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Warenhauskette Gläubigerausschuss stimmt Sanierungsplan für Galeria Karstadt Kaufhof zu

Die Warenhauskette kann nun weiter unter dem Schutzschirmverfahren wirtschaften. Noch bleibt unklar, wie viele Arbeitsplätze verloren gehen sollen.
01.09.2020 Update: 01.09.2020 - 18:44 Uhr Kommentieren
Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) bekommt noch eine Chance. Quelle: dpa
Karstadt in Kiel

Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) bekommt noch eine Chance.

(Foto: dpa)

Essen Die Entscheidung über die Zukunft der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist gefallen. Nach mehr als sieben Stunden haben sich die Gläubiger am Dienstag mehrheitlich für den Insolvenzplan ausgesprochen. Die Annahmequote des Insolvenzplans lag in allen sieben Gruppen bei mehr als 90 Prozent, sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Gläubiger über ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro der reklamierten Gesamtforderungen in Höhe von drei Milliarden Euro waren vertreten.

„Damit ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg aus der durch die Coronakrise und die behördlich angeordneten Schließungen verursachten Insolvenz erreicht worden“, schrieb Vorstandschef Miguel Müllenbach in einem Mitarbeiterbrief, der dem Handelsblatt vorliegt. Bislang sind keine größeren Modifikationen am Plan beabsichtigt.

Im Falle einer Ablehnung durch die Gläubiger hätten die Stellen aller der mehr als 28.000 Mitarbeiter der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH auf dem Spiel gestanden. Bei den Warenhausketten Galeria Kaufhof und Karstadt direkt sind es rund 16.500. Nun müssen noch mindestens 4000 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz bangen, sagte Sachwalter Frank Kebekus. Nach derzeitigem Stand müssten 47 von 171 Filialen geschlossen werden.

Zum Monatsende könnte die Warenhauskette, sofern niemand Einspruch erhebt, die vor einem halben Jahr angemeldete Insolvenz im Schutzschirmverfahren verlassen. Dafür haben die Gläubiger nun die Weichen gestellt

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    Von den sieben Gläubigergruppen mussten vier zustimmen, letztlich taten es alle. Die gute Nachricht also: Es geht weiter. Nun müssen Vorstandschef Müllenbach und Finanzvorstand Guido Mager aus dem Warenhauskonzern einen Omnichannel-Anbieter formen. Derzeit liegt der Onlineanteil bei schmalen 4,3 Prozent des Umsatzes.

    Die Gläubiger sollen laut Plan des Generalbevollmächtigten Geiwitz und des Sachwalters Kebekus auf 2,2 Milliarden Euro verzichten. Die unbesicherten Gläubiger erhalten rund 100 Millionen Euro vom Eigentümer René Benko zurück, was einer Quote von gerade einmal fünf Prozent entspricht. Müllenbach schreibt dazu in dem Brief: „Ohne die finanzielle Unterstützung durch unseren Eigentümer Signa wäre diese Rettung nicht möglich gewesen.“

    Kebekus war es aber wichtig, dass den besicherten Gläubigern weitere 300 bis 400 Millionen bezahlt werden. Insgesamt seien Forderungen in Höhe von rund drei Milliarden Euro eingegangen, die aber auch mehrjährige Mietverträge beinhalteten. Dies sei also eher eine hypothetische Obergrenze. Anerkannt seien bislang 140 Millionen Euro, es könne aber deutlich mehr werden, sagte der Sachwalter.

    Derweil war der Eingang West der Essener Messehallen vom Amtsgericht Essen zur Außenstelle ernannt worden. Theoretisch hätten 1000 Gläubiger kommen können, vor Ort waren es vielleicht etwas mehr als 100, die von den Beamten durchsucht wurden, um in den Saal zu gelangen.

    Die Gewerkschafter von Verdi hatten Plakate geschrieben: „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, stand darauf. Im Eingangssaal nahm eine Frau Namen, Adressen und Telefonnummern der Teilnehmer auf, falls es zu Corona-Infektionen kommen sollte.

    Wie die nächsten Schritte aussehen

    Das Sanierungskonzept „Galeria 2.0“ sieht vor, dass bis 2022/23 ein operativer Gewinn von 188 Millionen Euro (Ebitda) erwirtschaftet werden soll. Das entspräche einer Ebitda-Marge von fünf Prozent. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie sind Prognosen nicht viel wert, auch wenn sich das Management im Insolvenzplan durchaus zuversichtlich zeigt: „Durch die verbesserte wirtschaftliche Situation werden zukünftig Investitionen aus eigener Kraft ermöglicht, sodass über fünf Jahre circa 650 Millionen Euro in die Neuausrichtung investiert werden können.“

    Die Verhandlungen um den Fortbestand der Häuser haben die Mitarbeiter stark belastet. Es sei „furchtbar“, wie einer von ihnen sagt. „Erst heißt es, das Haus wird geschlossen und die Transferverträge sind schon verschickt, dann ist auf einmal das Haus wieder gerettet“, erzählt der Mitarbeiter, der seit mehr als drei Jahrzehnten bei Karstadt tätig ist: „Doch es fragt sich, wie lange?“ Die Kunden indessen stürmten die Läden, sie wollten Schnäppchen diesmal doch analog statt digital jagen, erzählt ein anderer Mitarbeiter.

    Müllenbach schreibt in seinem Brief, dass es inzwischen gelungen sei, insgesamt 16 Filialen zu erhalten, die zur Schließung vorgesehen waren. Darüber hinaus könne er nun mitteilen, dass zwei Karstadt-Sports-Häuser, in Karlsruhe und Bremen, erhalten blieben.

    Am 14. Mai hatte der Gläubigerausschuss zuletzt getagt und sich darauf geeinigt, dass ein Unternehmensverkauf unrealistisch sei. Im Grunde war die Entscheidung auch an diesem 1. September alternativlos. Hätten die Gläubiger den Insolvenzplan abgelehnt, wären noch mehr Geld und noch mehr Existenzen vernichtet worden.

    Laut Insolvenzplan hätten bei einer Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof die Masseverbindlichkeiten die freie Masse um 241,6 Millionen überschritten. Die Gläubiger hätten daher nichts von ihrem Geld gesehen. Im Insolvenzplan steht wörtlich: „Aus dem Verhältnis der verteilungsfreien freien Masse und den quotenberechtigten Forderungen ergäbe sich im Schließungsszenario eine geschätzte Insolvenzquote von null Prozent.“

    Das hat auch damit zu tun, dass Eigentümer Benko sorgfältig darauf geachtet hat, dass alle von Karstadt und Kaufhof genutzten Immobilien, die seiner Signa-Holding gehören, in separaten Gesellschaften gehalten werden. Darunter befinden sich auch die Häuser, die er 2018 dem damaligen Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company mitabgekauft hatte. 17 Warenhäuser hat er jüngst bereits für geschätzte 700 Millionen Euro an den Finanzinvestor Apollo weitergereicht.

    Mehr: „Corona hat den Brand bei Karstadt Kaufhof nur beschleunigt“

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