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Carl Martin Welcker Wie der Maschinenbau-Präsident sein Unternehmen durch die Krise führt

Der VDMA-Präsident vertritt rund 3300 Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland. Als Familienunternehmer weiß er selbst genau, welche Nöte die Branche plagen.
14.07.2020 - 16:51 Uhr Kommentieren
Im Oktober wählt der VDMA einen Nachfolger für den amtierenden Präsidenten. Quelle: VDMA
VDMA-Präsident

Im Oktober wählt der VDMA einen Nachfolger für den amtierenden Präsidenten.

(Foto: VDMA)

Düsseldorf Seine letzte Hannover Messe als Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hätte sich Carl Martin Welcker sicherlich anders vorgestellt. Wegen der Corona-Pandemie kann die weltgrößte Industriemesse in diesem Jahr nur als Digitalveranstaltung stattfinden. Statt einer ganzen Woche, wie sonst üblich, trifft sich die Branche diesmal zwei Tage lang im Internet.

Große Stände mit mannshohen Maschinen und persönliche Gespräche gibt es nicht. Stattdessen tauschen sich die Gäste per Videochat über technologische Trends und politische Rahmenbedingungen aus.

Trotz der widrigen Umstände ließ es sich Welcker nicht nehmen, zum Auftakt der Hannover Messe Digital Days am Dienstag ein paar Worte zur Lage der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer zu sagen. Er sehe im Moment einen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit der geplanten Konjunkturmaßnahmen, konstatierte der 59-Jährige, der aus Köln zur Eröffnungsdiskussion zugeschaltet war.

Die Politik müsse sich entscheiden: „Will sie einen Quick-Start der Unternehmen, die am schwersten unter der Coronakrise gelitten haben – oder will sie die digitale und ökologische Transformation der Wirtschaft vorantreiben?“

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Standort erkennen

    Das erste Ziel sei in drei bis neun Monaten zu erreichen. Die Transformation aber werde frühestens in fünf bis zehn Jahren erste Früchte zeigen. „Wenn wir die Restaurants und Hotels wieder aufmachen wollen, wenn wir die Automobil- und die Versorgungsindustrien wieder hochfahren wollen, dürfen wir sie nicht mit überbordenden Umbaugedanken konfrontieren – sondern wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, möglichst schnell wieder in ihr Geschäft einzusteigen“, sagte Welcker.

    Doch wie sich die Politik am Ende auch entscheidet – als VDMA-Präsident wird Welcker sie voraussichtlich nicht mehr begleiten. Im Oktober wird der durchsetzungsstarke Zwei-Meter-Mann sein Amt turnusgemäß abgeben, in das er 2016 von der Mitgliederversammlung des Verbandes gewählt worden war. Als er sein Amt antrat, schrieb er sich den Kampf gegen Bürokratie und überbordende Regulierung auf die Fahnen. Und Welcker hat geliefert.

    Kanzlerin zur Rede gestellt

    Unermüdlich schimpfte der gebürtige Kölner in den vergangenen Jahren beispielsweise über die europäische Entsenderichtlinie, die seinen Mitgliedsunternehmen bei grenzüberschreitenden Aufträgen innerhalb der EU viel Papierkram beschert.

    Dabei scheute Welcker auch nicht die Konfrontation mit der höchsten politischen Ebene: Bei einer Branchenveranstaltung stellte er im vergangenen Jahr sogar die ebenfalls eingeladene Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Rede – und rang ihr auf der Bühne das Versprechen ab, sich in Brüssel für eine Lockerung der Dokumentationspflichten einzusetzen.

    Einen großen Erfolg konnte der Verband für sich verbuchen, als die Bundesregierung vor wenigen Wochen infolge der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Rezession die mögliche Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld von zwölf auf 24 Monate erhöhte.

    Schon vor Corona hatte der VDMA vor allem in Person von Welcker heftig für die Maßnahme getrommelt – auch weil viele Maschinenbauer schon vor der Pandemie über eine rückläufige Nachfrage klagten. Denn einen großen Teil des Umsatzes erzielt die Branche mit der Autoindustrie. Die fuhr ihre Investitionen in traditionelle Antriebsarten in den vergangenen Monaten aber drastisch zurück, um den kostenintensiven Wandel zur Elektromobilität zu finanzieren.

    Diese Entwicklung bekam Welcker auch im eigenen Unternehmen zu spüren: Im Hauptberuf führt er seit 1993 in vierter Generation den Kölner Werkzeugmaschinenhersteller Schütte, nachdem er in verschiedenen Unternehmen erste Erfahrungen in Führungspositionen als Assistent der Geschäftsführung gesammelt hatte. Zuvor absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser sowie ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Technischen Universität Berlin.

    Als langjähriger Manager eines Familienunternehmens, das mit seiner Kundenstruktur exemplarisch für die Branche ist, weiß er dabei genau um die Sorgen und Nöte der rund 3300 Mitglieder des VDMA. Denn Schütte stellt sogenannte Mehrspindelautomaten her und beliefert vor allem die Automobil- und ihre Zulieferindustrie. Rund 85 Prozent aller Zündkerzen weltweit werden auf Schütte-Maschinen hergestellt, schätzt das Unternehmen selbst.

    Als die Coronakrise voll in Deutschland einschlug, musste Welcker – wie viele Branchenkollegen auch – seinen Betrieb, der direkt an der Kölner Rheinaue produziert, wochenlang einstellen. Dabei lief schon das vergangene Jahr schlecht für das Unternehmen: Knapp 30 seiner 600 Mitarbeiter musste er 2019 entlassen, nachdem die Aufträge infolge des Strukturwandels in der Autoindustrie spürbar zurückgegangen waren.

    Aussichten bleiben schlecht

    Der Nachfrage-Einbruch dürfte Welcker auch über seine Amtszeit als VDMA-Präsident hinaus beschäftigen. Denn Experten wie Klaus-Peter Gushurst, Leiter des Bereichs Industries & Innovation bei der Beratung Pricewaterhouse-Coopers (PwC) rechnen nicht damit, dass sich die Lage der Maschinenbauer zügig verbessert. So blicken nach einer Umfrage im Rahmen des PwC-Maschinenbau-Barometers vom Juli sieben von zehn Entscheidern aus der Branche pessimistisch auf die globale Konjunktur.

    „Die Auftragslage, insbesondere was Bestellungen aus dem Ausland angeht, war bereits vor der Krise angespannt, die Corona-Pandemie hat die Situation deutlich verschlechtert“, fasst Gushurst zusammen. „Unternehmen hängen derzeit aber vor allem davon ab, welche Zielindustrien sie beliefern.“

    Dabei hätten Hersteller von Spezialmaschinen für die industrielle Fertigung, die Pharma- oder die Lebensmittelindustrie eine bessere Ausgangslage als Zulieferer der Flugzeug- oder Automobilindustrie, die vor einem tiefgreifenden Wandel stünden.

    Insgesamt gelte: „Für den Maschinenbau wird es stark darauf ankommen, welchen Mehrwert er durch neue, digitale Lösungen oder nachhaltige Technologien in innovativen Ökosystemen rund ums Auto oder als Serviceanbieter in neuen Plattformökonomien liefern kann.“

    Genau diese Aufgabe muss Welcker wie auch zahlreiche andere Maschinenbauer in den nächsten Jahren lösen – und sie müssen dabei die Frage beantworten, welche Position in der Wertschöpfungskette sie besetzen wollen, wenn der Wandel zu einer dekarbonisierten Wirtschaft vollzogen ist.

    Seinen Kollegen gab der Nochpräsident dafür in Hannover zuversichtliche Worte mit auf den Weg: „Wir Maschinenbauer müssen die Technologien entwickeln, die den ökologischen und den digitalen Wandel leisten“, sagte Welcker.

    Aber er gab auch zu bedenken, dass viele Technologien erst noch entwickelt werden müssten. Diese Zeit müsse die Gesellschaft der Industrie geben. „Wenn wir schnell wieder hochfahren wollen, werden wir das Alte wieder aufbauen müssen.“ Es klingt wie eine Aufgabe, die Welcker seinem Nachfolger, der am 9. Oktober gewählt wird, ins Stammbuch schreibt.

    Mehr: Die grüne Transformation der Wirtschaft beschert dem Maschinenbau ein billionenschweres Umsatzpotenzial.

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