BYD: Deshalb geht der chinesische Konzern in die Tablet-Produktion
Fang Cheng Bao ist BYDs Premiumableger in China, in Europa kommen die ersten Modelle der Submarke noch in diesem Jahr unter dem Namen Denza auf den Markt.
Die Tai-Baureihe richtet sich vornehmlich an Kunden in Großstädten, der Marktstart in China ist für das vierte Quartal avisiert. Das BYD-eigene Tablet soll sich mit dem Fahrzeugbetriebssystem vernetzen lassen und eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen Auto-Display und mobilem Endgerät ermöglichen.
BYD: Mehr Wertschöpfungstiefe dank Unterhaltungselektronik
Damit setzt BYD auf einen Trend, der in Chinas Automarkt rasant an Bedeutung gewinnt: vernetzte Unterhaltungselektronik. Hersteller wie Xiaomi und Huawei punkten hier mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung und drängen mit ihrer Expertise immer weiter ins Autogeschäft.
Autobauer wie Nio versuchen hingegen, mit eigenen Smartphones die Bindung zu ihren Kunden zu stärken. In eine ähnliche Richtung zielt nun BYD mit seiner Tablet-Fertigung.
Das Unternehmen aus Shenzhen bringt dabei einen besonderen Vorteil mit: BYD ist nicht nur einer der größten Hersteller von Elektrofahrzeugen und Batterien in China, sondern auch ein Schwergewicht in der Auftragsfertigung von Unterhaltungselektronik.
Auftragsfertigung: BYD-Ingenieure mischen im „Obstgeschäft“ mit
In der Apple-Lieferkette spielt der Mischkonzern seit etwa 15 Jahren eine zentrale Rolle, schrieb kürzlich das „Wall Street Journal“. Nach Branchenschätzungen wird inzwischen etwa jedes dritte iPad von einer BYD-Tochter montiert – mehr als 100.000 Mitarbeiter und 10.000 Ingenieure arbeiten im Konzern allein für das sogenannte „Obstgeschäft“, heißt es.
An der iPhone-Produktion soll BYD zwar nicht direkt beteiligt sein, der Konzern liefert aber Komponenten wie den Titanrahmen für die Pro-Modelle. Auch zwei chinesische Werke des US-Elektronikfertigers Jabil Circuit, die fest in Apples Lieferkette eingebunden sind, hat BYD übernommen und damit seine Position ausgebaut.
Mit dem Schritt in die Eigenentwicklung von Tablets erhöhen die Chinesen einmal mehr ihre Wertschöpfungstiefe. Indem BYD immer mehr Komponenten und Technologien selbst entwickelt und produziert, will es Abhängigkeiten reduzieren – sowohl im Autogeschäft als auch im Bereich der Unterhaltungselektronik.
Für BYD ist das kein Nischenprojekt: Der Markt für vernetzte Fahrzeug-Displays und mobile Endgeräte wächst rasant, getrieben vom Trend zu immer stärker digitalisierten Cockpits.
Die Analysten von Bloomberg Intelligence gehen davon aus, dass sich mit „Smart Vehicles“ bis 2030 weltweit jährlich 742 Milliarden US-Dollar Umsatz in der automobilen Wertschöpfungskette generieren lassen – und sich damit Herstellern wie BYD, aber auch Volkswagen, Ford und Mercedes-Benz sowie ihren Zulieferern neue, wiederkehrende Erlösquellen eröffnen.
Erstpublikation: 12.08.2025, 15:10 Uhr.