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Modemacher Philipp PleinDer „King of Bling“ will mehr

Philipp Plein, neben Karl Lagerfeld der erfolgreichste deutsche Modemacher, reichen seine mit Strass besetzten Jacken nicht mehr. Der Münchener will nun auch Sportler einkleiden. Seine Pläne werden aufmerksam verfolgt.Tanja Kewes 04.12.2016 - 14:47 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

Mode mit Leder, Nieten, Strass und Pelz.

Foto: WireImage/Getty Images

New York . Es ist mehr als Licht, das durch die hohen Fenster auf die Straße fällt. Es leuchtet, es glitzert, es blinkt so vielfältig und verlockend wie in 1001 Nacht. Sein Name steht zwar nicht an der Tür. Und doch ist klar, auch ohne noch einmal die Hausnummer zu kontrollieren, wer hier wohnt. Das ist es, das Haus des „King of Bling“, wie er in der Szene ehrfürchtig wie missgünstig genannt wird.

Philipp Plein ist zwar noch nicht da, doch seine Haushälterin bittet schon mal herein. An der Decke hängt Kronleuchter an Kronleuchter an Kronleuchter. Das Licht wird gebrochen und reflektiert von einem Vorhang aus goldenen Ästchen und Kristallen sowie Wänden, die mit Spiegeln, Marmorplatten und Chromleisten verkleidet sind. Es hilft nur eines: die Augen zu schließen – und die Stille zu genießen.

Nein, wir sind nicht im Morgen-, sondern im Abendland. Es ist auch eher kalt an diesem Novemberabend in New York, und statt süßen Tees gibt es stilles Wasser. Es ist kein Palast, in dem ich mich befinde, sondern ein schmales, verklinkertes Townhouse in der Upper East Side.

Der Auftritt des Philipp Plein ist alles andere als spektakulär. „Hallo! Ich bin gleich bei Ihnen“, ruft er durch das Treppenhaus und verschwindet erst einmal im Erdgeschoss. Er trägt einen schwarzen Pullover, eine Art Jogginghose mit einigen Reißverschlüssen und schwarze Turnschuhe. Alles natürlich von ihm selbst. Sein Handschlag ist fest, sein Blick geradeaus, fixierend.

Modeaufsteiger Philipp Plein

Der King of Bling

Plein hat es geschafft. Mit 38 Jahren ist er derjenige, der er immer sein wollte. Er hat ein Townhouse in der teuersten Gegend von New York, ein Anwesen in Amriswil am Bodensee in der Schweiz, eine Villa in den Hügeln von Cannes, die er „La jungle du roi“ (Dschungel des Königs) genannt hat, und ein im Jahr 2013 neu erbautes Firmen-Headquarter mit rund 100 Mitarbeitern in Lugano im Schweizer Kanton Tessin.

Seine Marke, kurz PP, ist so auffällig wie erfolgreich. Das Markenzeichen seiner Mode ist der Totenkopf. Er prangt in Swarovski-Kristallen auf Jacken, Hosen und Schuhen der Kollektionen. Daneben gibt es viel Leder, Jeans, Nieten, Strass und Pelz. Nicht weniger ist mehr, sondern mehr ist mehr, hat es den Anschein. Inzwischen gibt es 107 Geschäfte weltweit, rund ein Drittel sind eigene, der Rest wird von Franchisenehmern betriebene. Für den Großteil des Geschäfts sorgen exklusive Kaufhäuser wie „Harrods“ in London, „Saks“ in New York oder „Breuninger“ in Düsseldorf. 2015 machte Philipp Plein 200 Millionen Euro Umsatz. Dieses Jahr sollen es rund 225 Millionen werden. Die Rendite liegt angeblich bei knapp 30 Prozent.

Plein hat in seinem Leben bisher das gemacht, was er machen wollte: Geld. „Ich wollte nicht Mode machen, ich wollte Geld verdienen“, sagt er. Und es klingt fast entschuldigend. Er hat, und darauf legt er großen Wert, keine Schulden. Die Expansion seiner Marke und seine diversen Häuser hat er eigenen Angaben zufolge aus dem Cashflow bezahlt. Er hat auch keine Partner. Philipp Plein ist und gehört Philipp Plein, zu 100 Prozent. Seine Firma ist zwar in diverse Gesellschaften aufgeteilt, doch alles läuft über ihn. Sein Lebensstil ist asketisch. Kein Alkohol, viel Sport, Salat statt Steak.

Immer sein eigener Herr

Der Aufstieg des Philipp Plein erscheint märchenhaft und ist doch eine Wirtschaftsgeschichte des 21. Jahrhunderts. Seine Karriere hat er nicht über Nacht gemacht oder mit einem strategischen Ansatz. „Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und hatte eine Vision“, erzählt er. „Es kam eins zum anderen. Es war harte Arbeit und natürlich auch immer wieder Glück.“

Seine erste Million macht Plein als Student. Damals wohnt er bei seinen Eltern zu Hause in Nürnberg, mit einem Hundebett. Es ist eine skurrile Geschichte. Seine Mutter hatte sich darüber geärgert, dass es nur Hundekörbchen aus Flechtwerk gebe, die ihr weder gefielen noch stabil waren. Plein machte sich daran, eine Art Hundeliege aus Edelstahl zu entwerfen. Die Konstruktion gefällt dem Publikum und wird ein Bestseller.

Auffällig wie erfolgreich.

Foto: Reuters

Der gebürtige Münchener ist heute neben Karl Lagerfeld der erfolgreichste selbstständige deutsche Modemacher. So wie der eine King Karl heißt, könnte er Prince Plein genannt werden. Mit einem Unterschied: Lagerfeld hat lange für Chanel gearbeitet und wollte mit seinem Design die Welt verändern, Plein war immer sein eigener Herr und hatte nur ein Ziel: „Geld verdienen und die Nummer eins sein“. Sein Auftritt und seine Pläne wirken entsprechend übermütig, wie einer sagt, der ihn lange kennt. Doch bis heute hat Plein seine Prognosen stets erfüllt. Für den Strategieberater Franz-Maximilian Schmid-Preissler ist Plein ein „Phänomen“. Man müsse weder ihn noch seine Mode mögen, um gleichwohl beeindruckt zu sein.

Wie er das geschafft hat? Evelyn Hammerström kennt Philipp Plein seit seinen Anfängen. Sie war die Erste, die seine Mode in Deutschland vor rund zehn Jahren mit der Agentur Unifa und ihrem Laden Jades in Düsseldorf vertrieb. Nach einigen guten Jahren trennten sich ihre Wege. „Er ist sehr fokussiert, er schaut weder nach rechts noch nach links. Das ist für Geschäftspartner und Mitarbeiter manchmal hart, aber er lag damit immer richtig und hatte Erfolg.“ Und weiter: Er arbeite unglaublich viel. So wohne er zwar an den schönsten Orten der Welt, New York, Côte d’Azur und Hongkong, doch mache er nie Urlaub. „Er ist 24 Stunden sieben Tage die Woche getaktet.“

Expansionspläne werden aufmerksam verfolgt

Und Philipp Plein wäre nicht Philipp Plein, wenn er sich mit seinem bisherigen Erfolg zufriedengeben würde. Die Welt der Mode, der „King of Bling“ zu sein, reicht ihm – natürlich – nicht. Mit „Plein Sport“ will er nun in die Sportartikelbranche vorstoßen. Es soll dies nicht die klassische Zweitlinie werden, wie etwa Zegna Sport oder Boss Orange. Es soll reine Sportmode sein, also nur Nylon und Baumwolle, Jogginghose, T-Shirts, Pullover, Turnschuhe. Bei Plein Sport gibt es keinen Totenkopf, keine Nieten, keine Kristalle, weder Jeans noch Leder, noch Pelz. „Es ist ein neues Segment, das wir begründen wollen und werden. Es gibt bisher keine Luxus-Sportmarke. Ich sehe da sehr großes Potenzial“, erklärt Plein.

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Die erste Kollektion von Plein Sport wurde im September präsentiert, die ersten Kaufhäuser haben geordert, und im Dezember und Januar sollen die ersten drei Läden eröffnen – in Amsterdam, Mailand und Paris. „Es wird einschlagen wie eine Bombe. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir 2017 schon 50 bis 60 Millionen Euro Umsatz machen.“

Pleins Expansionspläne werden aufmerksam verfolgt. Philipp Prechtl von der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner sagt: „Die Bereiche Mode und Sport wachsen zusammen. Plein könnte im hochpreisigen Segment seine Nische finden.“ Allerdings bleibe fraglich, wie lange Plein den Hype um seine Marke insgesamt halten könne. Das Modemarkengeschäft sei sehr schnelllebig.

Berater Schmid-Preissler hegt Zweifel an Pleins Kompetenz für die Sportartikelbranche. „Doch darauf kommt es wahrscheinlich gar nicht an. Die Mode von Plein ist auch schon mehr Schein als Sein.“

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