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US-Einzelhandel Angriff auf Amazon: Riesen-Supermärkte feiern Comeback in den USA

Die US-Ketten haben in der Coronakrise geschickt ihre Läden mit E-Commerce kombiniert. Walmart will nun sogar in Konkurrenz zu Amazon Prime treten.
02.09.2020 - 12:52 Uhr Kommentieren
US-Einzelhandel: Walmart & Co. machen Amazon Konkurrenz Quelle: Reuters
Walmart-Filiale in Bradford, Pennsylvania

Der US-Händler hat sich für sein neues Mitgliederprogramm Amazon Prime zum Vorbild genommen.

(Foto: Reuters)

New York Totgesagte leben länger – das gilt auch für den Einzelhandel in den USA. Eigentlich schienen „Big Box“-Ketten wie Walmart oder Target mit ihren großen Kästen auf der grünen Wiese dem Untergang geweiht. Die Zukunft gehörte Amazon, waren sich die Experten einig.

Doch dann kam die Corona-Pandemie – und auf einmal gehen die großen Hypermärkte, die alles von der Angelausrüstung über T-Shirts bis zur Butter verkaufen, als Gewinner aus der Krise hervor.

Während Kaufhausketten wie Macy’s und JC Penney schwer unter den Folgen der Pandemie leiden, boomt das Geschäft bei jenen Händlern, bei denen die Kunden neben dem Wocheneinkauf auch das Fahrrad oder die Socken bekommen. Walmart, Target und auch der Anbieter Costco, bei dem Kunden jährliche Mitgliedsbeiträge zahlen, greifen auf einmal den scheinbar übermächtigen Online-Riesen Amazon an.

„Verbraucher versuchen, ihre Besuche im Laden zu reduzieren, und kaufen nicht mehr das Gemüse in einem Laden und die haltbaren Produkte in einem anderen“, sagt Hunter Williams, Einzelhandelsexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Deshalb sind die Big-Box-Anbieter, bei denen man alles findet, was die Familie braucht, im Vorteil.“ Das gelte offline wie online.

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    Wer schon in den vergangenen Jahren in seinen Onlinehandel investiert hat, hat von der Krise am meisten profitiert: „Je stärker die Anbieter im E-Commerce vor der Krise waren, umso mehr Marktanteil konnten sie sich in den vergangenen Monaten sichern“, sagt der Berater Williams.

    Walmart hängt Ebay im Onlinegeschäft ab

    Tatsächlich haben die großen US-Ketten mittlerweile einen funktionierenden E-Commerce aufgebaut. Allerdings hatten das viele Kunden lange nicht bemerkt. „Target und Walmart jagen Amazon seit einigen Jahren hinterher. Aus Angst, von Amazon verdrängt zu werden, haben sie Milliarden in ihren E-Commerce investiert“, beobachtet Mark Cohen, Marketingprofessor an der Columbia Universität.

    Als sie jedoch im Frühjahr auf einmal aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion zu Hause blieben, nutzten auch ältere und weniger internetaffine Amerikaner Online-Angebote wie das von Walmart.

    Die Lieferengpässe bei den Online-Bestellungen konnten die Unternehmen durch den sogenannten Curbside Pickup lösen – ein Mix aus Bestellen im Netz und Abholen am Bürgersteig vor dem Laden. Quelle: AFP
    Target-Filiale in Miami

    Die Lieferengpässe bei den Online-Bestellungen konnten die Unternehmen durch den sogenannten Curbside Pickup lösen – ein Mix aus Bestellen im Netz und Abholen am Bürgersteig vor dem Laden.

    (Foto: AFP)

    Die Lieferengpässe bei den Onlinebestellungen konnten die Unternehmen durch den Curbside Pickup lösen – einen Mix aus Bestellen im Netz und Abholen am Bürgersteig vor dem Laden. „Das war extrem hilfreich, gerade zu Beginn der Pandemie, als die Slots für die Lieferungen teils auf Wochen ausgebucht waren“, sagt Experte Williams.

    Mit diesem integrierten Konzept greifen die traditionellen Anbieter auch Amazon an, das nur auf seine hochpreisige Biosupermarktkette Whole Foods und wenige Geschäfte unter der eigenen Marke zurückgreifen kann. „Der Wettbewerb ist stärker geworden“, beobachtet auch Williams.

    Die Bilanz für die großen traditionellen Anbieter ist bisher positiv: Target hat nach eigenen Angaben seit Corona zehn Millionen neue Onlinekunden gewonnen und den Umsatz im Digitalbereich fast verdreifacht.

    Walmart hatte bereits im vergangenen Jahr in den USA im E-Commerce Ebay hinter sich gelassen und steht laut dem Marktforschungsunternehmen EMarketer jetzt auf Platz zwei hinter Amazon. 2019 lag der Onlineumsatz bereits bei 19 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal hat Walmart seine E-Commerce-Erlöse gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

    Da passt dann auch ins Bild, dass Walmart gemeinsam mit Microsoft für das US-Geschäft des bei Jugendlichen extrem beliebten Videodienstes Tiktok bietet. Dieses steht zum Verkauf, da die chinesische Herkunft des Mutterkonzerns Bytedance US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge ist.

    Zudem hat Walmart in dieser Woche sein neues Mitgliederprogramm Walmart Plus präsentiert – ein direkter Angriff auf das Prime-Angebot von Amazon. Für 98 Dollar im Jahr können Walmart-Kunden in Zukunft schneller und gratis ihre Einkäufe tätigen. Außerdem bekommen sie Benzin günstiger.

    Direkter Wettbewerber zu Amazon Prime

    „Das Plus-Programm wird Walmart dabei helfen, die neuen Kunden zu binden, die sie aufgrund von Covid gewonnen haben, und außerdem ihre Beziehung zu den langjährigen Kunden vertiefen“, lobt Analyst Charlie O’Shea von der Ratingagentur Moody’s. Er weist aber auch darauf hin, dass Amazon mit Musik- und Videostreaming deutlich mehr zu bieten hat. „Es sollte nicht als direkter Wettbewerber zu Amazon Prime gesehen werden.“

    Auch Einzelhandelsexperte Mark Cohen zeigt sich eher skeptisch: „Ob sie mit ihrem Mitgliedsmodell nach dem Vorbild von Costco oder Amazon Prime wirklich erfolgreich sein können, bleibt abzuwarten“, sagt der Professor, der lange im Einzelhandel als Manager tätig war.

    Cohen erinnert daran, dass Walmart vor einigen Jahren schon einmal ein Abo-Modell versucht hatte, was scheiterte. Trotz aller Erfolge in der Krise glaubt Cohen jedoch nicht, dass die Big-Box-Anbieter Amazon ernsthaft gefährlich werden können. „Amazon läuft auf einer anderen Rennbahn“, ist er überzeugt.

    Mittelfristig wird nach Ansicht des Beraters Williams vor allem der Preis der Produkte entscheiden. Das könnte Walmart helfen, aber auch Discountern wie Aldi und Lidl, die in den USA aktiv sind.

    Mehr: Walmarts Angebot für Tiktok zeigt: Der Einzelhändler ist technologischer als sein Ruf

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