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Roland Mack Nach Einnahme-Einbußen von 300 Millionen Euro: Europapark wagt die vorsichtige Wiedereröffnung

Deutschlands größter Freizeitpark öffnet mit beschränkter Besucherzahl am Freitag wieder seine Tore. Inhaber Roland Mack denkt unterdessen schon weiter.
19.05.2021 - 16:15 Uhr Kommentieren
Monatelang war Deutschlands größter Freizeitpark geschlossen: An diesem Freitag geht es wieder los. Aber nur mit begrenzter Besucherzahl. Quelle: imago images/Petra Schneider
Europapark

Monatelang war Deutschlands größter Freizeitpark geschlossen: An diesem Freitag geht es wieder los. Aber nur mit begrenzter Besucherzahl.

(Foto: imago images/Petra Schneider)

Stuttgart, München Ein Dreivierteljahr Däumchen drehen ist für einen gestandenen Unternehmer wie Roland Mack die schlimmste denkbare Strafe. Die durch die Pandemie bedingte Zwangspause nutzt der Chef und Gesellschafter des Europaparks daher, um bereits die Erweiterung des größten deutschen Freizeitparks entschlossen voranzutreiben.

Der 71-Jährige will einen ganz neuen Themenbereich samt Mega-Achterbahn errichten. „Die Planung für die Achterbahn steht, und die Anträge könnten bei den Behörden eingereicht werden“, sagte Mack dem Handelsblatt.

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass der Mittelständler aus dem badischen Rust bereits wieder in die Zukunft blickt. Denn die Gegenwart ist herausfordernd genug. Seit Ende Oktober ruht der Betrieb mit seinen 4500 Mitarbeitern nahezu komplett.

Nur durch Staatszuschüsse und vor allem das Kurzarbeitergeld konnte sich der Mittelständler über Wasser halten. „Ohne die Hilfen hätten wir tiefrote Zahlen geschrieben, so ist es ein überschaubarer Verlust geworden“, erläutert Mack.

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    Details über die Vermögenslage der Unternehmensgruppe und der Familie nennt der gut in der Politik verdrahtete Familienunternehmer nicht. Nur so viel: „Uns fehlen 300 Millionen Euro an Einnahmen. Bis Jahresende dürfte es sich bei der Deckelung der Besucherzahlen auf 400 Millionen summieren.“ Damit fehlt dem Park über die Hälfte der Einnahmen. Noch so ein Jahr dürfte auch für die Macks schwer zu bewältigen sein.

    An diesem Freitag öffnet der Europapark zum ersten Mal seit Herbst wieder die Tore – im Rahmen eines von Wissenschaftlern begleiteten Modellprojekts. Nach monatelangem Stillstand werden sich zum Saisonstart allerdings lediglich 2000 Besucher auf dem riesigen Areal vergnügen. Das Besucherinteresse wird damit nicht im Ansatz befriedigt. „Wir haben allein für den kommenden Sonntag 100.000 Ticketanfragen, denen wir nicht nachkommen können“, bedauert Mack.

    2000 Besucher am Freitag sind dagegen ein Klacks für die Familie Mack, deren Spaß-Imperium sich über mehr als 100 Fußballfelder erstreckt. Trotzdem ist Patron Mack nervös. Nach dem langen Stillstand will er erst einmal auf Nummer sicher gehen und schauen, ob die Gäste auch wirklich – wie von den Behörden gefordert – alle mit Corona-Test anreisen. Denn die Testkapazitäten vor Ort sind begrenzt, und Mack fürchtet lange Schlangen.

    „Sind es nicht gewohnt, mit angezogener Handbremse zu fahren“

    Nur den Mangel zu verwalten, das ist einem Visionär wie Mack zuwider, Corona hin oder her. „Wir sind es nicht gewohnt, mit angezogener Handbremse zu fahren“, meint der Unternehmer. Seinen Optimismus und Unternehmergeist will er sich selbst von dem hartnäckigen Coronavirus nicht rauben lassen.

    Gerade erst habe er Investitionen für 30 Millionen Euro freigegeben: für einen neuen Kindergarten, für ein Mitarbeiterhaus, vor allem aber für „Eatrenalin“, ein Restaurant der Zukunft, wie es Mack nennt, mit eingebautem Fahrgeschäft. Eine „revolutionäre Veränderung“ der Gastronomie sei das, was er gemeinsam mit der Kette Mövenpick da vorantreibe. Die Idee wollen die Partner weltweit verbreiten und Erlebnislokale in Schanghai und New York ausstatten.

    Der neue Themenbereich soll all das jedoch in den Schatten stellen und wird deutlich mehr Geld verschlingen. Allerdings lässt sich Mack noch nicht in die Karten blicken. Er will nicht einmal von einer neuen Achterbahn reden, spricht stattdessen lieber von einem „schnellfahrenden System“ oder einer „Großfahranlage“.

    Dabei lebt sein Produktionsbetrieb im nahen Waldkirch seit Jahrzehnten von jenen rasanten Achterbahnen, die Mack zunächst im Europapark aufstellt, um sie dann seinen Kunden stolz zu präsentieren und in alle Welt zu exportieren.

    Plant während der Pandemie für die Zukunft: Roland Mack entwickelt ein wegweisendes Restaurantkonzept und tüftelt an einem neuen Themenbereich.
    Roland Mack

    Plant während der Pandemie für die Zukunft: Roland Mack entwickelt ein wegweisendes Restaurantkonzept und tüftelt an einem neuen Themenbereich.

    Natürlich waren für Mack die vergangenen Monate nicht einfach, im Gegenteil. Der Senior wollte das Tagesgeschäft längst seinen beiden Söhnen Thomas, 40, und Michael, 42, überlassen. Nun war er aber als Krisenmanager gefragt. Erst durfte er den Europapark Ende März 2020 nicht öffnen, dann Ende Mai verspätet mit Begrenzung auf 15.000 Besucher pro Tag – zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben.

    Als im Internet die Buchungen wieder starteten, wurden sofort rund 2,5 Millionen Tickets bestellt. Dann die erneute Vollbremsung im Herbst und seither die Geisterbahnfahrt durchs Corona-Dunkel.

    Im Europapark blicken sie neidisch auf die Nachbarländer

    Mack blickt neidisch in die Nachbarländer, wo sich die Karussells zum Teil schon seit Wochen wieder drehen. Dabei kann er noch von Glück reden, dass die Landesregierung in Baden-Württemberg den Europapark als Modellprojekt ausgewählt hat. Sonst wären auch in Rust die Lichter an den Fahrgeschäften frühestens Ende Juni angegangen. Denn die meisten Vergnügungsparks in Deutschland sind noch dicht.

    „Mittlerweile haben Freizeitparks in den meisten Ländern Europas geöffnet beziehungsweise eine klare Öffnungsperspektive“, sagt Jakob Wahl vom Branchenverband IAAPA. In England und Spanien seien sie bereits seit einigen Wochen wieder in Betrieb, bislang ohne Probleme. „Bis heute ist keine einzige Infektion bekannt, die ihren Ursprung in einem Besuch in einem Freizeitpark hat“, sagt der Funktionär.

    Die weiter sinkenden Infektionszahlen in den Ländern und Regionen, in denen Freizeitparks seit Ende März oder Anfang April ihre Tore geöffnet haben, beweisen nach Ansicht des Industrielobbyisten vor allem eines: dass von Freizeitparks keine Gefahr ausgeht.

    Selbst in Schweden geht es Anfang Juni wieder los. Dort sind die Parks seit mehr als einem Jahr geschlossen. Und das Disneyland Paris soll ab dem 17. Juni wieder für Besucher öffnen, wie am Montag bekannt wurde. Die meisten Betreiber in Europa hätten die Krise überstanden, indem sie auf ihre Rücklagen zurückgriffen, so wie der Europapark. Lediglich in England seien zwei Parks übernommen worden, nachdem sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren, erläutert Wahl.

    Das Disneyland in Kalifornien hatte wegen der Pandemie 13 Monate lang geschlossen. Quelle: AP
    Disneyland

    Das Disneyland in Kalifornien hatte wegen der Pandemie 13 Monate lang geschlossen.

    (Foto: AP)

    Auch außerhalb von Europa rattern die Achterbahnen wieder vielerorts. 13 Monate hatte beispielsweise das Disneyland in Kalifornien stillgestanden, seit Anfang Mai begrüßt der Park wieder Gäste. Zuvor war der legendäre, 66 Jahre alte Park nur wenige Male auch nur einen Tag lang geschlossen gewesen. So nach der Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy, 1994 nach einem Erdbeben und zuletzt nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001.

    In Deutschland ist der Heide-Park in Soltau bereits seit vier Wochen wieder geöffnet. Die Betreiber hatten gegen die Schließung vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg geklagt – und gewonnen.

    Die Regierung in England hat unterdessen die Mehrwertsteuer auf Tickets für Freizeitparks von 20 auf fünf Prozent für die Saison 2021 gesenkt. Eine Unterstützung, die sich auch Mack wünschen würde. Denn besonders üppig würden die staatlichen Subventionen derzeit nicht ausfallen, behauptet der Badener. „In diesem Jahr decken die Hilfen bislang nur 18 Prozent des entstandenen Schadens. 82 Prozent tragen wir selbst.“

    Viel Platz unter den badischen Feigenbäumen

    Was Mack momentan am meisten sorgt: Er darf zunächst einmal nur 20.000 Tickets pro Tag verkaufen. Damit kommt weniger als die Hälfte dessen in die Kasse, was er sonst in belebten Zeiten einnimmt. „Wenn die Deckelung bleibt, dann sind maximal drei Millionen Besucher möglich“, ärgert sich Mack. In einem normalen Jahr passieren fast sechs Millionen Menschen die Drehkreuze.

    Die Familie Mack ist schon lange unternehmerisch tätig. Sie baute zunächst Schaustellerwagen, später Karussells und Fahrgeschäfte. Anfang der 70er-Jahre war es Roland Macks Idee, einen Freizeitpark zu errichten, um die eigenen Fahrgeschäfte permanent zu betreiben. Palmen und Feigenbäume im Park, echte Kacheln aus Portugal an den Wänden, selbst die Dächer zieren alte Ziegel aus Italien – mit Herzblut und Liebe zum Detail wurde aus dem Europapark südlich von Karlsruhe eine Erfolgsgeschichte. Sechs Hotels mit insgesamt rund 5800 Betten gehören dazu, mehr als 100 Fahrgeschäfte, eingebettet in einen alten Schlosspark.

    200 Millionen Euro hat der Europapark in seine Badewelt investiert. Seit der Eröffnung im November 2019 blieben die Rutschen wegen Corona aber monatelang leer. Quelle: Europapark
    Spaßbad Rulantica

    200 Millionen Euro hat der Europapark in seine Badewelt investiert. Seit der Eröffnung im November 2019 blieben die Rutschen wegen Corona aber monatelang leer.

    (Foto: Europapark)

    Wenige Wochen bevor die Pandemie vergangenes Jahr Europa erreichte und das öffentliche Leben lahmlegte, hatte Mack noch mit großem Pomp das nagelneue Spaßbad „Rulantica“ mit angeschlossenem Vier-Sterne-superior-Hotel eröffnet. 200 Millionen Euro hat der Komplex gekostet, dessen Becken Mack den Winter über beheizen musste, ohne dass auch nur eine einzige Familie die Rutschen hinabrasen durfte. „Rulantica“ ist die größte Investition in der 46-jährigen Geschichte des Parks.

    Roland Mack hat aber schon viele Krisen durchgestanden. Am Anfang, in den 70er-Jahren, als er seinen Vater, den Karussellbauer, erst einmal davon überzeugen musste, dass der seine Fahrgeschäfte zu Demonstrationszwecken in einem eigenen Freizeitpark aufbauen sollte. Als dann der Plan, das Projekt bei Breisach zu bauen, nach zwei Jahren Vorbereitung scheiterte. Als es Probleme mit der Verkehrsanbindung gab. Und erst recht, als im Mai 2018 die Indoor-Attraktion „Piraten in Batavia“ bis auf die Grundmauern abbrannte.

    Die Kunden für die Achterbahnen kommen zurück

    Mack ist daher ein Stehaufmännchen. Mit seinem über Jahrzehnte geübten Kampfesgeist hat er auch die vergangenen Monate durchgestanden. Manchmal hilft indes einfach das Glück des Tüchtigen. So wie bei seinem Produktionsbetrieb „Mack Rides“.

    Noch vor ein paar Tagen fürchtete Mack, dass seinen Leuten nächstes Jahr die Arbeit ausgehen würde. Einen Großauftrag für einen neuen Freizeitpark in Amerika hatten die Bauherren wegen Corona storniert. Dann überbrachte ihm sein Geschäftsführer die erlösende Nachricht: Die US-Investoren würden nun doch im Badischen einkaufen – und sogar mehr als zuvor.

    Mehr: Wie Unternehmen im Kampf gegen die Pandemie helfen könnten – wenn man sie ließe

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