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Auswirkungen der Pandemie Zweite Corona-Welle bedroht Erholung in Chemiebranche

Erneute Lockdowns dürften vor allem den Chemiebereich treffen. Die Pharmaforschung vermeldet einen Rekord.
11.11.2020 - 13:26 Uhr Kommentieren
„Unternehmen drohen Deutschland zu verlassen, weil sie hier im internationalen Vergleich vielen bürokratischen Hürden ausgesetzt sind“, mahnt der Bundesverband der Deutschen Industrie. Quelle: dpa
Industrielle Gesundheitswirtschaft

„Unternehmen drohen Deutschland zu verlassen, weil sie hier im internationalen Vergleich vielen bürokratischen Hürden ausgesetzt sind“, mahnt der Bundesverband der Deutschen Industrie.

(Foto: dpa)

Frankfurt/Berlin Die zweite Corona-Welle und Lockdowns in vielen Ländern belasten die deutsche Chemie- und Pharmabranche. Nach einer Erholung im dritten Quartal haben sich die Geschäftsaussichten wieder eingetrübt, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch mit.

Der Branche stehe ein schwieriges Schlussquartal bevor, sagte VCI-Präsident Christian Kullmann in Frankfurt. „Auch wenn der Auftrieb in der Industrie stark war, droht durch Corona ein neuer Dämpfer. Die Bundesregierung muss verhindern, dass es zu dauerhaften wirtschaftlichen Schäden kommt.“

Angesichts steigender Corona-Infektionen befindet sich nicht nur Deutschland im Teil-Lockdown, auch Länder wie Italien und Frankreich haben das öffentliche und wirtschaftliche Leben heruntergefahren. Das dürfte der Erholung einen deutlichen Dämpfer geben, so der VCI. Quarantänemaßnahmen, gestörte Lieferketten und stornierte Aufträge dürften die Geschäfte erneut belasten. „Der Optimismus des Sommers ist verflogen“.

Bei Chemieprodukten wie Seifen, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln dürfte hingegen die Nachfrage wieder anziehen.

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    Sorge wegen schwacher Industrienachfrage und globaler Handelskonflikte

    Im laufenden Jahr erwartet die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie unverändert einen Umsatzeinbruch um sechs Prozent auf 186,4 Milliarden Euro. Gemessen am Vorjahr dürfte die Produktion um drei Prozent sinken und die Preise um zwei Prozent, glaubt der VCI.

    Im dritten Quartal hatte sich die wichtige deutsche Industriebranche mit 464.000 Beschäftigten vom Corona-Einbruch im ersten Halbjahr erholt. Vor allem die konjunktursensible Chemie profitierte von einer höheren Nachfrage der Industrie gerade in Deutschland, aber auch bei Kunden im europäischen Ausland.

    Die Produktion stieg um 1,9 Prozent zum Vorquartal, der Umsatz wuchs um 2,8 Prozent auf knapp 44 Milliarden Euro - auch dank leicht steigender Erzeugerpreise. Das Vorjahresniveau sei aber noch nicht erreicht, betonte der Verband.

    Die Chemieindustrie leidet schon länger unter einer schwachen Industrienachfrage und globalen Handelskonflikten. Vor allem die Krise der Autohersteller, die Lacke, Kunststoffe und Reifen von der Chemieindustrie beziehen, belastet die Branche schwer. Schwergewichte wie BASF reagieren mit dem Abbau Tausender Stellen.

    Weil die Branche besonders energieintensiv ist und viel Strom verbraucht, soll sie nun bei ihren Anstrengungen für mehr Klimaschutz politisch unterstützt werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) startete dazu am Mittwoch einen „Zukunftsdialog“ mit Spitzenverbänden und der Chemiegewerkschaft IG BCE, wie das Ministerium mitteilte. Ziel sei eine klimaneutrale Produktion der Branche bis zum Jahr 2050.

    Rekordausgaben für Forschung

    Gemeinsam sollten „notwendige Rahmenbedingungen“ erarbeitet werden, damit ein erfolgreicher Übergang der chemisch-pharmazeutischen Industrie zu einer leistungs- und international wettbewerbsfähigen klimaneutralen Produktion gelinge. Dazu solle ein Handlungskonzept entstehen. Ein solches gibt es bereits für die Stahlindustrie.

    Der Pharmabereich steht aktuell wegen der Suche nach einem Corona-Impfstoff im Fokus der Öffentlichkeit. Erst am Montag hatte die Mainzer Pharmafirma Biontech mit ihrem US-Partner Pfizer vielversprechende Ergebnisse einer Impfstoff-Studie veröffentlicht, die für die Zulassung entscheidend ist. Diese steht aber noch aus. Auch das Tübinger Biotechunternehmen Curevac meldete jüngst Fortschritte bei der Forschung nach einem Corona-Impfstoff, wenn auch in einem früheren Stadium.

    Für die Medikamentenforschung haben Deutschlands Pharmaunternehmen 2019 so viel Geld ausgegeben wie noch nie. Die Kosten für die Entwicklung neuer Arzneien seien um sechs Prozent auf den Höchststand von 7,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Branchenverband VFA am Mittwoch mit.

    Die Pharmaforschung in Deutschland habe Erfolge vorzuweisen - bei neuen Krebsmedikamenten, Arzneimitteln zur Schlaganfallprophylaxe oder Corona-Impfstoffen. „Vieles, was hier erfunden wurde, wird auch in Deutschland produziert“, sagte VFA-Präsident Han Steutel in Berlin. Zudem könne Deutschland bei Prozessinnovationen punkten, also der Art, wie Medikamente hergestellt werden: „Die Verknüpfung von Forschung und Produktion ist ein Thema, das in der Corona-Pandemie die ganze Branche überall auf der Welt bewegt“.

    Mehr: Die Aussicht auf einen Impfstoff leitet eine Börsenrally im großen Stil ein. Viele Firmen verzeichnen Gewinne im zweistelligen Prozentbereich.

    • dpa
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