René Benko: Nächste Anklage gegen Signa-Gründer
Düsseldorf. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Österreich hat eine weitere Anklage gegen den Immobilieninvestor und Signa-Gründer René Benko erhoben. Der Vorwurf lautet auf betrügerische Krida, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. So bezeichnet das österreichische Recht eine Form des Insolvenzbetrugs. Benko soll im Rahmen seiner Privatinsolvenz Vermögenswerte beiseitegeschafft haben, um die Forderungen seiner Gläubiger nicht oder nur geschmälert bedienen zu müssen.
Konkret geht es den Angaben zufolge um 120.000 Euro Bargeld sowie elf Luxusuhren und weitere Wertgegenstände im Gesamtwert von fast 250.000 Euro. Die Vermögenswerte hatten Beamte der Sonderkommission Benko im Januar dieses Jahres in einem Tresor eines Hauses einer Verwandtin gefunden. Eine weitere Person wurde wegen Beitragstäterschaft mitangeklagt. Der Strafrahmen liegt bei einem bis zehn Jahren Haft.
Zudem bestätigte die WKStA erstmals Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit Mitarbeiteraktien. Zwei Manager der Signa-Gruppe sollen es pflichtwidrig unterlassen haben, einen Mitarbeiter rechtzeitig über den Wertverlust von Aktien der inzwischen insolventen Signa Prime zu informieren.
Die Behörde verwies zudem auf bereits laufende Ermittlungen gegen Benko wegen des Verdachts des Betrugs. Dabei soll er einen Investor mit einer falschen Garantie zur Überweisung von fünf Millionen Euro verleitet haben.
Beamte entschlüsseln ein komplexes Konzerngebilde
Die Anklage ist Teil des umfassenden Verfahrenskomplexes rund um die Pleite der Signa-Gruppe des Tiroler Investors. Benko war im Januar in seiner Villa in Innsbruck festgenommen worden und befindet sich seither in Wien in Untersuchungshaft. Er galt einst als einer der bedeutendsten Immobilieninvestoren Europas. Sein weitverzweigter Signa-Konzern verantwortete Ende 2023 die bislang größte Unternehmenspleite in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.
Zu dem Firmengeflecht gehörten zahlreiche Immobilienprojekte sowie der deutsche Warenhauskonzern Galeria. Die WKStA ermittelt mit Unterstützung einer Sonderkommission gegen mehr als ein Dutzend Beschuldigte, unter anderem wegen schweren Betrugs und Untreue. Der Gesamtschaden beläuft sich den Ermittlern zufolge derzeit auf rund 300 Millionen Euro.