Autoindustrie: Was die Abwrackprämie in der Finanzkrise wirklich gebracht hat
In der Finanzkrise kam die Abwrackprämie zum Einsatz.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Autoindustrie hat vor gut zehn Jahren schon einmal ihre Erfahrungen mit einer Kaufprämie gesammelt. Damals hatte die Finanzkrise die Autokonzerne in eine schwierige Lage gebracht. 2500 Euro gab es als Prämie vom Staat, wenn jemand sein altes Auto gegen einen Neuwagen tauschte. Die Autohersteller verdoppelten den Betrag.
Die Industrie freute sich: 2009 stieg die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 700.000 Autos oder 23 Prozent. 3,8 Millionen neue Pkws wurden in einem Jahr verkauft – so viel wie noch nie. Anfangs hatte die Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro für das Programm bereitgestellt. Wegen der großen Nachfrage wurden daraus fünf Milliarden Euro.
Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch Gladbach, wertet die deutsche Verschrottungsprämie von 2009 als Erfolg. „Die Nachfrage wurde sehr stark angeregt und das hat der Autobranche unmittelbar geholfen“, sagt der Hochschullehrer.
Ein Fördermodell sollte möglichst einfach ausgestaltet sein, so wie nach der Finanzkrise. Einzige Voraussetzung damals: Das Altfahrzeug musste mindestens neun Jahre alt sein.
In den Folgejahren haben die Verkaufszahlen zwar nachgegeben. Kunden hatten ihre Käufe vorgezogen, um sich die Prämie zu sichern. Deshalb ging es 2010 auf 2,9 Millionen verkaufte Pkws herunter.
Für Hochschullehrer Bratzel ist das kein Konstruktionsfehler. Auch bei einer neuen Kaufprämie würde es wie 2009 wahrscheinlich zu einer vorgezogenen Nachfrage kommen. „Wir brauchen die Belebung jetzt. Die Kette mit Herstellern, Zulieferern und Händlern muss wieder in Gang kommen“, betont der Professor. Wenn die Nachfrage später wieder falle, sei die Branche stark genug, um eine Delle auszuhalten.
Mit der Verschrottungsprämie war Deutschland vor zehn Jahren Vorreiter für die meisten europäischen Länder. Wenig später folgten auch Frankreich, Italien und Großbritannien mit ähnlichen Förderprogrammen. Davon profitierten am Ende die starken deutschen Hersteller, die überall in Europa vertreten sind.