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Corona-Impfstoff Biontech und Pfizer mussten Produktionspläne reduzieren

Verzögerte Zulassungen und Qualitätsmängel bei Rohstoffen sorgten für eine Korrektur der ursprünglichen Planung bei Pfizer und Biontech. Konkurrent Moderna liefert zuerst in die USA.
03.12.2020 Update: 04.12.2020 - 19:57 Uhr Kommentieren
Auch das Mainzer Unternehmen hat seine Pläne angepasst. Quelle: via REUTERS
Dosis des COVID-19 Impfstoffs von Biontech und Pfizer.

Auch das Mainzer Unternehmen hat seine Pläne angepasst.

(Foto: via REUTERS)

New York Die Mainzer Biotechfirma Biontech und ihr amerikanischer Partner Pfizer haben in den vergangenen Wochen unbeachtet von der Öffentlichkeit die Produktions- und Lieferpläne für ihren gemeinsam entwickelten Corona-Impfstoff gekürzt. Das bestätigten die Firmen am Freitag. Statt der ursprünglich einmal geplanten 100 Millionen Dosen rechnen die beiden Unternehmen für das laufende Jahr nur noch mit der Auslieferung von rund 50 Millionen Einheiten.

Informationen über die Planänderung hatten am Donnerstagabend Irritationen bei Investoren gesorgt, nachdem das „Wall Street Journal“ über Produktionsverzögerungen bei Pfizer aufgrund von Qualitätsmängeln bei Vormaterialien berichtet hatte. Nach moderaten Kursverlusten am Donnerstagabend legten die Aktien von Biontech und Pfizer am Freitag indessen wieder leicht zu. Die an der Nasdaq gelistete Biontech-Aktie notierte am Freitagabend mit knapp 120 Dollar ein Prozent im Plus.

Tatsächlich hatten Pfizer und Biontech die Kürzung des Produktionsziels bereits am 9. November zusammen mit der Bekanntgabe der positiven Zwischenanalyse ihrer Phase-3-Studie mit dem Impfstoff BNT162b2 kommuniziert.

Grund für die Planänderung sind einerseits Rohmaterialien, die nicht den hohen Standards entsprachen, zum anderen aber auch die gegenüber früheren Erwartungen verzögerten Zulassungsverfahren. „Diese im November getroffene Entscheidung wurde aufgrund sich ändernder Zulassungs- und Genehmigungspläne und anderer Faktoren getroffen“, erklärte eine Biontech-Sprecherin zu dem Vorgang. Ursprünglich habe man angenommen, im Oktober mit Auslieferungen aufgrund von erteilten Zulassungen beginnen zu können.

Die erste Notfallzulassung für das Produkt haben Biontech und Pfizer indessen erst Anfang der Woche in Großbritannien erhalten. Eine Zulassung für den US-Markt wird für Mitte des Monats erwartet, die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA wird nach bisherigen Plänen erst Ende Dezember über den Impfstoff entscheiden.

Biontech hält an Auslieferungszielen für 2021 fest

Biontech bekräftigt unterdessen, dass Dosen für die Auslieferung ins Vereinigte Königreich und andere Länder bereit stünden. „Auf der Grundlage der aktuellen Prognosen gehen wir nach wie vor davon aus, dass wir im Jahr 2020 50 Millionen Dosen zur Verfügung stellen können und im Jahr 2021 bis zu 1,3 Milliarden Dosen produzieren werden“, erklärte das Unternehmen. „Wir prüfen außerdem weitere Möglichkeiten, um die Produktionskapazitäten im nächsten Jahr über die 1,3 Milliarden hinaus zu erhöhen.“

Zu den genauen Liefermengen und Zeitplänen für einzelne Länder haben sich bisher weder Pfizer noch Biontech geäußert. Nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dürften auch die EU und damit Deutschland von den geänderten Produktionsplanungen betroffen sein. „Das führt dazu, dass alle, die unter den Erstadressaten der Lieferungen sind, ob das Großbritannien, die USA oder die Europäische Union ist, jetzt mit weniger Impfdosen in den ersten Wochen zu rechnen haben“, sagte Spahn laut der Agentur dpa am Freitag in Berlin. „Gleichwohl wird es, Stand heute, wenn die Zulassung erfolgt, mit dem Jahreswechsel erste Impfungen in Deutschland geben können“, fügte er hinzu.

Für eine vollständige Schutzwirkung durch den Impfstoff sind zwei Dosen erforderlich, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Die Anfangsmenge von 50 Millionen Dosen würde damit für die Immunisierung von 25 Millionen Menschen ausreichen. Insgesamt mehr als 570 Millionen Dosen haben Biontech und Pfizer bereits im Rahmen von Verträgen mit einzelnen Staaten vorab verkauft. Die USA etwa haben 100 Millionen Dosen fest geordert, die EU 200 Millionen Dosen. Bei den Zuteilungen der Mengen im Rahmen dieser Verträge wollen sich die beiden Unternehmen in etwa an den jeweiligen Einwohnerzahlen der Abnehmerstaaten orientieren.

Die US-Regierung rechnet nach Angaben von dieser Woche damit, bis Ende des Jahres Pfizers Corona-Impfstoff für 6,4 Millionen Menschen zur Verfügung zu haben. Außerdem könnten in den USA bis Jahresende auch 12,5 Millionen Menschen den Impfstoff der Biotech-Firma Moderna bekommen, für den ebenfalls das Zulassungsverfahren läuft.

Moderna geht davon aus, im ersten Vierteljahr 2021 weltweit 100 bis 125 Millionen Dosen seines Impfstoffs ausliefern zu können. Davon würden 85 bis 100 Millionen in den USA zur Verfügung stehen und bis zu 25 Millionen im Ausland.

Biontech und Pfizer haben bisher noch keine Angaben zu den potenziellen Liefermengen im ersten Quartal gemacht. Analysten rechnen damit, dass alleine Pfizer rund 100 Millionen Einheiten im ersten Quartal ausliefern wird.

Der von Biontech entwickelte Impfstoff zeigte in einer großen Phase-3-Studie eine überraschend hohe Wirksamkeit von 95 Prozent, bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen. Das Präparat ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff, der auf einem neuen Mechanismus basiert.

Der Impstoff enthält den genetischen Bauplan für das Oberflächenprotein des Virus. Er regt damit die Körperzellen des Geimpften zur Produktion des Virusproteins an, worauf das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern und Abwehrzellen reagiert. Das Vakzin von Biontech ist das erste derartige Medikament weltweit, das eine Zulassung erhalten hat.

Mehr: Biontech und Pfizer wollen Corona-Impfstoff nach britischer Zulassung umgehend ausliefern

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