Zucker-Kartell: Vivil startet Pilotprozess gegen Südzucker
Der Rechtsstreit zwischen Südzucker und dem Bonbon-Hersteller Vivil geht weiter.
Foto: dpaMannheim. Vor dem Landgericht Mannheim hat der erste Schadensersatzprozess gegen einen Zuckerkartellanten begonnen. Der Pfefferminzbonbon-Hersteller Vivil verklagt Südzucker auf Schadensersatz in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro. Die Vivil-Klage ist für die gesamte Lebensmittelindustrie vor allem deshalb spannend, weil erstmals ein vom Zuckerkartell geschädigtes Unternehmen Schadensersatz verlangt. Die beiden Wettbewerber Pfeifer & Langen und Nordzucker sind in dem Vivil-Verfahren als Streithelfer indirekt beteiligt.
Die Verhandlung selbst hatte nur eine knappe Stunde gedauert, aber einige wichtige Fragen kamen bereits zur Sprache. So debattieren die beiden Parteien darüber, wie sich das Kartell auf die Marktpreise ausgewirkt haben könnte. Vivil geht davon aus, dass Südzucker aufgrund der Absprachen rund 15 Prozent zu viel kassiert hat. Südzucker stritt das vor Gericht ab. „Südzucker ist fest davon überzeugt, dass seinen Kunden durch die vom Bundeskartellamt angemahnte Vorgehensweise kein Schaden entstanden ist“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Allerdings hat der Zuckerhersteller in der Bilanz Rückstellungen für Rechtsrisiken in Höhe von 123 Millionen Euro gebildet, ein großer Teil bezieht sich auf Schadensersatzklagen wegen des Zuckerkartells.
Das Gericht signalisierte, dass es die Klage für hinreichend substanziell hält. Prozessbeobachter halten eine Beweisaufnahme für wahrscheinlich. Allerdings ist unklar, ob das Gericht ein eigenes Gutachten in Auftrag geben wird. Offensichtlich gibt es auch zwei Protokolle beim Bundeskartellamt, die eine Wirkung des Kartells auf die Preise belegen. Das Problem: Bislang sind die Akten dort unter Verschluss.
Die Klage von Vivil ist nicht der einzige Fall, mit dem sich bereits Gerichte beschäftigen. Beim Landgericht Mannheim liegen zwei weitere Klagen. Nach Handelsblatt-Informationen will der Fruchtgummihersteller Katjes ebenfalls eine Entschädigung von Südzucker in Millionenhöhe. Katjes wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Klage äußern. In Hannover verklagt außerdem Marmeladenhersteller Göbber die beiden anderen am Kartell beteiligten Unternehmen Nordzucker und Pfeifer & Langen. Auch Göbber kommentierte die Sache nicht. Etliche andere Süßwarenhersteller und Getränkeabfüller prüfen rechtliche Schritte. Der Lebensmitteleinzelhandel ist ebenfalls betroffen, weil er im Einkauf womöglich zu viel bezahlt hat.
In allen Fällen ist vor allem die Frage nach der Höhe des Schadens umstritten. Die Kartellanten machen außerdem geltend, dass Hersteller und Händler zumindest einen Teil der womöglich überhöhten Preise an die Verbraucher weitergegeben haben. Auch außerhalb der Gerichtssäle wird bereits intensiv über Schadensersatzzahlungen verhandelt.
Grundlage der Forderungen ist ein Ermittlungsverfahren des Bundeskartellamts. Die Bonner Behörde hatte festgestellt, dass Südzucker, Pfeifer & Langen und Nordzucker über viele Jahre ein Kartell gebildet und die Preise künstlich hochgetrieben haben. Für die Absprachen hatte das Amt den Unternehmen bereits eine Kartellbuße von 280 Millionen Euro aufgebrummt. Südzucker zahlte mit 195 Millionen Euro den höchsten Betrag. Vor allem Nordzucker hatte sich gegenüber dem Kartellamt offenbart und kam als Kronzeuge mit einer sehr geringen Buße davon.
Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.
Quelle: TradeDimensions
Foto: ImagoDie Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.
Foto: dapdDer erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.
Foto: dpa2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.
Foto: apDer Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.
Foto: HandelsblattZum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.
Foto: dpaBeim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.
Foto: dpaBei Lebensmitteln hat Lidl dem Konkurrenten Aldi mittlerweile den Rang abgelaufen. Neben Lidl gehören auch die Kaufland-Märkte zur Schwarz-Gruppe, die sich über Bronze freuen darf. Umsatz im Jahr 2015: 34,54 Milliarden Euro.
Foto: apAuf Rang zwei des Rankings behauptete sich der Kölner Supermarktbetreiber Rewe samt Discounttochter Penny. 39,61 Milliarden Euro Umsatz bedeuten ein Plus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Foto: dapdSpitzenreiter im Ranking ist und bleibt Edeka. Laut der Studie zum Lebensmittelhandel bediente Edeka im vergangenen Jahr gemeinsam mit der konzerneigenen Discountkette Netto mehr als ein Fünftel aller Ausgaben – 53,28 Milliarden Euro.
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Nach Angaben des Bundeskartellamts wollen inzwischen über 100 Unternehmen wegen möglicher Schäden durch das Zuckerkartell die Ermittlungsakten der Behörde einsehen. Die Kartellwächter haben bisher 15 Anträge genehmigt, doch bereits hier legen sich die Kartellanten quer: Sie haben Anträge auf eine gerichtliche Entscheidung gestellt und wollen damit verhindern, dass ihre Kunden die Akten bekommen. Zum Ärger der Kläger ziehen sich Anträge aber in die Länge und blockieren den Fortgang der Verfahren. „Die Akteneinsichtsverfahren ziehen sich oft über mehrere Jahre hin, auch weil das dafür zuständige Amtsgericht Bonn bei der gestiegenen Zahl der Rechtsmittelverfahren kaum hinterherkommt. Das ist ein unsäglicher Zustand“, sagt Thomas Funke, Kartellrechtler bei Osborne Clarke.