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Unternehmensaufsicht Tengelmann-Familie kann sich nicht auf letzten Beiratsposten einigen

Der designierte Beiratschef will mit einem Kompromiss die Auseinandersetzung um das Kontrollgremium schlichten. Doch von seinem Vorschlag sind nicht alle überzeugt.
12.11.2020 - 17:25 Uhr 1 Kommentar
Es ist offen, wie es bei Tengelmann weitergeht. Quelle: mauritius images / Hans Blossey
Kik-Lager

Es ist offen, wie es bei Tengelmann weitergeht.

(Foto: mauritius images / Hans Blossey)

Düsseldorf Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Karl-Erivan Haub zu einer Skitour auf dem Matterhorn-Gletscher aufbrach und nicht mehr zurückkehrte. Die Suche nach dem geschäftsführenden und persönlich haftenden Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann ist eingestellt. Seine Frau hat ihn noch immer nicht für tot erklären lassen.

Ein bitterer Streit spaltet die Erben. Es geht um die Frage, wer die Erbschaftsteuer von geschätzt rund 450 Millionen Euro aufbringen soll und darum, wer künftig in dem Beirat von Tengelmann sitzt. Das Kontrollgremium wacht über den Konzern mit mehr als 90.000 Mitarbeitern, acht Milliarden Euro Umsatz sowie Beteiligungen an Firmen wie Obi, Kik, Tedi, Zalando und Delivery Hero

Vor zwei Wochen trafen sich die drei Familienstämme in einer Gesellschafterversammlung in Mülheim an der Ruhr und einigten sich auf zwei der drei Kandidaten für den Beirat. Danach solle Thomas Ingelfinger, Vorstand beim Nivea-Konzern Beiersdorf, den Vorsitz übernehmen. Astrid Hamker, die Präsidentin des CDU-Wirtschaftsrates und Gesellschafterin des Facility-Dienstleisters Piepenbrock, wurde als zweite Beirätin bestimmt.

Beide waren von den Brüdern des Verschollenen vorgeschlagen worden – von Christian und Georg Haub. Ingelfinger hatte zwei Wochen Zeit, einen dritten Beirat unter den Personen auszuwählen, die Karl-Erivans Frau Katrin vorschlug. 

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    Katrin Haub nannte die Aufsichtsrätin der Deutschen Börse, Barbara Lambert, und den Finanzberater Carl-Thomas Epping. Bis dahin herrscht Einigkeit in den Darstellungen der Familienstämme. Auseinander gehen sie hingegen in der Frage, ob die Familie des Verschollenen noch einen dritten Beirat hätte benennen müssen. Schlussendlich hat die Familie des Verschollenen noch einen dritten Kandidaten präsentiert, ihren Anwalt Ralph Drouven. 

    Auch Vorschlag zur Einigung ist umstritten

    „Wir haben es sehr bedauert, dass der im Gesellschafterkreis ursprünglich vereinbarte Auswahlprozess torpediert wurde, indem der Kölner Familienstamm zunächst bestritt, dass überhaupt ein dritter Kandidat präsentiert werden musste, um dann einen Tag später statt eines erfahrenen Unternehmers den eigenen Prozessanwalt zu nominieren. Das war ein Affront und sollte es wohl auch sein,“ so Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub.

    Karl-Erivans Familie konterte. „Herr Rechtsanwalt Dr. Drouven erfüllt als langjähriger Wirtschaftsanwalt alle Anforderungen an eine Mitgliedschaft im Beirat der Tengelmann-Gruppe. Seine Tätigkeit als anwaltlicher Berater steht der Benennung nicht entgegen.“ Zum Thema hieß es: „Auch der frühere anwaltliche Berater von Herrn Georg Haub war über acht Jahre lang Mitglied im Beirat der Tengelmann-Gruppe.“

    Zwischen den Fronten der Familienstämme sieht sich Beiratschef Ingelfinger in einer kniffeligen Lage. Er diene dem Unternehmen wohl am meisten schrieb er an die Gesellschafter, wenn er sich außerstande erkläre, „eine Entscheidung zu treffen, die – gleich wie sie ausfiele – immer so ausgelegt werden könnte, als hätte ich mich in dem seit Jahren schwelenden Gesellschafterstreit von einer von beiden Seiten vereinnahmen lassen, also Partei ergriffen. Das wäre mit meiner Rolle als unabhängiger Beiratsvorsitzender unvereinbar.“

    Noch am vergangenen Donnerstag hat Herr Ingelfinger gegenüber der Familie Karl-Erivan Haub das genaue Gegenteil erklärt. Statement Familie Karl-Erivan Haub

    Stattdessen, schrieb Ingelfinger, habe er einen anderen Vorschlag. Wenn die Familie sich nicht auf einen dritten Kandidaten für den Beirat einigen könne, würde eben Ingelfinger einen aussuchen. Sollten sich die Gesellschafter „darauf verständigen können, dass er in einer vertretbaren Zeit, selbst einen Kandidaten oder eine Kandidatin finden, nominieren und bestellen könnte, würde er sich dieser Aufgabe nicht entziehen.“

    Mark Binz, der Anwalt von Christian Haub, teilte dem Handelsblatt mit, dass Christian und Georg Haub dem Vorschlag von Herrn Ingelfinger zustimmen würden. Die Brüder würden Ingelfingers „Entscheidung bedingungslos akzeptieren.“ 

    Die Gegenseite sieht es anders. Warum sollte der Familienstamm um Katrin Haub bei der Suche nach dem letzten Beiratsmitglied einem Verfahren zustimmen, bei dem sie kaum Einfluss hat? „Überrascht und irritiert“ über Ingelfingers Äußerungen sei die Familie, heißt es in einem Statement.

    „Noch am vergangenen Donnerstag hat Herr Ingelfinger gegenüber der Familie Karl-Erivan Haub das genaue Gegenteil erklärt: Beide von der Familie benannten Kandidaten seien hervorragend für eine Mitgliedschaft im Beirat geeignet, wobei er sich voraussichtlich für Herrn Epping als drittes Beiratsmitglied entscheiden werde. Diese Aussage hat Herr Ingelfinger – nachdem die Familie Karl-Erivan Haub Herrn Rechtsanwalt Dr. Drouven als dritten Kandidaten benannt hatte – sodann am vergangenen Sonntag in einer Videokonferenz im größeren Kreis nochmals wiederholt.“

    Es ist offen, wie es weitergeht. Anwalt Binz sagte dem Handelsblatt, dass es am besten noch in diesem Jahr zu einer Einigung kommen solle. "Ich befürchte nämlich, dass der sonst nach der Satzung zuständige DIHK-Präsident sich sehr viel Zeit nehmen wird, um in einem professionellen Verfahren und unter Anhörung aller Gesellschafter, insbesondere des Beiratsvorsitzenden eine möglichst gerichtsfeste Entscheidung treffen zu können." Das könne dauern.

    Mehr: Erbenstreit bei Tengelmann: Christian Haub legt Milliarden-Angebot vor

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    1 Kommentar zu "Unternehmensaufsicht: Tengelmann-Familie kann sich nicht auf letzten Beiratsposten einigen"

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    • Außer den Tengelmann-Mitarbeitern dürften sich wohl die wenigsten Leser dieses Blattes für die Probleme der armen Milliardäre interessieren.

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