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SeefahrtSchlechte Aussichten für Container-Reederei Hapag-Lloyd

Massiv gesunkene Frachtraten, zunehmende Handelshemmnisse aus Washington, Verkaufsempfehlungen von Analysten – Deutschlands größter Reederei steht ein schwieriges Jahr bevor.Christoph Schlautmann 20.03.2025 - 08:14 Uhr Artikel anhören
Hapag-Lloyd: Die Containerreederei rechnet mit einem deutlich sinkenden Gewinn im laufenden Jahr. Foto: Christian Charisius/dpa

Düsseldorf. Deutschlands größtem Seefahrtskonzern Hapag-Lloyd steht im laufenden Geschäftsjahr ein deutlicher Gewinneinbruch bevor. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde 2025 bestenfalls bei 1,5 Milliarden Euro liegen, teilte Vorstandschef Rolf Habben Jansen am Donnerstagmorgen mit, nachdem die Container-Reederei im abgelaufenen Jahr noch knapp 2,6 Milliarden Euro verdient hatte. Selbst einen komplett ausbleibenden Konzerngewinn schließen die Hamburger für dieses Jahr nicht mehr aus.

„Angesichts der sehr volatilen Frachtratenentwicklung und großen geopolitischen Herausforderungen ist die Prognose mit hohen Unsicherheiten behaftet“, erklärte Habben Jansen. Das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld bleibe fragil. „Vor diesem Hintergrund rechnen wir für 2025 mit einem geringeren Ergebnis als 2024“, prognostizierte er.

Im vergangenen Jahr noch hatten die Hamburger bei stabilen Frachtraten ihre Transportmenge um fünf Prozent auf 12,5 Millionen Standardcontainer (TEU) gesteigert. Unterm Strich verdiente die Reederei, die sich hauptsächlich im Besitz des Speditionsmilliardärs Klaus-Michael Kühne, des chilenischen Mischkonzerns CSAV und der Stadt Hamburg befindet, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2,4 Milliarden Euro. 1,4 Milliarden Euro sollen davon als Dividende ausgeschüttet werden.

Container-Seefahrt könnte 2025 über 80 Prozent weniger verdienen

Doch der Ausblick für die gesamte Containerbranche ist verhalten. Noch 2024 verdiente sie nach Berechnungen der dänischen Marktbeobachtungsfirma Sea-Intelligence vor Zinsen und Steuern 60 Milliarden Dollar, mehr als in allen Jahren außerhalb der Coronapandemie. Im laufenden Geschäftsjahr, so schätzt die in New York ansässige Beratungsagentur Blue Alpha Capital, soll es nun höchstens noch für zehn Milliarden Dollar reichen.

Bedeuten würde dies einen Einbruch von über 80 Prozent. Die von der neuen US-Regierung ausgelöste Zollsituation habe „für mehr Unsicherheit als üblich gesorgt“, begründet Blue-Alpha-Analyst John McCown seine Einschätzung. Die neuen Handelshürden ließen voraussichtlich für Verbraucher die Preise steigen, was zu einem „Nachfrageschock“ führen könne.

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Vergangene Woche erst warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Dachorganisation der Zentralbanken, vor den Risiken für die Weltwirtschaft, die von den Handelskriegs- und Deregulierungsplänen Donald Trumps ausgehen. Unternehmen würden voraussichtlich Investitionen zurückstellen, Privathaushalte größere Anschaffungen aufschieben. Solche Zurückhaltungen betreffen die internationale Container-Seefahrt meist unmittelbar.

Frachtraten haben sich seit Jahresbeginn fast halbiert

Zu spüren bekommt sie es bereits jetzt. Auf dem Spotmarkt haben sich die Container-Frachtraten nach einem kräftigen Anstieg zum Jahresende seit Neujahr nahezu halbiert. Zahlten Auftraggeber Anfang Januar für einen durchschnittlichen Containertransport auf See 2500 Dollar, kostet er aktuell nur noch 1319 Dollar, wie dem Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) zu entnehmen ist.

Das US-Militär hat am Mittwoch die jemenitische Hauptstadt Sanaa angegriffen. Die USA hatten die Huthi-Miliz nach Attacken auf Handelsschiffe im Roten Meer bereits am Wochenende ins Visier genommen, dabei kamen bislang 31 Menschen ums Leben.

Und es könnte weiter bergab gehen, auch wenn sich die Wahrscheinlichkeit dafür zuletzt verringert hat. Im Zuge des Waffenstillstands in Gaza hatten die Huthi-Milizen im Jemen angekündigt, ihre Attacken auf Schiffe im Roten Meer einzustellen. Hält das Versprechen, wäre eine Schiffspassage durch die Gewässer am Suezkanal wieder weniger gefährlich.

Bislang wählen die meisten Frachter den mindestens zehntägigen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung, was in der Container-Seefahrt laut Berechnungen der Investitionsbank Jefferies 12,5 Prozent der branchenweiten Kapazitäten bindet. Kämen sie wieder auf den Markt, ginge es mit den Frachtraten weiter deutlich nach unten. Doch seit Israel die Angriffe auf Gaza wieder aufgenommen hat, ist dies erneut fraglich.

12,5
Prozent
der weltweiten Containerflotte sind aktuell durch die Suezkanal-Umfahrung rund um Afrika gebunden.

Schon im Februar bezweifelte der Hapag-Wettbewerber Maersk, ob die Linienseefahrt 2025 einen Gewinn erzielen wird. Das stehe weitgehend außerhalb der Kontrolle der Reedereien. Der Kopenhagener Schiffsbetreiber, der sich seit Februar in der neuen Allianz „Gemini Cooperation“ den Frachtraum mit den Hamburgern teilt, prognostiziert daher für das laufende Jahr ein Ergebnis zwischen null und drei Milliarden Dollar. „Die Entwicklungen im Nahen Osten dürften den Unterschied zwischen roten und schwarzen Zahlen ausmachen“, schreibt dazu der Branchendienst Splash 24/7.

Analysten senken ihre Erwartungen bereits jetzt. Die US-Bank JP Morgan korrigierte das Kursziel für Hapag-Lloyd vor zwei Wochen von 80 auf 75 Euro. Angesichts der aktuellen Notierung, die bei 147 Euro liegt, empfahl Analystin Alexia Dogani, die Papiere der Reederei unterzugewichten. Auch für die Reedereien Maersk und die israelische ZIM kappte sie die Schätzungen.

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Zuvor schon hatte die US-Investmentbank Goldman Sachs das Kursziel für Hapag-Lloyd von 95 auf 90 Euro gesenkt. Die Verkaufsempfehlung begründete deren Analyst Patrick Creuset mit den ersten Eckdaten zum vierten Quartal den aktuellen Frachtraten.

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