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Onlinehändler Amazons Umsatz steigt dank Corona – die Kosten steigen jedoch stärker

Die Ausgangssperren wegen Corona treiben viele Menschen zu Amazon – doch der Onlinehändler muss auch mehr ausgeben. Demnächst drohen Verluste.
01.05.2020 - 05:49 Uhr 2 Kommentare
Seit der Coronakrise nehemn immer mehr Kunden die verschiedenen Dienstleistungen von Amazon in Anspruch - doch die Kosten des Onlinehändlers steigen ebenfalls. Quelle: dpa
Lebensmittellieferdienst Amazon Fresh

Seit der Coronakrise nehemn immer mehr Kunden die verschiedenen Dienstleistungen von Amazon in Anspruch - doch die Kosten des Onlinehändlers steigen ebenfalls.

(Foto: dpa)

Seattle Brian Olsavsky beginnt die Investoren-Telefonkonferenz mit ungewöhnlich emotionalen Worten: „Was wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, dreht uns den Magen um“, sagt Amazons Finanzvorstand und lobt die „Amazonier an der Front“. All die Mitarbeiter in Warenlagern, Lieferwagen oder an den Kassen von Amazons Bio-Supermarktkette Whole Foods, die trotz der Ansteckungsgefahr helfen, dass viele Millionen Menschen weltweit weiterhin mit Lebensmitteln und Lebensnotwendigem versorgt werden. Ein sehr bewusstes Zeichen, nachdem das Top-Management des weltgrößten Onlinehandelskonzerns zuletzt mit Arbeiteraktivisten aneinandergeraten war.

Amazon will nicht als der Krisenprofiteur gelten, obwohl der Konzern als Onlinehändler, Streaming- und Cloud-Computing-Anbieter dank der globalen Ausgangssperren in fast allen Sparten mehr Geschäft macht. Denn Amazons Kosten steigen auch: Vier Milliarden Dollar mehr werde der Konzern im laufenden Quartal wegen Corona mehr ausgeben – für höhere Löhne etwa oder weil seine Warenlager wegen der Abstandsregeln zwischen Arbeitern weniger effizient betrieben werden können.

Im Jahresvergleich ist Amazons Umsatz um 26 Prozent auf mehr als 75 Milliarden Dollar gestiegen, der operative Gewinn dagegen bereits jetzt zehn Prozent auf rund vier Milliarden Dollar gesunken. Drei Viertel davon macht die Cloud-Computing-Tochter Amazon Web Services (AWS) aus. Das Geschäft in Nordamerika (exklusive AWS ) ist mit 46 Milliarden Dollar der größte Umsatzbringer, wirft aber nur rund 1,2 Milliarden Dollar Gewinn ab. Das Geschäft außerhalb Nordamerikas ist sogar traditionell defizitär, zuletzt mit einem Verlust von 398 Millionen Dollar.

Die Aktie sinkt um fünf Prozent

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    Im nächsten Quartal, prognostiziert Konzernchef Jeff Bezos in seinem Investorenbrief, werde das Ergebnis wegen der höheren Corona-Kosten zwischen 1,5 Milliarden Dollar Verlust und 1,5 Milliarden Dollar Gewinn liegen – quasi Null mit einem großen Konfidenzintervall drum herum. Die Wall Street hatte einen strahlenderen Krisengewinnler erwartet, nachbörslich sank Amazons Aktie um fünf Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie aber rund ein Drittel an Wert gewonnen.

    Bezos hat nie verhehlt, dass er Gewinne vor allem als noch nicht wieder in Amazon reinvestiertes Kapital betrachtet. Investitionen, die vergangenes Jahr noch den Kurs drückten, würden sich inzwischen auszahlen, sagt Olsavsky. Das Liefernetzwerk, das Zustellungen binnen eines Tages garantieren soll, kann dieses Versprechen zwar aktuell nicht halten. Es helfe aber, den gewaltigen Anstieg an Lieferungen überhaupt zu bewältigen, weil Amazon dank neuer Warenlager Produkte näher an seinen Kunden bereithält.

    Auch Amazons andere Sparten wachsen: AWS übersprang zum ersten Mal zehn Milliarden Dollar Umsatz in einem Quartal. Mit 33 Prozent Wachstum in einem Jahr wächst das Tochterunternehmen zwar langsamer als seine Cloud-Konkurrenten Microsoft Azure und Google Cloud, bleibt aber klar Marktführer. Weil große Transferprojekte in die Cloud derzeit kaum umsetzbar sind, habe AWS „einen großen Umsetzungsstau bei künftigen Projekten“, sagte Olsavsky. Amazons Fernseh-Streamingdienst Prime Video habe seine Zuschauerzahl während der weltweiten Ausgangssperren beinahe verdoppelt. Amazons Werbegeschäft, das vor allem Werbeplätze für Produkte auf amazon.com verkauft, wachse ähnlich schnell wie im Vorquartal. Damals stieg der Umsatz um 41 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar – ein großer Unterschied zu Werbekonzernen wie Google oder Facebook, deren Wachstum sich erheblich verlangsamt hat.

    Mehr: Amazon, Nvidia und Netflix: Bei welchen Tech-Aktien der Einstieg jetzt noch lohnt

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    2 Kommentare zu "Onlinehändler: Amazons Umsatz steigt dank Corona – die Kosten steigen jedoch stärker"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Bei mir steigt nur das Unverständnis über unsere politische, hier wirtschaftspolitische Führung.

      Wie kann es sein, dass ein Unternehmen wie z. B. Amazon, dass
      a) seit Jahren gravierende operative Verluste einfährt also nicht wirtschaftlich arbeitet,
      b) dem hiesigen stationären Handel und seinen Beschäftigten so massiv schadet,
      c) keine Steuern zahlt, bzw. nur unbedeutend zum Steueraufkommen beiträgt,
      d) seinem grundgesetzlich verbrieften Auftrag als Unternehmen damit nicht nachkommt,
      auch noch Steuergutschriften in 3-stelliger Millionenhöhe erhält, die wir im Kampf gegen diesen Moloch erarbeitet haben?

      Kann es sein, dass sich unser Staat die Zerstörung des hiesigen Mittelstands im stationären Handel zur Aufgabe gemacht hat, der „aufgeklärte und freie Bürger“ ihn damit noch nach Kräften unterstützt und dieses Unternehmen uns zum Hohn, weiterhin als Beispiel für innovatives Wirtschaften vorgehalten wird?!

    • Das war so sicher wie das Amen in der Kirche:

      "Was wird jedoch in der Realität geschehen?? Mehr Leute gehen erst gar nicht mehr einkaufen, weil sie keine Masken haben - sie bestellen stattdessen im Internet (Amazon boomt, Jeff Bezos lacht!!!) falls möglich. Folge: Umsatzeinbußen selbst bei den Ladengeschäften, die bisher noch "Glück" hatten."
      https://www.handelsblatt.com/politik/international/-coronavirus-160-000-infizierte-in-deutschland-ezb-rechnet-mit-massivem-konjunktureinbruch/v_detail_tab_comments/25471608.html?commentSort=debate&pageNumber=3

      Es bleiben aber auch Leute zu Hause und bestellen stattdessen im Internet, die sich diesem modernen "Geßlerhut" als Zeichen des Gehorsams und der Unterwürfigkeit gegenüber den Machthabern nicht unterwerfen wollen.
      Mit Amazon-Aktien konnte man also relativ einfach zum Krisen-Gewinner werden:
      https://www.finanzen.net/aktien/amazon-aktie
      Ich bin jedoch ein ziemlich schlechter Investor, da ich gewisse persönliche Kriterien für den Kauf einer Aktie anlege - und eines dieser Kriterien ist: keine Investition in Datenkraken. Damit scheiden die "FANG-Aktien" (Fratzenbuch, Amazon, Netflix und Google) für mich aus.
      Was damit aber immer deutlicher wird (außer für die regierenden Politiker): der irre Maskenzwang ruiniert sukzessive Ladengeschäfte (insbesondere diejenigen, wo man sich als Kunde normalerweise Zeit nimmt, wie etwa Modengeschäfte zwecks Anprobe von Kleiderrn usw.). Daher gehört er auch schnellstens wieder abgeschafft!!

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