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Corona-Folgen BMW sieht Rot: Autohersteller schreibt 666 Millionen Euro operativen Verlust

Der Autohersteller erleidet coronabedingt das schlimmste Quartal der Firmengeschichte – schneidet aber trotzdem besser ab als Konkurrenten wie Daimler oder VW.
05.08.2020 Update: 05.08.2020 - 16:46 Uhr Kommentieren
Trotz der verheerenden Ergebnisse zwischen April und Juni bleibt BMW im Halbjahr in den schwarzen Zahlen. Quelle: Reuters
BMW M8

Trotz der verheerenden Ergebnisse zwischen April und Juni bleibt BMW im Halbjahr in den schwarzen Zahlen.

(Foto: Reuters)

München Für BMW-Chef Oliver Zipse war die Sache schon vor einem Monat klar: „Das zweite Quartal dieses Jahres ist das schlimmste Quartal, das BMW je erlebt hat“, konstatierte der 56-Jährige Anfang Juli und warnte vor einem „ordentlichen Verlust“. Nun wird das Ausmaß der Misere bei dem Autobauer deutlich. Der Dax-Konzern legte am Mittwochfrüh seine Bilanz offen.

Demnach hat BMW zwischen April und Juni ein operatives Minus in Höhe von 666 Millionen Euro eingefahren. Zum Vergleich: Im Vorjahr verdienten die Bayern im zweiten Quartal vor Steuern und Zinsen (Ebit) noch mehr als 2,2 Milliarden Euro. Auch unter dem Strich schreibt BMW infolge des Corona-Schocks nun rote Zahlen. Das Ergebnis (vor Minderheitsanteilen) ist von 1,5 Milliarden Euro auf minus 212 Millionen Euro eingebrochen.

Es ist der erste Konzernverlust seit elf Jahren. Zuletzt war das Ergebnis bei BMW nach der Finanzkrise im Jahr 2009 negativ. Dann folgten 44 Quartale im Plus. Nun zeigen sich die Verwerfungen, die mit dem Virus einhergehen, besonders deutlich in der Autosparte von BMW: Hier ist der Umsatz im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf 14,9 Milliarden Euro abgesackt, der Betriebsverlust summiert sich auf mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Trotz der verheerenden Ergebnisse zwischen April und Juni bleibt BMW im Halbjahr aber in den schwarzen Zahlen. Der Konzernüberschuss nach sechs Monaten liegt bei 362 Millionen Euro. Der Absatz ging zwar um fast ein Viertel deutlich zurück, gleichwohl konnte BMW den Rückgang beim Umsatz auf lediglich etwas mehr als zehn Prozent eindämmen. Die Erlöse blieben damit bei über 43 Milliarden Euro.

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    „Dank unserer hohen Reaktionsfähigkeit und konsequenten Steuerung haben wir die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die BMW Group im ersten Halbjahr begrenzen können“, erklärte BMW-Chef Zipse. Der Manager bestätigte zugleich die Prognose für 2020.

    Deutlich geringere Personalkosten

    „Wir blicken mit vorsichtiger Zuversicht auf das zweite Halbjahr und streben für 2020 weiterhin eine Ebit-Marge im Segment Automobile zwischen null und drei Prozent an“, sagte Zipse. Sein Vorstand beobachte die Situation genau und steuere die Produktion abhängig von den Entwicklungen in den einzelnen Regionen. Nach dem Lockdown im März produzieren seit Mitte Juni wieder alle Autowerke von BMW im regulären Schichtbetrieb.

    Mit dem kleinen Gewinn im Halbjahr schlägt sich BMW deutlich besser als viele Konkurrenten. Während etwa bei Daimler die operative Umsatzrendite im ersten Halbjahr auf minus 1,6 Prozent absackte und bei Volkswagen auf minus 1,5 Prozent, kann BMW nach sechs Monaten eine positive Ebit-Marge von 1,6 Prozent vorweisen.

    Die Bayern profitieren in der Pandemie unter anderem von ihren im direkten Vergleich zu den Wettbewerbern deutlich geringeren Personalkosten. BMW gibt jährlich etwa zwölf Prozent seiner Umsatzerlöse für Löhne, Gehälter, Altersversorgung und soziale Abgaben aus.

    Beim Erzrivalen Daimler liegt der Anteil des Personalaufwands in Relation zum Umsatz dagegen um mehr als einen Prozentpunkt höher, bei Volkswagen liegt dieser sogar um fünf Prozentpunkte darüber. „Das striktere Kostenmanagement von BMW zahlt sich in der Krise aus“, konstatiert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR).

    Grafik

    Dennoch ist der Anpassungsdruck auch in München enorm hoch. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, kürzt BMW dieses Jahr seine Investitionen in Sachanlagen um ein Drittel auf unter vier Milliarden Euro. Darüber hinaus will der Konzern 6000 Jobs durch Abfindungen und Fluktuation abbauen. Bis Ende nächsten Jahres soll der Personalbestand so auf 120.000 Beschäftigte sinken.

    Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung will BMW wenn überhaupt nur mit Bedacht bremsen. Im zweiten Quartal stiegen die Entwicklungsaufwendungen sogar leicht an – auf 1,5 Milliarden Euro. „Wir investieren zielgerichtet und mit Augenmaß. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation verschieben wir Projekte oder stellen sie auf den Prüfstand“, erklärte BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter.

    Bis 2022 will BMW sein Portfolio an Elektroautos und Plug-in-Hybriden auf 25 Modelle erhöhen. Der Konzern verspricht sich beispielsweise viel vom iX3, dem ersten Strom-SUV der Marke mit mehr als 460 Kilometer elektrischer Reichweite nach dem WLTP-Zyklus. „Bei der Elektrifizierung kommen wir bestens voran“, erklärte Zipse. Tatsächlich verkaufte BMW im ersten Halbjahr 61.600 Stromer und Hybride. Das entspricht einem Zuwachs von 3,5 Prozent. Die Folge: BMW werde anders als Rivalen wie Daimler die CO2-Ziele der EU dieses Jahr „übererfüllen“, bekundete Zipse.

    Vergleichsweise schlecht schneidet BMW zum Halbjahr allerdings beim Free Cashflow ab. Der Konzern hat nach sechs Monaten in seinem Autosegment effektiv kein Geld verdient, sondern 2,5 Milliarden Euro verbrannt. Der deutlich größere Daimler-Konzern weist beim Free Cashflow im Industriegeschäft dagegen nur ein Minus von 1,6 Milliarden Euro aus. Im zweiten Quartal war der Wert bei den Stuttgartern sogar mit fast 700 Millionen Euro deutlich im Plus, wohingegen er bei BMW negativ blieb.

    Chinageschäft zieht wieder an

    BMW-Finanzchef Peter gelobt nun Besserung. „Für das dritte und vierte Quartal erwarten wir wieder positive Werte und eine weitere, kontinuierliche Verbesserung“, versprach der Manager. Für Aktionäre ist das eine wichtige Botschaft. Schließlich zeigen die Mittel aus dem freien Cashflow, wie viel Geld am Ende bei BMW übrig bleibt, um etwa eine Dividende an Anleger ausschütten zu können, ohne auf Rücklagen zugreifen zu müssen.

    Zuversichtlich stimmt BMW vor allem das anziehende Geschäft in China. Der Absatz der Münchener in Fernost stieg im zweiten Quartal sogar um 17 Prozent an – auf 213.000 Fahrzeuge. „Erstaunlich“ nennt das NordLB-Analyst Frank Schwope. Im Halbjahr steht zwar noch ein Minus von sechs Prozent bei den Verkäufen in China, aber der Kapitalmarktexperte rechnet damit, dass BMW am Ende des Jahres ein Plus vorweisen kann. „Möglicherweise kann BMW im Gesamtjahr sogar Wachstum im Reich der Mitte verbuchen“, sagt Schwope.

    In Europa und den USA, den beiden anderen großen Automärkten, sind die Verkäufe von BMW dagegen noch deutlich rückläufig. Konkret ging der Absatz in der EU um etwa ein Drittel zurück und in Amerika um mehr als 30 Prozent. Die Folge: Bei der Absatzverteilung nach Regionen erlebt BMW eine starke Verschiebung vom Westen nach China. Verkaufte BMW im Jahr 2019 noch 28,5 Prozent seiner Autos in Fernost, stieg der Anteil im ersten Halbjahr auf 34 Prozent an.

    Eine zu große Dominanz Chinas sieht BMW aber nicht. Im Laufe des Jahres werde sich der Absatz wieder ausgewogener auf die großen Regionen verteilen. „Jetzt kommt es darauf an, wie robust der Aufwärtstrend ist und wann die einzelnen Märkte nachziehen“, erklärte BMW-Chef Zipse. Einen „klaren Lichtblick“ markiert für ihn die Geschäftsentwicklung im Juli, hier lag der Autoabsatz bereits „deutlich über Vorjahr“.

    Zugleich warnte Zipse vor zu viel Euphorie: „Es bleibt eine große Unsicherheit.“ Niemand wisse, wie sich die Lage angesichts der Corona-Pandemie entwickeln wird. Eine zweite Infektionswelle mit etwaigen notwendigen Zwangspausen in der Produktion hat der Konzern in seinem Ausblick nicht berücksichtigt.

    Mehr: Schließen, kürzen, verlagern: Die Not der Autobranche ist groß

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