1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Nomos, A. Lange & Söhne, Wempe: Uhrenparadies Glashütte

Nomos, A. Lange & Söhne, WempeUhrenparadies Glashütte

Die edlen deutschen Uhrenmanufakturen aus Glashütte investieren Millionen, um unabhängig von Schweizer Zulieferern zu werden. Die Hersteller haben bereits ganz andere Krisen überstanden, auch in der DDR.Georg Weishaupt 18.04.2016 - 09:33 Uhr Artikel anhören

Die Mitarbeiter der in Glashütte beheimateten Uhrenhersteller knüpfen an eine lange Tradition an.

Foto: AP

Glashütte. Braun-beige gestreifte Tischläufer zieren die braunen Tische. Dahinter hängt an der Wand eine Kamin-Attrappe mit künstlichem Holzkohlen-Feuer. Das biedere „Café Uhrwerk“ bietet seinen Mittagstisch nicht irgendwo in der deutschen Provinz an, sondern ausgerechnet in Glashütte. Dort, wo deutsche Luxusuhren-Marken residieren – von Nomos über Glashütte Original bis Wempe.

Stammkunde Wilhelm Schmid ist alles andere als provinziell. Der 53-Jährige führt Deutschlands nobelste Uhrenmarke A. Lange & Söhne. Der ehemalige BMW-Manager, der vor gut fünf Jahren den Chefposten in Glashütte übernahm, hat gerade einen zweistelligen Millionenbetrag in ein Manufaktur-Gebäude investiert.

Es ging ihm darum, „das „Entwicklungstempo deutlich zu erhöhen“, wie er sagt. Früher brachte die Manufaktur jedes Jahr ein bis zwei neue Modelle auf den Markt, heute sind es sechs bis sieben. Außerdem hat er das Netz der Boutiquen von zwei auf 16 ausgebaut. Der Umsatz der Uhren, die zwischen 14.000 und knapp zwei Millionen Euro kosten, „verteilt sich heute ausgewogen über die drei großen Märkte Amerika, Europa und Asien“, sagt Schmid.

Das Unternehmen gehört zu einem knappen Dutzend Manufakturen, die eine knappe Autostunde südlich von Dresden Uhren fertigen. Sie verkaufen immer mehr hochpreisige, mechanische Zeitmesser an Kunden in der ganzen Welt. Und sie behaupten sich gegenüber der traditionsreichen Schweizer Konkurrenz und den Problemen auf dem Weltmarkt. Ist A. Lange & Söhne immun gegen die China-Krise, unter der viele Luxusfirmen leiden? „Wir sind im China-Geschäft etwas weniger anfällig als andere Marken“, sagt Schmid. Das liege vor allem daran, dass er 75 Prozent seiner Uhren an Sammler verkaufe, die auch mal 200.000 Euro zahlen.

Schmid versucht, sich gegenüber der starken Schweizer Konkurrenz wie Patek Philippe und Vacheron Constantin mit Innovationen durchzusetzen. Vor kurzem hat er ein kompliziertes Uhrwerk mit einer Minutenrepetition vorgestellt. Da erzeugt ein feines Schlagwerk jede Minute einen Ton. Neu ist auch eine Uhr mit einem ewigen Kalender, der bis ins Jahr 2.100 reicht.

Der Aufwand, den Schmid betreibt, ist beträchtlich. In den lichtdurchfluteten Ateliers sitzen 670 Uhrmacher und andere Spezialisten. Eine Frau im weißen Kittel schaut durch ein Mikroskop und graviert Jugendstilornamente auf ein klitzekleines Silberteil – eines von 700 Einzelteilen einer Uhr. Trotz des Aufwands sieht ihr Chef keine Gefahr, dass er Arbeitsplätze abbauen muss, wie die Muttergesellschaft Richemont, zu der Lange seit 2000 gehört. Sie hatte angekündigt, 350 Stellen in der Uhrenproduktion zu streichen. „Unsere Mitarbeiter machen immer noch Überstunden“, beruhigt Schmid.

Alle Krisen in der DDR-Zeit überlebt

Das war nicht immer so. In der Weltwirtschaftskrise 2008 musste sein Vorgänger Kurzarbeit einführen. Das war nicht die erste Krise. Das 1834 von Ferdinand Adolph Lange in Glashütte gegründete Unternehmen wurde in der DDR-Zeit enteignet. Walter Lange, Urenkel des Gründers, wagte dann nach der Deutschen Wiedervereinigung mit 15 Beschäftigten den Neuanfang.

Inzwischen arbeitet ein knappes Dutzend Firmen in Glashütte und beschäftigt 1.700 Mitarbeiter in dem Städtchen. Das freut Bürgermeister Markus Dreßler: „In den vergangenen Jahren sind die Gewerbesteuereinnahmen gestiegen.“ „Der Ort Glashütte hat eine unglaubliche DNA“, sagt Franz-Maximilian Schmid-Preissler von der gleichnamigen Strategieberatung. „Die Leute dort haben sich trotz aller Krisen in der DDR-Zeit die Kunst des Handwerks erhalten.“ In der gleichen Zeit stürzte die westdeutsche Uhrenindustrie wegen der Konkurrenz aus Fernost ab.

Die Manufakturen in Glashütte trugen dazu bei, dass der Umsatz der deutschen Uhrenindustrie nach Angaben ihres Branchenverbands 2015 um gut fünf Prozent auf 425 Millionen Euro stieg. Der Weltmarkt für Luxusuhren hingegen gab laut Bain & Company währungsbereinigt um sechs Prozent auf 38 Milliarden Euro nach.

Verwandte Themen
USA
China
Europa
BMW

Gut läuft es auch für Nomos. „Wir haben unseren Umsatz in den vergangenen drei Jahren verdoppelt“, sagt Uwe Ahrendt, geschäftsführender Gesellschafter von Nomos, der im alten Bahnhof von Glashütte gegenüber von Lange arbeitet. Er erwartet, dass der konzernunabhängige Mittelständler dieses Jahr „wieder um 30 Prozent wächst“. Den Erfolg erklärt er damit, dass Nomos sich anstrengt, um von Schweizer Zulieferbetrieben unabhängig zu werden. So hat er für elf Millionen Euro in ein eigenes Assortiment investiert, den Taktgeber der Uhr. Und bis 2017 investiert er knapp zehn Millionen Euro in Gebäude und neue Maschinen.

So will er dafür sorgen, dass Nomos seine Uhren weiter vergleichsweise günstig für 1.000 bis 4.000 Euro verkaufen kann. Trotz der steigenden Nachfrage in Deutschland und den USA will er „lieber kleine Schritte machen“, sagt er. Auch sein Kollege Schmid von A. Lange & Söhne bleibt vorsichtig. „Das Geschäft ist transparenter und wegen der schwankenden Währungskurse und solcher Ereignisse wie den Terroranschlägen in Istanbul oder in Paris viel volatiler geworden als früher“, warnt Schmid.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt