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Luxuskonzern Schlammschlacht in der Luxusklasse – Tiffany und LVMH streiten um Übernahme

Der französische Luxuskonzern LVMH will Tiffany nicht mehr übernehmen. Der US-Schmuckhändler will das nicht hinnehmen – und klagt gegen die Franzosen.
09.09.2020 Update: 09.09.2020 - 17:11 Uhr Kommentieren
Tiffany-Übernahme: Luxuskonzern LVMH will die Reißleine ziehen Quelle: Reuters
Tiffany & Co.

Es sei Klage eingereicht worden, um die Übernahme durch LVMH zu erzwingen, teilte der US-Konzern mit.

(Foto: Reuters)

Paris Jean-Jacques Guiony, Finanzchef des französischen Luxusunternehmens LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) hat mit einem Brief des französischen Außenministeriums die Absage der Übernahme von Tiffany begründet.

Die teuerste Akquisition in der Geschichte des Weltmarktführers LVMH galt schon seit Monaten als wackelig, am Mittwoch haben die Franzosen sie abgeblasen. „LVMH ist gegenwärtig nicht dazu in der Lage, den Kauf von Tiffany & Co. durchzuführen“, heißt es in einem Kommuniqué.

Guiony sagte am Nachmittag in einem Call mit Journalisten, der Brief mit der Aufforderung, die Übernahme bis zum 6. Januar zu verzögern, sei geprüft worden und rechtlich bindend. Auf Nachfragen konnte er allerdings nicht erläutern, auf welcher rechtlichen Grundlage die Anordnung der Regierung stehen soll. „Dies ist eine legal verbindliche Entscheidung, die Regierung muss nicht sagen, ob sie sich auf ein bestimmtes Gesetz bezieht und welches das ist“, behauptete der CFO.

Die Übernahme, die 2019 als größte Fusion in der Luxusbranche gefeiert wurde, dürfte sich nun zur Schlammschlacht im Edelsegment entwickeln. Tiffany will die Franzosen mithilfe einer Klage dazu zwingen, die Akquisition durchzuführen. Der räumt der LVMH-Finanzchef keine Chancen ein: „Auch ein Richter in Delaware wird feststellen müssen, dass eine Anordnung der französischen Regierung rechtens ist.“

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    Es fällt schwer zu glauben, dass ein Unternehmen mit dem Gewicht von LVMH sich sang- und klanglos einem recht lapidar formulierten Schreiben des Außenministers unterwirft, dessen rechtliche Grundlage unklar ist. Die Vermutung liegt nahe, dass die Aufforderung dem Luxusriesen sehr zupass kommt. Guiony führte selbst aus, dass man „mit dem Management von Tiffany in den vergangenen Monaten äußerst unzufrieden gewesen“ sei. Trotz Verlusten habe es eine Dividende bezahlt.

    Eine Neuverhandlung lehnt LVMH ab

    Aber es sei unglaublich, wenn irgendjemand annähme, LVMH selbst habe um die Aufforderung der Regierung gebeten. „Dieser Brief kam völlig ungefragt“, betonte Guiony. Er sei am 1. September eingegangen und anschließend von mehreren Rechtsanwälten geprüft worden.

    Die Übernahme könne nicht bis zum 24. November abgeschlossen werden, wie es im Fusionsvertrag vorgesehen war, deshalb könne der Vertrag nicht verwirklicht werden. Eine Neuverhandlung oder erneute Fristverschiebung lehnte Guiony ab: „Ein Vertrag ist ein Vertrag.“

    Tiffany sage die Unwahrheit, wenn es behaupte, LVMH habe den mittlerweile als weit überhöht geltenden Kaufpreis neu verhandeln wollen. „Das können wir laut Vertrag nicht, das haben wir auch nicht versucht und Tiffany gegenüber nie angedeutet“, behauptete Guiony.

    Falsch sei auch die Aussage der Amerikaner, der französische Luxusriese habe sich mit der Notifizierung der Akquisition bei verschiedenen Kartellämtern zu viel Zeit gelassen: „In der EU ist es üblich und sinnvoll, erst Gespräche zu führen und dann formell zu notifizieren.“ Außerdem habe die Covid-19-Pandemie alle Verfahren verzögert.

    Das französische Außenministerium nahm nicht Stellung zu dem fraglichen Brief. Guiony deutete an, durch die Verschiebung der Übernahme wolle die Regierung wohl ihre Verhandlungsposition in der Auseinandersetzung mit den USA um Strafzölle verbessern.

    Die USA haben Sanktionen wegen umstrittener Staatshilfen für Airbus und wegen der französischen Digitalsteuer verhängt, die neben dem Flugzeugsektor vor allem französische Luxusprodukte treffen. Die französische Regierung hatte immer wieder damit gedroht zurückzuschlagen, hat sich in der EU aber noch nicht damit durchgesetzt.

    Schon im Sommer wollte Arnault aussteigen

    LVMH führt in der Begründung für seinen Rückzug weiter aus, Tiffany selbst habe darum gebeten, den Stichtag für den Abschluss der Übernahme vom 24. November auf den 31. Dezember 2020 zu verlegen. Für LVMH-Chef und Hauptaktionär Bernard Arnault war das der Anlass, aus dem Deal auszusteigen.

    Schon im Sommer hatte er sich mit Tiffany angelegt, weil die Amerikaner die Deadline von August auf November verschoben hätten. Zudem kamen Mutmaßungen auf, Arnault wolle das Geschäft ganz abblasen oder die Bedingungen neu verhandeln, weil er zu viel Geld auf den Tisch lege.

    134 Dollar (114 Euro) je Aktie wollte LVMH nach den 2019 ausgehandelten Bedingungen bezahlen. Das Tiffany-Papier verlor aber aufgrund der verschlechterten Resultate an Wert und schwankte zwischen 110 und 120 Dollar. Nach Bekanntgabe des LVMH-Rückzugs stürzte die Aktie von Tiffany um bis zu zehn Prozent ab. Das LVMH-Papier gab lediglich um ein Prozent nach.

    Die Übernahme hätte LVMH 13,6 Milliarden Euro gekostet. Obwohl die Franzosen viele Jahre im Geld schwammen, hätten sie rund zwei Drittel davon durch Fremdmittel finanzieren müssen. LVMH hat aber im ersten Halbjahr 2020 aufgrund der Coronakrise einen Umsatzeinbruch von 28 Prozent erlebt, der Gewinn brach gar um 84 Prozent ein. Unter diesen Umständen die eigene Verschuldung extrem zu erhöhen, um ein in die Jahre gekommenes und wenig rentables Schmuckunternehmen zu kaufen, erscheint LVMH wohl als zu riskant.

    Tiffany hat sich bereits an ein Gericht in Delaware gewandt, das die Übernahme durchsetzen soll, wie das New Yorker Unternehmen am Mittwoch mitteilte. LVMH habe „keine vertragliche Grundlage“, die Fusion auszusetzen. Tatsächlich erscheint die Übernahme aus heutiger Sicht sehr teuer. Mit der Coronakrise ist das Luxusgeschäft eingebrochen, und die Franzosen könnten zum derzeitigen Zeitpunkt sicher einen besseren Deal herausschlagen. Doch die Amerikaner setzen auf ihre Anwälte. 

    Tiffany wirft LVMH vor, Vorwände zu suchen, um die Übernahme nicht abzuschließen. „Bis zum 24. August 2020 hat LVMH noch nicht einmal den Antitrust-Antrag in drei der betroffenen Rechtsgebiete gestellt“, kritisieren die Amerikaner in ihrer Mitteilung.  

    „Es tut uns leid, diesen Schritt zu gehen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Tiffany Roger N. Farah. „Aber LVMH hat uns keine andere Wahl gelassen, als zu klagen, um unserer Unternehmen und unsere Aktionäre zu beschützen.“ Tiffany sei zuversichtlich, dass es seinerseits alle Verpflichtungen des Fusionsvertrags eingehalten habe, sagte Farah. 

    Der CEO Alessandro Bogliolo bekräftigte, dass Tiffany auch trotz Corona solide dastehe: „Die fundamentale Stärke von Tiffanys Geschäft ist klar. Das Unternehmen ist schon wieder zur Profitabilität zurückgekehrt nach nur einem Verlustquartal, und wir rechnen damit, dass unsere Ergebnisse im vierten Quartal 2020 sogar die im gleichen Zeitraum 2019 übertreffen werden“, sagte Bogliolo.  

    Mehr: Welche Luxusaktien sich für Anleger lohnen – und welche nicht

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