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Autohersteller Opel wird in Rüsselsheim erstmals Auto von PSA bauen

Ab Mitte 2021 fertig Opel in seinem Stammwerk erstmals auch einen Wagen der französischen Mutter. Im Gegenzug werden Getriebewerk und Schmiede geschlossen.
01.06.2020 - 11:16 Uhr Kommentieren
Opel baut ein PSA-Modell in Rüsselsheim und schließt Getriebewerk Quelle: dpa
Opel-Werk in Rüsselsheim

Bislang werden im Werk des deutschen Autobauers noch keine Peugeot-Modelle gefertigt.

(Foto: dpa)

München Es ist ein Appell, der erahnen lässt, wie groß die Not bei Opel gerade sein muss. „Werben Sie bitte in Ihren Familien und in Ihren Freundeskreisen für unsere Modelle“, forderte Firmenchef Michael Lohscheller die Belegschaft des Autobauers jüngst in einem virtuellen Townhall-Meeting auf.

Der Manager wandte sich dabei an jeden Einzelnen. „Bitte helfen auch Sie persönlich mit – und nutzen Sie die attraktiven Mitarbeiterkonditionen. Wir bei Opel fahren Opel! Das ist jetzt wichtiger denn je.“ Der Grund für Lohschellers eindringliche Worte: Allein im April sind die Verkäufe der Marke mit dem Blitz im Kernmarkt Europa um 90 Prozent eingebrochen.

Die Coronakrise setzt der hessischen Traditionsfirma enorm zu. Seit gut zwei Monaten steht die Produktion in den heimischen Fahrzeugfabriken in Rüsselsheim und Eisenach still, der Wiederanlauf soll zwar „zeitnah“ erfolgen, aber eine schnelle Erholung des Geschäfts gilt als unwahrscheinlich. Viele Mitarbeiter müssen womöglich bis September kurzarbeiten.

„Wir werden einen langen Atem brauchen“, warnt Lohscheller. Zugleich will der Zwei-Meter-Mann in dieser schweren Zeit nach Handelsblatt-Informationen auch für ein wenig Zuversicht innerhalb der Truppe sorgen. Während Rivalen wie Renault aktuell Werksschließungen verkünden, sieht der Geheimplan des 51-Jährigen vor, Millionen zu investieren, um in Rüsselsheim bald ein drittes Modell zu fertigen, heißt es aus Konzernkreisen.

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    Konkret soll im Opel-Stammwerk neben der Limousine Insignia und dem Kleinwagen Astra ab Mitte 2021 erstmals auch ein Fahrzeug aus dem Portfolio des französischen Mutterkonzerns PSA (Peugeot, Citroën, DS) vom Band rollen. Der Wagen wird zur Kompaktklasse zählen und auf der EMP2-Plattform von PSA gebaut werden. Schon in den nächsten Tagen könnte der Schritt, der zu mehr Beschäftigung führen soll, offiziell verkündet werden.

    „Wir werden in Kürze detailliert zu Investitionen in das Werk Rüsselsheim und einer neuen Fahrzeugallokation informieren“, bestätigte Opel schriftlich die Informationen. „Damit wird eine Fokussierung auf die Fahrzeugfertigung mit höheren Volumen angestrebt.“

    Für Lohscheller ist die Zusage des PSA-Modells nicht nur ein Prestigeerfolg, sondern hilft zugleich dabei, dass chronisch unterausgelastete Montagewerk in Rüsselsheim mit mehr Arbeit zu versorgen. Zudem werden künftig auch die heimischen Opel-Werke vom Prinzip des sogenannten „Cross-Manufacturing“ profitieren. Denn während in Peugeot-Werken längst auch Opel-Fabrikate produziert werden, ist das umgekehrt bisher nur außerhalb Deutschlands der Fall.

    Fabrikteile werden geschlossen

    Allzu euphorisch dürfte die Nachricht in der Opel-Belegschaft dennoch nicht aufgenommen worden. Schließlich plant Lohscheller im gleichen Atemzug neue Einschnitte im Stammwerk. Der Bau von M1X-Sechsgang-Getrieben und Schmiedeteilen soll bis Ende 2021 auslaufen. Anschließend werden die Bereiche, in denen aktuell noch etwa 200 Mitarbeiter arbeiten, komplett dichtgemacht, heißt es übereinstimmend in Konzernkreisen. Die betroffenen Beschäftigten dürften dann teils für die Fahrzeugproduktion umgeschult werden und teils Abfindungsangebote erhalten.

    Zwar hat Opel den Arbeitnehmern im 2018 abgeschlossenen Zukunftstarifvertrag versichert, Milliarden in den Bestandserhalt und die Sicherung der Beschäftigung zu investieren. Aber einzelne Bereichsschließungen können Gewerkschaft und Betriebsrat letztlich nicht verhindern, sondern maximal hinauszögern.

    Insbesondere das Ende der Getriebefertigung ist bitter für viele gestandene Opelaner. Seit der Autobauer vor mehr als 120 Jahren damit begonnen hat, Fahrzeuge in Rüsselsheim zu montieren, werden hier in einem eigenständigen Werksteil auch Getriebe produziert. Zudem ist die Sorge in der Belegschaft groß, dass mittelfristig weitere Bereiche geschlossen werden könnten. Schließlich klagen etwa Mitarbeiter im Teilebau, dem Presswerk, der Portotypenfertigung oder dem Werkzeugbau seit Monaten über fehlende Investitionen.

    „Man wird den Standort in zwei, drei Jahren nicht wiedererkennen“, fürchtet ein Gewerkschafter. In Rüsselsheim gehe mehr und mehr Wertschöpfungstiefe verloren, investiert werde lediglich in die Fahrzeugmontage. Manch einer sieht den Standort gar allmählich zur „verlängerten Werkbank“ verkommen. Nicht zuletzt, weil Opel infolge der geplanten Fusion von PSA und Fiat-Chrysler auch die Entwicklungskompetenz für leichte Nutzfahrzeuge im Konzern verlieren könnte.

    So weit ist es aber noch nicht. Zumal andere Insider es durchaus für sinnvoll erachten, Komponenten und Fahrzeuge getrennt voneinander in eigens darauf spezialisierten Fabriken zu produzieren. So oder so schrumpft Opel aber unter der französischen Regentschaft kontinuierlich. Seit die Rüsselsheimer im Sommer 2017 von PSA übernommen wurden, sind Absatz und Umsatz der Marke rückläufig. Zudem besiegelte Opel-Frontmann Lohscheller in den vergangenen drei Jahren den Abbau von mehr als der Hälfte der einstmals über 19.000 Mitarbeiter hierzulande.

    Aus Sicht des Managements sind diese Einschnitte freilich unabdingbar. Denn ohne die straffe Sanierung würde Opel gar nicht mehr existieren, argumentiert die Führungsriege. Tatsächlich ist es Lohschellers Team gelungen, den einst chronisch defizitären Autobauer auf Profit zu trimmen. 2019 erzielte Opel einen um Sondereffekte bereinigten Rekordgewinn von 1,1 Milliarden Euro.

    Opel-Flaggschiff wird zum Ladenhüter

    Die Schockwellen der Corona-Pandemie treffen Opel nun allerdings härter als manch Konkurrenten. Während etwa VW dank seiner weltweiten Präsenz das Ausmaß des Absatzeinbruches in den ersten vier Monaten auf 28 Prozent eindämmen konnte, gingen die Verkäufe von Opel im selben Zeitraum um fast die Hälfte zurück. Der Grund: Die Hessen liefern neun von zehn Fahrzeugen in Europa aus, von der Markterholung in China, der weltgrößten Absatzregion, profitieren sie daher gerade kaum.

    Insbesondere das Opel-Flaggschiff Insignia findet immer weniger Anklang. Schon vor Corona litt die Limousine an Kundenschwund. Wurden 2018 noch 71.000 Insignia verkauft, waren es 2019 lediglich 51.000 Einheiten. Anfang des Jahres ging die Talfahrt unaufhaltsam weiter. Im ersten Quartal ist der Absatz des Insignia um satte 57 Prozent eingebrochen.

    Angesichts dieser massiven Rückgänge bezweifeln einige Opel-Insider, dass die avisierte Produktion des PSA-Modells in Rüsselsheim wirklich zusätzliche Jobs schaffen wird. Am Ende könnte der dritte Wagen im Stammwerk vor allem dazu dienen, die immer geringeren Arbeitsumfänge beim Insignia auszugleichen, heißt es in Konzernkreisen.

    Mehr: Machtkampf in Wolfsburg: Das Misstrauen gegen VW-Chef Diess wächst

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