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  4. Lufthansa: Heinz Hermann Thiele als neuer Großaktionär

Münchener MilliardärInvestor Thiele steigt bei Lufthansa ein – Strebt er dort auch nach Macht?

Der Vielflieger übernimmt fünf Prozent der durch Corona geschwächten Airline. Nun wird spekuliert, ob Thiele auch Einfluss auf das Geschäft nehmen will.Markus Fasse, Jens Koenen 19.03.2020 - 08:18 Uhr

Der Unternehmer ist Hauptaktionär des Münchner Zulieferers Knorr-Bremse und des Bahntechnik-Konzerns Vossloh.

Foto: Knorr-Bremse

München, Frankfurt. Ob das der deutsche Ankeraktionär ist, den sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr immer gewünscht hat? Fest steht: Lufthansa hat seit wenigen Tagen einen prominenten Vielflieger als Großaktionär. Der umtriebige Münchener Unternehmer und Milliardär Heinz Hermann Thiele ist mit gut fünf Prozent bei der Kranichlinie eingestiegen. Das geht aus zwei Ad-hoc-Mitteilungen hervor.

Demnach hat Thiele über seine Investmentgesellschaft KB Holding am 5. März zunächst die Meldeschwelle von drei Prozent überschritten. Einen Tag später meldete er dann einen Anteilsbesitz von 5,29 Prozent.

Thiele selbst wollte sich auf Anfrage aus persönlichen Gründen nicht äußern. „Wir freuen uns über das Investment und sehen es als Beweis des Vertrauens in unsere Strategie und Zukunftsaussichten“, heißt es bei Lufthansa.

Die Motivation des 78-jährigen Unternehmers ist unklar. Thiele ist jeweils Hauptaktionär des Münchener Zulieferers Knorr-Bremse und des Bahntechnik-Konzerns Vossloh. In beiden Fällen hat Thiele ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt des Einstiegs gehabt und die Unternehmen anschließend nach seinen Vorstellungen geprägt.

Die Lufthansa ist zumindest auf dem Papier ein noch größerer Brocken. Zwar ist die Airline-Gruppe wie die gesamte Luftfahrt aktuell massiv von den Folgen des Coronavirus betroffen: Der Großteil der Flotte liegt am Boden, es könnte sogar sein, dass der Konzern Staatshilfen beantragen muss.

Doch obwohl das alles wenig vertrauenswürdig klingt, wird die Lufthansa an der Coronakrise nicht zugrunde gehen. Das würde schon allein die Bundesregierung nicht zulassen.

Der Faktor Geduld

Thiele hat bereits vor Wochen Anteile gekauft, als der Kurs wegen der Coronakrise in China ins Rutschen geriet. Anfang März kostete das Papier mit rund zwölf Euro so wenig wie seit vier Jahren nicht mehr.

Mittlerweile ist der Kurs zwar weiter gesunken, insgesamt ist der Lufthansa-Konzern nur noch 4,3 Milliarden Euro wert. Thiele jedoch weiß, dass man mit einer Idee manchmal Geduld braucht. „Ich habe gelernt, in harten Zeiten zu überleben. Das ist ein wesentlicher Treiber für meine Art zu arbeiten“, sagt er über sich selbst.

Im Kriegsjahr 1941 geboren, wächst Thiele als Flüchtlingskind auf, geprägt von Hunger und Not. Nach dem Abitur beginnt er bei der Reederei Hapag-Lloyd als „Aufwäscher“. Hier passt das Bild vom Tellerwäscher, der zum Milliardär wurde. Es folgt die Zeit bei der Bundeswehr, die Ausbildung an der Offiziersschule in Hannover und der Panzertruppenschule in Münster. Thiele lernt, wie man führt, wie man sich durchsetzt.

Seine Stunde schlägt als Prokurist der Knorr-Bremse, die Anfang der 80er-Jahre wegen eines Erbstreits in eine Krise rutscht. Auf Vermittlung der Deutschen Bank steigt der gelernte Jurist als Komplementär bei Knorr ein. Thiele übernimmt den damals maroden Bahnzulieferer und steuert die Firma aus der Krise – „aberwitzig, aber erfolgreich“, wie ein Konkurrent aus der Branche bemerkte.

Ich habe gelernt, in harten Zeiten zu überleben. Das ist ein wesentlicher Treiber für meine Art zu arbeiten.
Heinz Hermann Thiele (Unternehmer)

Thiele schaltet auf Expansion, geht früh nach China und in die USA. Aus einem kleinen Mittelständler wird der Weltmarktführer für Lkw- und Zugbremsen. Thiele regiert mit eiserner Hand, zieht sich 2007 aus dem operativen Geschäft zurück. Die Übergabe an seinen Sohn Henrik scheitert. 2018 folgt der Börsengang.

Thiele ist ein Unternehmer der alten Schule, faule Kompromisse sind seine Sache nicht. Beim Bahnkonzern Vossloh lieferte er sich 2013 einen Machtkampf mit den Anteilseignern der Familie. Thiele gewann, übernahm damals die Mehrheit und saniert seitdem nach seinen Vorstellungen.

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Die Lufthansa kennt der Vielflieger gut. Noch immer ist Thiele für Knorr-Bremse in aller Welt unterwegs, hält Kontakt zu wichtigen Kunden. Zudem gehört ihm eine Farm in Südafrika. Menschen, die ihn gut kennen, vermuten, dass er sich auch künftig nicht in Schweigen hüllt – und den Airline-Managern erklären wird, wie sie nach der Coronakrise schnell wieder profitabel werden.

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