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Elektro-Lkw-HerstellerNikola-Aktien fallen auf Rekordtief

Ganz oder in Teilen: Für das US-Start-up Nikola ist die Veräußerung des Geschäfts angesichts anhaltender Verluste Berichten zufolge eine Option. Die Aktie fällt drastisch.Felix Holtermann, Alexander Möthe 24.01.2025 - 05:41 Uhr Artikel anhören
Nikola-Präsentation aus dem Jahr 2019: Von den Erfolgsversprechen ist nicht viel geblieben. Foto: REUTERS

San Francisco, Seattle. Die Aktien des US-Lkw-Herstellers Nikola sind am Donnerstag auf ein Rekordtief gefallen. Im Tagesverlauf sackten sie um knapp 28 Prozent auf nur noch 0,84 Dollar ab. Sollten die Nikola-Papiere über längere Zeit unter einem Dollar notieren, droht das Delisting von der Technologiebörse Nasdaq.

Der Absturz folgte nach dem Erscheinen eines Berichts der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach prüft das Start-up für Elektro- und Wasserstoff-Lkws angesichts von Finanzierungsproblemen offenbar den Verkauf von Teilen seines Geschäfts oder gar des gesamten Unternehmens.

Es sei auch eine Option, Partner hinzuzuziehen oder neue Finanzmittel zu beschaffen, schrieb die Agentur am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Das Unternehmen selbst reagierte nicht unmittelbar auf eine Handelsblatt-Anfrage.

Daneben machten auf US-Branchenportalen Gerüchte zur finanziellen Situation des Unternehmens und zu einem möglicherweise bevorstehenden Abgang von Chef Stephen Girsky die Runde.

Nikola kämpft seit Jahren mit einer schwachen Nachfrage nach seinen Elektro-Trucks. Eigentlich sollte das Angebot innovativer Wasserstoff-Lkws, die mit der Hilfe von Bosch entwickelt wurden, die Wende bringen. Doch auch hierfür fehlt es auch angesichts des stockenden Aufbaus einer entsprechenden Tank-Infrastruktur an Bestellungen.

Schwindende Liquiditätsreserve

Im Oktober hatte Finanzchef Tom Okray erklärt, das Unternehmen verfüge über eine Liquiditätsreserve von „fünf bis sechs Monaten“. Demnach verschlinge der Betrieb monatlich zwischen 30 und 40 Millionen Dollar.

Auch um weniger Kapital zu verzehren, kündigte Nikola im Herbst eine neue Entlassungsrunde für 15 Prozent der Belegschaft an. Bereits 2023 hatte das Start-up knapp ein Viertel seiner Mitarbeiter in Arizona entlassen.

Im dritten Quartal des Vorjahres wurden 88 Wasserstoff-Lkw verkauft, ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Seit der Markteinführung Ende 2023 wurden insgesamt 235 Wasserstoff-Lkws verkauft. Das neue Werk in der Nähe von Phoenix ist damit alles andere als ausgelastet.

Daneben hat Nikola mit den hohen Kosten des Produktionshochlaufs seines Wasserstoff-Lkw zu kämpfen. Die liquiden Mittel waren Ende September auf 198,3 Millionen Dollar gesunken, verglichen mit 464,7 Millionen Dollar Ende 2023. Neuere Zahlen hat Nikola bisher nicht vorgelegt. Chef Girsky hatte im Oktober auf Fragen zur Kapitalbeschaffung gesagt, das Unternehmen spreche „aktiv mit vielen verschiedenen potenziellen Partnern“.

Nikola ist wie Elon Musks Firma Tesla nach dem Elektrizitäts-Pionier Nikola Tesla benannt – und galt eine Zeit lang als Teslas Pendant im Lkw-Sektor. Allerdings stellten sich zahlreiche Ankündigungen des Unternehmensgründers Trevor Milton als Übertreibungen heraus – oder schlichtweg als Unwahrheiten. Davon hat sich das Start-up bis heute nicht erholt.

Hindenburg Research deckt Täuschungen bei Nikola auf

Herausgekommen war die Irreführung, für die Milton letztlich wegen Betrugs verurteilt worden ist, durch eine Analyse des Leerverkäufers Hindenburg Research, der erst vor kaum zwei Wochen ankündigte, den Betrieb einzustellen.

2020, zwei Tage nachdem Nikola eine Partnerschaft mit General Motors verkündet hatte, präsentierte das Shortselling-Haus einen verheerenden Report. Kern der Kritik waren die vielen Kehrtwenden und zweifelhaften Aussagen Miltons. Recherchen der Zeitung „Financial Times“ bestätigten außerdem später, dass ein als „Nikola One“ bezeichneter Truck in einem Werbevideo 2017 schlicht einen sanften Hügel hinunterrollte, statt selbst zu fahren.

Gerettet hat Nikola damals ein schneller Wechsel an der Spitze: Zehn Tage nach Veröffentlichung des Hindenburg-Reports musste Milton gehen. Für ihn übernahm Mark Russel, dem Beobachter einige Erfolge für den Erhalt des Unternehmens zuschreiben.

Ende 2022 folgte auf Russel der frühere Opel-Chef Michael Lohscheller. Der Manager kehrte aber 2023 nach nur acht Monaten nach Europa zurück, aus familiären Gründen, wie Insider dem Handelsblatt bestätigten.

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Seitdem ist der ehemalige Verwaltungsratschef Girsky CEO. Lohscheller wiederum ist inzwischen Chef des schwedischen Elektroauto-Herstellers Polestar.

Mit Material von Reuters

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