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Corona-Pandemie Wacker, Evonik, Lonza: Die Chemieindustrie profitiert vom Impfstoff-Boom

Die Chemiebranche liefert Inhaltsstoffe und ist Auftragsfertiger für Corona-Impfstoffe. Die Aussicht auf gute Geschäfte schlägt sich bereits in den Aktienkursen nieder.
07.12.2020 - 16:55 Uhr Kommentieren
Die Technologie von Evonik kommt beim Transport der mRNA-Moleküle im Körper zum Tragen. Quelle: dpa
Biontech-Labormitarbeiter

Die Technologie von Evonik kommt beim Transport der mRNA-Moleküle im Körper zum Tragen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Milliarden von Impfstoffdosen sollen im kommenden Jahr die Corona-Pandemie beherrschbar machen. Es dürfte nicht nur für Hersteller wie Biontech, Moderna und Astra-Zeneca ein gutes Geschäft werden. Auch deren Zulieferer rüsten sich für den Boom der Impfstoffe, der weit über die Corona-Zeit hinauswirken könnte.

Vor allem Firmen aus der Spezialchemie wollen davon profitieren. Deutsche Unternehmen wie Evonik und Wacker Chemie sind mit von der Partie – sei es als Technologielieferant oder als Auftragsfertiger von Impfstoffprodukten. Sie buhlen nun um weitere Aufträge und bauen ihr Geschäft aus.

Evonik liefert dafür das jüngste Beispiel: Der Spezialchemiekonzern gab am Montag ein neues Investitionsprogramm bekannt, mit dem er sein sogenanntes Drug-Delivery-Geschäft ausbauen wird. Dabei geht um Technologien, mit denen Arzneiwirkstoffe im Körper nach der Einnahme sicher an ihren Einsatzort in den Zellen transportiert werden.

Die Essener sehen sich selbst weltweit führend als Komplettanbieter solcher Schlüsseltechnologien für genbasierte Medikamente, zu denen auch die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna zählen. Wie es in Branchenkreisen heißt, gehören alle großen mRNA-Spezialisten zum Kundenkreis des Konzerns – also auch Biontech und Moderna.

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    Biontech ist der erste Hersteller, der einen Impfstoff gegen Corona auf den Markt bringen wird. In Großbritannien haben die Mainzer und ihr Partner Pfizer bereits eine Notfallzulassung erhalten. In dieser Woche wird mit einer Freigabe zum sofortigen Einsatz in den USA gerechnet.

    Was Evonik zum Biontech-Impfstoff beiträgt

    Mit der Produktion der Impfstoffe haben die Hersteller schon vor Monaten begonnen, um nach einer Zulassung direkt ausliefern zu können. Davon haben Firmen wie Evonik als Zulieferer bereits profitiert.

    Bei der mRNA-Technik besteht der Impfstoff aus einem speziellen Botenmolekül (mRNA), das in den Körper injiziert wird und dort in Zellen eindringt. Diese produzieren dann einzelne Bestandteile des Coronavirus, auf die das Immunsystem des Menschen reagiert und Antikörper produziert. Damit soll der Impfschutz hergestellt werden.

    Die Technologie von Evonik kommt beim Transport der mRNA-Moleküle im Körper zum Tragen. Die Botenstoffe sind sehr fragil und brauchen auf ihrem Weg in die Zellen einen Schutz. Dieser Transportkoffer wird aus Lipid-Nanopartikeln hergestellt, letztlich also aus einer Art Fettschicht rund um die mRNA.

    Grafik

    Diese Trägerstoffe sind entscheidend, damit mRNA-Impfstoffe wie die von Biontech überhaupt funktionieren. Evonik stellt Lipid-Nanopartikel (LNP) im kanadischen Vancouver und in den USA her. In einem ersten Schritt sollen diese bestehenden Standorte nun mit Investitionen ausgebaut werden.

    Gerade im kanadischen Vancouver hat sich parallel zum Aufkommen der mRNA-Technik in den vergangenen Jahren ein Zentrum für die Herstellung von LNP gebildet. Evonik hat 2016 die dort ansässige Firma Transferra Nanosciences gekauft und übernimmt seither die komplette Anwendungsentwicklung von mRNA-Produkten für die Pharmabranche.

    Eine genaue Höhe des Investitionsprogramms hat der Konzern noch nicht bekanntgegeben. Klar ist aber: Dieser Teilbereich des Healthcare-Segments von Evonik soll zum strategischen Wachstumsgeschäft werden. Für die Drug-Delivery-Technologie bei genbasierten Therapien erwartet der Konzern in den nächsten Jahren einen Umsatz in deutlich dreistelliger Millionenhöhe.

    mRNA-Technologie gilt auch bei anderen Krankheiten als Hoffnungsträger

    Es ist absehbar, dass die Essener auch einen weiteren Produktionsstandort für LNP aufbauen werden. Denn die mRNA-Technik gilt nicht nur bei den Corona-Impfstoffen als großer Hoffnungsträger, sondern auch beim Einsatz gegen Krebs oder Malaria.
    Wo eine solche neue Anlage entstehen könnte, ist offen. Kanada und die USA locken Hersteller wie Evonik mit gezielter Förderung. Für einen Standort in Europa hingegen spricht die logistische Nähe, da auch hier immer mehr Fabriken für mRNA-Stoffe entstehen.

    Biontech etwa hat ein Werk des Schweizer Pharmakonzerns Novartis im hessischen Marburg übernommen. Dort sollen künftig 750 Millionen Impfdosen pro Jahr gefertigt werden, unter anderem von dem Mittel zum Schutz vor Covid-19. Die Tübinger Curevac, die ebenfalls einen Corona-Impfstoff auf mRNA-Basis entwickelt, baut ein europaweites Produktionsnetzwerk für sein Produkt auf.

    Daran ist die Münchener Wacker Chemie beteiligt. Anders als Evonik ist der Konzern kein Technologie-Zulieferer, sondern Auftragsfertiger. Mitte November wurde ein Liefervertrag mit Curevac unterzeichnet. Am Wacker-Standort in Amsterdam beginnen derzeit die Vorbereitungen für die Produktion des Corona-Impfstoffes, die im ersten Halbjahr 2021 starten soll.

    In dem niederländischen Werk werden schon seit Jahrzehnten Impfstoffe für die klinische Entwicklung hergestellt. Wacker hat die Anlage so umgerüstet und erweitert, dass sie auch mRNA-basierte Impfstoffe fertigen kann. 100 Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffes sollen dort jährlich hergestellt werden können.

    Die Analysten der Baader Bank gehen davon aus, dass Wacker weiter in die Biopharma-Produktion in Amsterdam und auch am Standort Jena investieren wird. Aus ihrer Sicht dürfte sich dieser Fokus auch weiter positiv auf den Aktienkurs der Münchener auswirken. Die Wacker-Aktie hat seit Verkündung des Deals mit Curevac am 23. November bereits um zehn Prozent zugelegt.

    Auch deutsche Mittelständler sind an der Impfstoff-Produktion beteiligt

    Andere Pharma-Auftragsfertiger stehen schon länger in der Gunst der Investoren. Die Schweizer Lonza etwa hat 40 Prozent an Wert gewonnen, seit der Konzern im April 2020 einen Produktionsvertrag über den mRNA-Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna abgeschlossen hat. Auch dieses Mittel steht vor der Zulassung.

    Der Schweizer Pharmazulieferer Siegfried Holding AG wird an der Börse mittlerweile um ein Fünftel höher bewertet, nachdem er im September einen Deal mit Biontech abgeschlossen hat. Dessen mRNA-Impfstoff soll am deutschen Siegfried-Standort in Hameln ab Mitte 2021 abgefüllt werden.

    Im Hintergrund der Produktion des aussichtsreichen Biontech-Mittels arbeiten auch deutsche Mittelständler: etwa der schwäbische Familienbetrieb Rentschler Biopharma. Das Unternehmen aus dem südwestlich von Ulm gelegenen Laupheim ist dafür verantwortlich, dass die mRNA im Impfstoff möglichst sauber ist.

    Die Beteiligung deutscher Unternehmen zeigt sich nicht nur bei den mRNA-Impfstoffen. Der derzeit aussichtsreichste Kandidat mit einer anderen Technologie ist der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca. Sein Impfstoff basiert auf gentechnisch veränderten Vektorviren. Diese unschädlich gemachten Viren enthalten Teile des Coronavirus und sollen nach der Injektion eine Immunreaktion bewirken.

    Astra-Zeneca nutzt für die Produktion ein weltweites Netzwerk von Firmen, allen voran das indische Serum Institute, das als weltgrößter Auftragsfertiger allein rund eine Milliarde Dosen liefern wird. In Europa war bei der Produktion der für die Phase-3-Studien benötigten Dosen ein Unternehmen mit deutschem Eigentümer beteiligt: Halix mit Sitz in den Niederlanden, das zu 100 Prozent in Besitz der Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft Droege Group ist.

    Halix fertigte am Standort Leiden die von Astra-Zeneca in den Studien benötigten Vektorviren in einem Bioreaktor. Noch ist es zwar unklar, ob die Droege-Beteiligung auch im künftigen Produktionsnetzwerk von Astra-Zeneca vertreten ist. Die Chancen dafür stehen aber nach dem gemeinsamen Studienprojekt gut.

    Mehr: Neues Investitionsprogramm: Evonik will vom Boom der Impfstoffe profitieren

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