufthansa Ungemach: Verdi verhandelt mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) auch neue Tarifverträge für das Personal an den Sicherheitskontrollen. Die Gespräche sind festgefahren, die letzten beiden Verhandlungsrunden vor wenigen Tagen blieben ohne Ergebnis.

Streitpunkte sind hier unter anderem die von Verdi verlangten Zuschläge für Mehrarbeit und Zulagen für Funktionsträger. Zwar sind für den 25. und 26. Januar weitere Gespräche vereinbart. Aber ohne ein verhandlungsfähiges Angebot des BDLS drohen auch hier Ende Januar Streiks. „Wir müssen uns auf Arbeitskampfmaßnahmen vorbereiten. Es wird eine harte Tarifrunde“, heißt es in einem Informationsschreiben von Verdi.

Streikgefahr bei Lufthansa auch über den Januar hinaus

Eine latente Streikgefahr gibt es zudem beim Kabinenpersonal der Lufthansa-Kernmarke. Seit Ende des Jahres verhandelt die Flugbegleitergewerkschaft UFO einen neuen Tarifvertrag für die Kabinenbesatzung. Die UFO-Vertreter fordern 15 Prozent mehr Lohn. Im Umfeld der Kabinenbelegschaft ist zu hören, dass die Gespräche zwar liefen, aber zäh seien. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man noch aneinandergerate. Mögliche Arbeitskämpfe, so sie denn tatsächlich kommen sollten, können hier noch nicht zeitlich eingegrenzt werden.

Dazu kommt eine Reihe weiterer nicht gelöster Tarifkonflikte, so zum Beispiel beim Cockpit- und Kabinenpersonal von Eurowings. Bis zur wichtigen Sommerreisezeit sollen alle Tarifverträge stehen, lautet das Ziel der Lufthansa-Führung. Es ist offen, ob das gelingt.

Fest steht hingegen: Bis dahin drohen immer wieder Arbeitskämpfe. Jede der genannten Berufsgruppen hat dabei die Macht, den Luftverkehr deutlich zu beeinträchtigen. Selbst ein nur kurzer Warnstreik in einem der Bereiche wäre für Passagiere deutlich spürbar.

Sozialpartner-Pläne überlagern Tarifverhandlungen

Die Gespräche sind auch deshalb schwierig, weil sie von zwei Themen überlagert werden:

  • Zum einen verfolgt das Management offenbar eine neue Strategie und will mit den Gewerkschaften eine sogenannte Sozialpartner-Charta vereinbaren. Darin sollen Regeln für den gegenseitigen Umgang festgeschrieben werden, zum Beispiel Rahmenbedingungen für Arbeitskämpfe.

    Erstmals haben Lufthansa-Vertreter das jüngst in den Gesprächen über den Tarifvertrag für die Piloten von Discover gefordert. Die VC lehnt das bisher ab, sie fürchtet zu harte Einschränkungen, etwa beim Streikrecht.
  • Zum anderen sorgt die Entscheidung, mit City Airlines eine neue Fluggesellschaft für die Zubringerverkehre nach Frankfurt und München zu starten, für schlechte Stimmung. Die fast gleichnamige Cityline, die aktuell Zubringer fliegt, wird wohl früher oder später abgewickelt, weil die Kosten dort in den Augen des Managements nicht wettbewerbsfähig sind.

    Die Lufthansa-Führung sagt zwar, dass das Personal von Cityline zu City Airlines wechseln könne – zu vergleichbaren Bedingungen. Doch nach Aussagen von UFO-Vertretern sind die bisher angekündigten Rahmenbedingungen bei City Airlines in einigen Punkten schlechter. „Viele machen sich Sorgen, wie es weitergeht“, heißt es in Kreisen der Kabinenmitarbeiter.

Auf Personalvorstand Michael Niggemann und sein Team wartet also jede Menge Arbeit. Lufthansa schaut auf ein Rekordjahr 2023 zurück, mit Blick auf das neue Jahr ist die Konzernführung aber zurückhaltender geworden. Das liegt nicht nur an den anstehenden Tarifverhandlungen.

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Denn die verspätete Lieferung von Flugzeugen wird das Wachstum bremsen. Gleichzeitig muss Lufthansa viel investieren, in neues Fluggerät und neues Personal. 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Gruppe im vergangenen Jahr eingestellt. 2024 sollen noch einmal so viele dazukommen. Das treibt die Kosten auch ohne steigende Löhne.

Erstpublikation: 15.01.2024, 15:57 Uhr.

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