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Agrarchemie China attackiert Bayer und BASF

Unter dem Dach von Syngenta bündelt China die Geschäfte mit Pflanzenschutz, Saatgut und Düngemitteln. Das ist eine Kampfansage an die deutschen Schwergewichte.
18.06.2020 - 10:39 Uhr Kommentieren
Der chinesische Markt für moderne Agrarchemie und Saatgut gilt als wachstumsstark, weil die Landwirtschaft veraltet ist. Quelle: Reuters
Biotech-Zentrum von Syngenta in Peking

Der chinesische Markt für moderne Agrarchemie und Saatgut gilt als wachstumsstark, weil die Landwirtschaft veraltet ist.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die großen chinesischen Chemiekonzerne Chemchina und Sinochem beginnen den Angriff im globalen Agrarchemiegeschäft: Am Donnerstagmorgen verkündeten sie den Start der neuen Syngenta Group, in der sie ihre Geschäfte mit Pflanzenschutzmitteln, Saatgut und Dünger und Agrartechnologie bündeln.

Syngenta war schon bisher einer der größten Hersteller von Pestiziden. Das Schweizer Unternehmen wurde 2016 von dem staatlich kontrollierten chinesischen Chemiekonzern Chemchina für 43 Milliarden Dollar übernommen. Nun wird Syngenta zu einer Holding umgebaut, in der die bisherigen Agrargeschäfte von Chemchina sowie die des ebenfalls staatlichen Konkurrenten Sinochem zusammengeführt werden.

Der neue Konzern mit Sitz in Basel sieht sich als „weltweit führend in der Agrarinnovation“ und kommt nach eigenen Angaben auf einen Umsatz von 23 Milliarden Dollar. Damit würde Syngenta zur Bayer AG aufschließen, die sich seit der Übernahme von Monsanto als Weltmarktführer sieht. Die Leverkusener kamen 2019 im Agrarbereich auf einen Umsatz von umgerechnet 22 Milliarden Dollar.

Die reinen Umsatzzahlen sind allerdings nicht direkt vergleichbar. Denn in die neue Syngenta Group werden auch die Düngemittel der chinesischen Konzerne eingebracht – ein Geschäft, das nicht zur klassischen Agrarchemie gehört. Das von Sinochem kommen Düngegeschäft hat ein Volumen von vier Milliarden Dollar

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    Bezogen auf das reine Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut dürfte Bayer weiterhin Platz eins in der Welt behalten. Dazu kommt, dass das Pflanzenschutz-Portfolio von Syngenta nun vor allem mit patentfreien generischen Produkten aufgefüllt wird. Chemchina bringt in die Holding die israelische Tochter Adama ein, die mit einem Umsatz von rund vier Milliarden Dollar einer der größten Generikaproduzenten im Pestizidgeschäft ist.

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    Die Agrarsparten von Bayer und ebenso BASF sind nicht auf das Generikageschäft ausgerichtet, sondern verstehen sich als forschungsgetriebene Anbieter. Beide haben sich in der zurückliegenden Konsolidierungswelle neu aufgestellt: Sie setzen auf die Integration von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut für die Entwicklung neuer Angebote sowie auf die Digitaltechnik in der Landwirtschaft. BASF kam 2019 auf umgerechnet 8,7 Milliarden Euro Umsatz im Agrargeschäft.

    Starker Heimatmarkt

    Dennoch muss der jüngste Schritt der Chinesen als Angriff auf die beiden deutschen Schwergewichte verstanden werden. Denn die Ambitionen der Chinesen sind groß: „Wir werden das breiteste Angebot an nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Produkten am Markt schaffen“, sagte Eric Fyrwald, der die Syngenta Group als CEO leiten wird.

    Die Einheiten der Holding sollen eng zusammenarbeiten und so einen Mehrwert schaffen. Fyrwald sieht die neue Syngenta als „innovationsgetriebenes Unternehmen“ , das in der ganzen Welt beheimatet sei. Zudem verspricht er, großen Wert auf ethisch korrektes und nachhaltiges Wirtschaften zu legen. Damit greift er möglichen Vorwürfen vor, die Chinesen arbeiteten in der Agrarökonomie nach anderen Standards als die westliche Welt.

    Fyrwald kann dabei auf einen starken Heimatmarkt bauen. Der chinesische Markt für moderne Agrarchemie und Saatgut gilt als wachstumsstark, weil die Landwirtschaft veraltet ist. Chinas Regierung hat dem Sektor eine dringende Modernisierung verordnet - mit dem Ziel, das Land weniger abhängig von den Agrar-Lieferungen aus den USA und Südamerika zu machen.

    Mit der Bündelung der Geschäfte wollen die Chinesen für diese Entwicklung einen schlagkräftigen eigenen Anbieter schaffen. „Der asiatische Agrarmarkt wird sich mittelfristig im globalen Vergleich am stärksten entwickeln. Das ist auch für Bayer und BASF hochattraktiv“, sagt Markus Mayer, Analyst bei der Baader Bank. „Ich gehe aber davon aus, dass Syngenta dort die Nummer-1-Position halten wird.“

    Mittelfristig soll die neue Syngenta Group wieder an die Börse gebracht werden, wie der Eigentümer Chemchina schon zuvor gesagt hatte. Das könnte bis zum Jahr 2022 passieren. Ein zunächst von Syngenta angedachtes Dual-Listing in China und den USA dürfte aber angesichts der Handelskonflikte zwischen den Ländern kaum noch angestrebt werden. Wahrscheinlicher ist, dass Syngenta in Hongkong und in der Schweiz notiert sein wird.

    Zunächst dürfte CEO Fyrwald aber mit der Zusammenführung der verschiedenen Einheiten beschäftigt sein. Sie bleiben zwar innerhalb der Holding eigenständig, sollen aber zusammenarbeiten. Das dürfte herausfordernd werden, denn es kommen nicht nur verschiedene Geschäfte, sondern mit Schweizern, Amerikanern, Israelis und Chinesen auch sehr unterschiedliche Kulturen zusammen.

    In China wird die Schaffung von Syngenta auch als weiterer Schritt für eine mögliche Gesamtfusion zwischen Chemchina und Sinochem zu einem neuen Chemie-Weltmarktführer gesehen. Ein solcher Mega-Zusammenschluss ist seit vielen Jahren im Gespräch, gilt aber als komplexes Unterfangen.

    Mehr: China und die USA drohen Europa bei der Krebsforschung abzuhängen

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