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Autohersteller Daimler-Chef Källenius baut sein Führungsteam um

Der CEO strafft die Organisation des angeschlagenen Autobauers. Källenius versucht damit, Mercedes mit neuen Köpfen aus der Krise zu führen.
20.02.2020 Update: 21.02.2020 - 03:59 Uhr Kommentieren
Daimler: Ola Källenius baut angesichts der Krise die Führung um Quelle: AFP
Ola Källenius

Die zuletzt schwächsten Geschäftsfelder werden künftig stärker von der Konzernspitze gelenkt.

(Foto: AFP)

München Seit Monaten rumort es in der Führungsetage bei Daimler. Doch den offenen Konflikt mit seinen Managern scheute Vorstandschef Ola Källenius. Meetings mit dem Schweden seien trotz der schlecht laufenden Geschäfte stets „von Höflichkeit geprägt gewesen“, berichtet ein Insider. Das sich strukturell wie personell etwas ändern musste, war aber allen klar.

Schließlich lähmte bis zuletzt ein Machtkampf das Finanzressort. Die Van-Sparte nahm trotz Verlusten niemand wirklich an die Kandare. In der Entwicklung optimierten die Chefs der drei Pkw-Baureihen zwar eifrig ihre Fahrzeuge, verloren aber mitunter den Blick für gemeinsame Skaleneffekte und das übergeordnete Ganze. Und die Berichtslinie bei der Strategie war verworren statt klar und direkt.

Källenius änderte daran lange nichts. Er zauderte – so lange, dass selbst ihm Wohlgesinnte dem 50-Jährigen klar signalisierten, er müsse dringend handeln. Einige Investoren forderten sogar öffentlich neue Köpfe im Vorstand und Aufsichtsrat. Nach neun Monaten im Amt greift Källenius jetzt durch – und zwar gründlich.

Konkret wird die kriselnde Autosparte Mercedes mitsamt den strauchelnden Vans künftig noch stärker von der Konzernspitze aus gelenkt. Källenius leitet ab dem 1. April nicht mehr nur die Holdinggesellschaft Daimler AG und das Pkw-Geschäft in Personalunion, sondern verantwortet im Vorstand künftig auch die Transporter-Einheit, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

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    Personalchef Wilfried Porth, der derzeit noch die Van-Sparte betreut, werde nach dem 828 Millionen Euro teuren Aus des gefloppten Pritschenwagens X-Klasse ein Stück weit entmachtet, verlautet in Konzernkreisen. Offiziell heißt es dagegen, der 61-Jährige konzentriere sich auf „eigenen Wunsch“ hin auf seine Rolle als Arbeitsdirektor.

    Für klare Verhältnisse sorgen Källenius und sein Aufsichtsratschef Manfred Bischoff im Finanzressort. CFO Harald Wilhelm übernimmt neben seiner Rolle als Hüter der Zahlen in der Daimler AG auch die Finanzen der Kernsparte Mercedes. Frank Lindenberg, der bisherige CFO der Marke mit dem Stern, wird den Dax-Konzern nach 30 Jahren „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ Ende März verlassen, wie es heißt.

    Intern ist es freilich ein offenes Geheimnis, dass Lindenberg selbst CFO von Daimler werden wollte und sich durch die Berufung des ehemaligen Airbus-Managers Wilhelm übergangen fühlte. „Wir wollten Frank eigentlich halten, er ist ein absoluter Fachmann“, heißt es in Konzernkreisen. Daher habe man ihm nach der Bestellung von Wilhelm vor fast einem Jahr ein „sensationelles Gehalt“ geboten, um bei Daimler zu bleiben.

    Doch schnell zeigte sich: Die beiden Manager können einfach nicht miteinander. „Das war eine Alphamännchen-Geschichte“, konstatiert ein Insider: „Lindenberg stand Wilhelm im Weg.“ Nun werden die Finanzressorts von Daimler und Mercedes unter der Führung von Wilhelm zusammengelegt.

    Es ist ein konsequenter und überfälliger Schlussstrich nach den Reibereien. „Ihr seid ein superstarkes Team, und es war mir eine besondere Ehre, euer Kapitän zu sein“, schrieb Lindenberg versöhnlich zum Abschied in einer internen E-Mail an sein Team.

    Auch im Reich der Ingenieure und Programmierer nimmt Daimler-Chef Källenius zahlreiche Änderungen vor. Entwicklungsvorstand Markus Schäfer wird zum starken Mann an seiner Seite. Der 54-Jährige übernimmt zusätzlich zu seiner bestehenden Funktion die Aufgabe des Chief Operating Officers (COO).

    Schäfer soll künftig auf Konzernebene den technischen Wertschöpfungsprozess der Pkw-Sparte aus einer Hand steuern – von der Entwicklung über den Materialeinkauf bis hin zur Produktion. Dadurch sollen die einzelnen Gewerke ganzheitlich auf Effizienz getrimmt werden.

    In der Entwicklung von Mercedes stehe aber noch eine weitere organisatorische Revolution bevor, heißt es in Konzernkreisen. Aktuell arbeiten die drei Baureihenchefs Wolf-Dieter Kurz (Kompakte und SUV), Uwe Ernstberger (S-, E- und C-Klasse) sowie Jörg Bartels (Elektro-Architekturen) weitgehend unabhängig wie Bereichskönige an ihren Fahrzeugen.

    Perspektivisch sollen die drei Funktionen aber aufgelöst werden und soll stattdessen ein Chefentwickler alle Baureihen verantworten. Wer die Rolle übernimmt, ist bereits klar: Jörg Bartels werde „Head of Vehicle Integration“ und berichtet direkt an Entwicklungschef Schäfer, verlautet in Konzernkreisen.

    Während sich Bartels ums Operative kümmert, soll Wolf-Dieter Kurz künftig die Produktstrategie bündeln. Der Manager ist damit für das gesamte Produktportfolio der Marke mit dem Stern verantwortlich und die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Projekte.

    Kurz soll für mehr Gleichteile und Verblockungen unter den mehr als 45 Fahrzeugen sorgen und so die Kosten drücken. Er wird direkt an Mercedes-Chef Källenius berichten. Die Berichtslinie in Sachen Strategie sei damit endlich wieder klar geregelt, heißt es in Konzernkreisen. In dem Bereich habe es ein „Führungsvakuum“ gegeben.

    „Wir bei Daimler arbeiten mit aller Kraft an unseren großen, strategischen Zielen: dem schrittweisen Umstieg zur CO2-neutralen Mobilität und der vollen Nutzung der Digitalisierung für Produkte und Prozesse“, erklärte Källenius in einem Statement zu den Umbaumaßnahmen. „Die Transformation der Autoindustrie ist eine sehr gute Chance, unser erfolgreiches Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Deswegen stellen wir Abläufe und Führungsstrukturen für die Zukunft auf.“

    Änderungen sind ein „überfälliger Befreiungsschlag“
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