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Thyssen-Krupp in Essen

Das Industriekonglomerat wird radikal umgebaut. Als erstes bekommen die Einschnitte die Mitarbeiter in der Essener Konzernzentrale zu spüren.

(Foto: dpa)

Elevator geht an Investoren Der Notverkauf – Thyssen-Krupp verkauft Aufzugsparte für 17 Milliarden Euro

Thyssen-Krupp verkauft seine Aufzugsparte an Finanzinvestoren. Mit der Abgabe des letzten verbliebenen Gewinnbringers will der Konzern sich retten.
27.02.2020 Update: 27.02.2020 - 20:46 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Der Industriekonzern Thyssen-Krupp veräußert sein Geschäft mit Aufzügen und Fahrtreppen an Finanzinvestoren. Ein Konsortium um Advent, Cinven und der RAG-Stiftung werde die Sparte übernehmen, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Die Kontrolleure gaben der Gruppe damit den Vorzug vor Finanzinvestoren um Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan.

Der Verkaufswert summiert sich auf 17,2 Milliarden Euro – der Verkauf der Sparte Elevator dürfte damit der größte Deal in Europa in diesem Jahr werden. Auch wenn der Erlös gigantisch ist: Thyssen-Krupp ist bitter auf das Geld angewiesen. Mit den Milliarden will Interimschefin Martina Merz Pensionen absichern und die Schuldenlast reduzieren.

Einen Teil des Kaufpreises in Höhe von 1,25 Milliarden Euro investiert Thyssen-Krupp dabei in eine Rückbeteiligung an der Sparte. Die Beteiligung soll in einen Treuhandfonds fließen, der die milliardenschweren Pensionsverpflichtungen des Ruhrkonzerns abdecken soll.

Thyssen-Krupp hat sein Eigenkapital praktisch aufgezehrt. Aus der Not heraus hatte Merz’ Vorgänger Guido Kerkhoff daher den Verkauf des Aufzuggeschäfts angeschoben. Der Bereich mit gut 50.000 Mitarbeitern ist nach zahllosen Strategiewechseln über die vergangenen Jahre der wichtigste Gewinnbringer und damit Garant für den Erhalt des Konglomerats gewesen.

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    Mit dem Abverkauf will der Vorstand um Merz auch Investitionen in das bestehende Geschäft stemmen. Teilweise sollen damit Bereiche wie der Anlagenbau fit für eine Veräußerung gemacht werden. Zudem benötigt die Stahlsparte einen dreistelligen Millionenbetrag, um ihren Anlagenpark zu erneuern.

    Mit dem Radikalumbau wird Thyssen-Krupp grundlegend neu ausgerichtet. Zwar spricht Merz davon, dass das Unternehmen in eine Holding mit eigenständig operierenden Einheiten umgeformt werde. Der Konzern wird indes auf einen Rumpf zurechtgeschnitten.

    „Mit dem Verkauf der Aufzugssparte gewinnt Thyssen-Krupp finanzielle Stärke und Flexibilität“, sagt Lars Förberg, Partner beim Thyssen-Krupp-Großaktionär Cevian. Jeder Geschäftsbereich habe Potenzial sich zu verbessern. „Daher muss jetzt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit darauf liegen, jedes Geschäft operativ stark und fit für die Zukunft zu machen.“

    Grafik

    Thyssen-Krupp hatte sich selbst in die missliche Lage manövriert. Zunächst hatte der frühere Vorstand das praktisch schuldenfreie Unternehmen durch den Bau neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA in eine finanzielle Krise getrieben. Bis zu seinem Rücktritt vor bald zwei Jahren hatte dann Ex-Chef Heinrich Hiesinger die Konzentration auf Elevator forciert.

    Den Großaktionären – allen voran der Finanzinvestor Cevian – ging die Neuausrichtung aber nicht schnell genug. Folglich blieb nun der Verkauf von Elevator, wie eine Führungskraft sagt: „Das war für den Notfall immer unser Plan gewesen.“

    Während sich nun vor allem die Mitarbeiter in der Essener Zentrale auf einen drastischen Stellenabbau einstellen müssen, dürfte es für die Beschäftigten der Aufzugsparte ruhiger werden. Vertreter des Finanzkonsortiums haben dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall Garantien für Jobs und Standorte zugesichert.

    Mit der Trennung von Elevator endet für den Ruhrkonzern eine Ära. Die Zeiten, in denen Thyssen-Krupp zu den Schwergewichten der deutschen Industrie zählte, sind damit endgültig vorbei. Nicht nur die Aufzugsparte, auch der Anlagenbau, der Marineschiffbau und defizitäre Teile der Autozuliefersparte stehen vor dem Verkauf. Als Kerngeschäft übrig bleibt der Stahl. Doch der steht vor ganz eigenen Problemen.

    Allein im ersten Quartal verlor die Sparte operativ mehr als 160 Millionen Euro. Zudem stehen milliardenschwere Investitionen an, nachdem Merz’ Vorgänger das Geschäft zuletzt hatten schleifen lassen. Hiesinger und Kerkhoff wollten die Traditionssparte in ein Joint Venture mit der indischen Tata auslagern. Doch der über Jahre vorbereitete Plan scheiterte im Mai am Veto der EU-Kommission.

    Wie es nun für die Sparte weitergeht, ist bislang offen. Noch verhandelt der Konzernvorstand mit der IG Metall über die weitere Strategie. Auf allzu viel Geld aus Essen dürfen die Stahlkocher allerdings nicht hoffen. Stattdessen steht ein Sparprogramm an – und damit stehen rund 2.800 Arbeitsplätze zur Disposition, davon 800 in der Grobblechsparte, die bis zum Sommer verkauft oder geschlossen werden soll.

    Zwar will der Konzern voraussichtlich über die kommenden Jahre rund 500 Millionen Euro zusätzlich investieren, um die in die Jahre gekommenen Anlagen in den anderen Werken zu modernisieren. Doch langfristig stellen vor allem steigende Anforderungen an den Klimaschutz die gesamte Branche vor große Probleme.

    Stellenabbau könnte höher ausfallen

    Merz dürfte daher weiterhin nach Partnern in dem von Überkapazitäten und knappen Margen geplagten Geschäft suchen. Im Gespräch ist dabei immer wieder der niedersächsische Konkurrent Salzgitter, der seinerseits ebenso regelmäßig jeden Kontakt nach Essen abstreitet. Ebenso denkbar wäre eine Neuauflage der Tata-Fusion, auch wenn diese Option angesichts der Bedenken der EU-Kommission eher unwahrscheinlich scheint.

    Neben der Stahlsparte müssen auch die übrigen Konzernteile mit einem Stellenabbau rechnen. Seit Wochen betonen die Vorstände, allen voran Personalvorstand Oliver Burkhard, dass der geplante Jobabbau auch heftiger ausfallen könnte als bislang angekündigt. Unsicherheit sind die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp zwar gewohnt. Doch noch nie war das Risiko, persönlich von der Restrukturierung betroffen zu sein, für jeden einzelnen so groß wie heute.

    Vor allem im Anlagenbau ist die Unsicherheit groß. Unter den Analysten kursieren bereits erste Rechnungen, was wohl eine Schließung des Bereichs mit gut 11.000 Mitarbeitern kosten würde. Das Gleiche gilt für die Automobilzuliefersparte, die knapp 25.000 Menschen beschäftigt. Dabei gilt unter Merz die Devise: Was nicht unabhängig von Zuwendungen aus Essen lebensfähig ist, fliegt raus – wird also verkauft oder geschlossen, falls sich kein Käufer findet.

    Für den Anlagenbau hat der Vorstand bereits Prospekte an mögliche Interessenten verschickt. Spätestens im März will die Führung in Essen die Mitarbeiter darüber informieren, wie es konkret für den Ruhrkonzern weitergeht. Bisher will Merz konzernweit 6.000 Stellen streichen. Im Fokus steht dabei neben der Stahlsparte auch die Zentrale, die teilweise Aufgaben für die einzelnen Sparten übernimmt.

    Doch Merz möchte die Geschäfte von Thyssen-Krupp unabhängiger aufstellen und die Konzern-Holding auf das Nötigste beschränken. Damit fällt ein großer Teil des jetzigen Personalbedarfs in der Zentrale weg. Die unabhängige Aufstellung der Sparten soll am Ende auch dabei helfen, flexiblere Eigentümerstrukturen zu ermöglichen, sollte der Konzern sich Partner für einzelne Tochterunternehmen suchen.

    Es ist letztlich das Ende des Ruhrkonzerns, wie man ihn über mehr als 200 Jahre kannte. Auch wenn die akute Finanznot mit dem Verkauf der Aufzugsparte vorerst gelindert ist, dürfte es Jahre dauern, bis sich das Unternehmen wieder vollständig stabilisiert. Für Unruhe sorgt dabei auch die ungeklärte Führungsfrage, wenn Interimschefin Merz im Oktober wieder auf den Vorsitz des Aufsichtsrats wechselt.

    Wer auch immer der 56-Jährigen nachfolgt, wird es leichter haben als Hiesinger und Kerkhoff, die während ihrer Amtszeiten vor allem damit beschäftigt waren, Thyssen-Krupp vor der Pleite zu retten. Ihre selbst gesteckte Aufgabe, das Unternehmen wieder zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen, hat Merz nun mit dem Verkauf der Aufzugsparte erfüllt.

    Doch die unweit größere Aufgabe, aus Thyssen-Krupp wieder ein wettbewerbsfähiges Unternehmen zu machen, das mit den Besten seiner Klasse mithalten kann, wird jemand anderem zufallen. Diese Person zu finden ist bis dahin die Mission der Aufsichtsräte von Thyssen-Krupp – allen voran Siegfried Russwurm, der Merz bis zu ihrer Rückkehr als Chefkontrolleur vertritt.

    Mehr: Der Aufzughersteller Kone hatte sich ursprünglich auch als Käufer für Thyssen-Krupp Elevator beworben – stieg aber aus, als er um die Finanzkraft des Ruhrkonzerns fürchtete.

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    1 Kommentar zu "Elevator geht an Investoren: Der Notverkauf – Thyssen-Krupp verkauft Aufzugsparte für 17 Milliarden Euro"

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    • Totales Management- und Aufsichtsversagen. Unfähige Sozis haben in der Krupp-Stiftung dilletiert, ohne jede Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Wurde Frau Prof. Gather nicht von Frau Kraft eingesetzt? Es zeigt sich, das Selbstüberschätzung und ein übergroßes Ego bei gleichzeitiger Mittelmäßigkeit, keinesfalls ein Privileg der Männer sind.
      Der Verkauf der "Aufzüge", dient ausschließlich dem Erhalt der unseligen Krupp-Stiftung, unternehmensstrategische Überlegungen haben hier keine Rolle gespielt.
      Krupp ist tot! Intelligenteres Handeln wäre hier lebensrettend gewesen

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