BMW-Dynastie: „In der Herbert-Quandt-Familie gibt es gewisse Spannungen“
Düsseldorf. Ein Vierteljahrhundert also nun diese eine Familie. Da staunt Rüdiger Jungbluth manchmal selbst. Dass er, der Kölner Wirtschaftsjournalist, sich so lange mit diesem einen Thema befasst hat. Aber es ist ja auch ein großes, eins, das immer weiter geht: die Familien Quandt und Klatten, eine der größten Unternehmerdynastien des Landes.
Und eine der verschwiegensten. Interviews ihrer Familienoberhäupter sind immer noch selten. Ansonsten pflegt die Familie, die vor allem über die beiden BMW-Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt breiter bekannt ist, weitgehend skandalfrei ihr weites Unternehmensreich.
Gleichzeitig liegen noch immer viele Dinge im Verborgenen: Außer der Familienoberhäupter tritt fast niemand öffentlich auf, auch über die eigene Geschichte – die in der Vergangenheit voller Verstrickungen in das Nazi-Regime von 1933 bis 1945 war – spricht man ungern. Eine Gelegenheit also, bei Biograph Jungbluth nachzufragen, was Deutschlands mächtigsten Clan umtreibt – und wie die Familienverhältnisse heute geordnet sind.
Lesen Sie hier das Interview mit Rüdiger Jungbluth über die Familie Quandt:
Herr Jungbluth, Ihre Biographie der Familie Quandt erscheint jetzt in dritter Auflage. Was treibt einen dazu, sich so lange mit einer Familie zu beschäftigen?
Da kommt einiges zusammen. Zum einen sind die Quandts durch ihre sparsamen öffentlichen Auftritte schon immer irgendwie geheimnisvoll gewesen. Dann gehört ihnen mit BMW eine Marke, die viele Leute interessiert. Und dann die Geschichte: Kaiserreich, Nazi-Verstrickungen, Wirtschaftswunder. Die Quandts sind als Dynastie auf absolut einzigartige Weise verwoben mit der deutschen Geschichte. Faszinierend ist auch, in wie vielen Branchen sie tätig waren und sind: Tuchfabriken, Kali, Batterien, Waffen, Autos, Chemie, Pharma, Logistik, Solar, Verschlüsselung, Finanzdienstleister … Das ist wirklich außergewöhnlich. Und doch weiß man wenig über die Familie.