Chemikalienhändler: Dax-Konzern Brenntag treibt Pläne zur Aufspaltung voran – Aktie gibt nach
Düsseldorf. Der weltgrößte Chemikalienhändler Brenntag macht den nächsten großen Schritt zur Entflechtung des Konzerns. Die beiden bestehenden Sparten des Dax-Konzerns sollen zu zwei eigenständigen Divisionen mit voller Geschäftsautonomie umgebaut werden, kündigte Brenntag am Dienstag an. Unterstützt werden die Sparten künftig von einer Konzernzentrale, die schlanker aufgestellt werden soll.
Eine komplette Aufspaltung des Unternehmens bedeutet dies zwar noch nicht. Doch mit der stärkeren Entflechtung hält sich die Brenntag-Führung alle Optionen für die Zukunft offen. „Wir bereiten Brenntag bis 2026 auf die nächsten strategischen Schritte vor“, kündigte Konzernchef Christian Kohlpaintner an.
Brenntag hatte schon vor einem Jahr eine stärkere Trennung seiner Geschäfte angekündigt. Die Sparte Essentials handelt mit Massenchemie, die Sparte Specialties mit Spezialchemikalien wie etwa Pharma- und Kosmetikzusätzen. Beide bewegen sich in sehr unterschiedlichen Märkten.
Konflikt mit Hedgefonds
Aktivistische Investoren, die bei Brenntag eingestiegen waren, hatten im Frühjahr gefordert, den Konzern schnell aufzuspalten und zu fokussieren, um den Aktienkurs zu treiben. Brenntag lehnt dies nicht komplett ab, will sich aber bei der Umsetzung einer Entflechtung Zeit lassen.
Der Konflikt gipfelte darin, dass die aktivistischen Investoren im Mai eigene Vertreter in den Aufsichtsrat wählen lassen wollten. Der Plan scheiterte knapp. Seither ist von den Hedgefonds Primestone und Engine in Sachen Brenntag nichts mehr zu hören gewesen. Laut Finanzkreisen hat zumindest Engine das Engagement aufgegeben.
An der Börse kamen die News vom Kapitalmarkttag der Brenntag SE nicht gut an. Die Aktie lag am Vormittag um 2,3 Prozent im Minus und notierte bei 76,12 Euro.
Das Brenntag-Management hat stets betont, wie komplex eine Entflechtung der gewachsenen Struktur sei. Beide Divisionen sind mit integrierten Teams und Funktionen in über 70 Ländern aktiv. In den kommenden 24 Monaten sollen sie operativ und rechtlich voneinander getrennt werden. Schon Anfang 2024 wird ein jeweils eigenständiges Executive Committee für jede Sparte eingesetzt.
Ob am Ende aber eine komplette Aufspaltung steht und sich Brenntag auf einen Teil fokussiert, ist weiter offen. Vor allem das Spezialitätengeschäft muss sich erst noch beweisen, denn die Performance fällt im Vergleich zu Konkurrenten ab, die sich fokussierter aufgestellt haben.
Brenntag verspricht stärkeres Wachstum
Auch zwischen den beiden Divisionen schichtet Brenntag darum einzelne Geschäfte um. Die Division Specialties wird noch stärker auf das lukrative Life-Sciences-Segment ausgerichtet. „Wir werden das Potenzial der attraktiven Wachstumsmärkte für Spezialitäten heben, unsere Performance steigern und unsere Profitabilität deutlich verbessern“, erklärte Michael Friede, Chef des Spezialitätengeschäfts.
Der Vorstand bestätigte zudem seine bisherigen Finanzziele. Er kündigte darüber hinaus an, mit einem jährlichen Wachstum des Rohertrags von vier bis sieben Prozent zu rechnen und einem Plus des operativen Ergebnisses (Ebita) von sieben bis neun Prozent.