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FürstenreichDie Monaco AG

Fürst Rainier III. hat den Stadtstaat am Mittelmeer nach eigener Aussage zu einer Geldpumpe gemacht. Unter Sohn Albert verliert die Expansion der Monaco AG an Tempo. Die Hochzeit des Fürsten soll neuen Schwung bringen. Umso gereizter reagiert der Palast daher auf die Gerüchte, dass die Braut vor der Hochzeit das Weite suchen wollte.Holger Alich, Tino Andresen 30.06.2011 - 13:36 Uhr Artikel anhören

Paris/Düsseldorf. Auf den ersten Blick herrscht Fürst Albert II. über ein kleines Reich: Monaco ist mit 2,02 Quadratkilometern nicht einmal halb so groß wie der Englische Garten in München und damit nach dem Vatikan der zweitkleinste Staat der Welt.

Doch es wäre vorschnell, das Staatsoberhaupt deshalb zu unterschätzen. Denn Albert übernahm von seinem Vater, dem Fürsten Rainier III., nach dessen Tod im Jahr 2005 die Position, die Rainier als die des „Aufsichtsratschefs der Monaco AG“ definierte. Also die eines Familienkonzerns, der im vergangenen Jahr (ohne Banken und Finanzdienstleister) einen Umsatz von 12,1 Milliarden Euro erwirtschaftete. Das Fürstentum dürfte der einzige Staat der Erde sein, der neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Umsatzzahlen ausweist  - und Quartalsberichte veröffentlicht, wie ein börsennotiertes Unternehmen.

Doch auch das Fürstentum hat die Krise gespürt: Das den 39 Banken und Vermögensverwaltern anvertraute Geldvolumen stagniert, und die Tourismus-Aktivität – dem mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig - hat auch noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht. Der Stadtstaat hofft nun, dass die Wirtschaft durch die Hochzeit des Prinzen einen neuen Schub erlebt. Die Hotels jedenfalls sind fast alle ausgebucht.

Monaco in Zahlen
Der Staat Monaco ist 2,02 Quadratkilometer groß und damit nach dem Vatikan das zweitkleinste Land der Welt.
Die Rennstrecke des Formel-1-Grand-Prix von Monaco ist 3,340 Kilometer lang. Insgesamt drehen die Fahrer 78 Runden.
Im Jahr zieht es etwa 265.000 Reisende in den kleinen Staat - vorwiegend Franzosen, Italiener und Briten. Das macht pro Einwohner etwa 7 Touristen.
Monaco hat 10 Stadtbezirke - Quartiers genannt. Dazu gehören Moncao-Ville (Fürstensitz), Monte-Carlo (Spielcasino), La Condamine (Hafen) und Fontvieille (Neuland, Industrie).
Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 16 Grad. Dabei herrscht in Monaco Mittelmeerklima mit warmen Sommern und milden Wintern.
Am 25. Januar wird in Monaco das Fest der Heiligen Devota gefeiert, der Schutzpatronin von Monaco. Auch ist der 19. November, der Namenstag von Fürst Rainier III., ein nationaler Feiertag.
Mit 39 Prozent stellen Tourismus und Handel größten Wirtschaftszweig in Monaco. Darauf folgen Banken- und Finanz-Sektor mit 15 Prozent.
Ein Monegasse wird durchschnittlich 89,7 Jahre alt.
Die Palastgarde zählt 113 Männer. Damit ist etwa jeder 290. Monegasse Teil der Garde.
Monaco hat die geringste Kriminalitätsrate der Welt. Dafür werden 500 Überwachungskameras und ebenso viele Sicherheitsleute eingesetzt.
1297 fand die Besitzergreifung von Monaco durch die Grimaldis statt.
Monaco hat 36.000 Einwohner. Davon sind etwa 8000 echte Monegassen. Auch 900 Deutsche leben dort.
Das BIP liegt in Monaco pro Kopf bei 54.500 Euro. Damit ist es fast doppelt so hoch wie das deutsche.
Der Preis der teuersten Immobilie lag 2011 bei 69.700 US-Dollar pro Quadratmeter.
Die Staatseinnahmen von Monaco lagen zuletzt bei 744 Millionen Euro. In dem kleinen Staat gibt es weder Einkommens- noch Erbschaftssteuer.

Monaco will sich dieses PR-Event nicht kaputt machen lassen. Empfindlich reagierte der Fürst daher auf eine Meldung der Webseite des Magazins „L’Express“. Demnach soll Alberts Braut Charlene Wittstock vor wenigen Tagen versucht haben, sich in ihre Heimat Südafrika abzusetzen und die Hochzeit platzen zu lassen. Prompt folgte ein wütendes Dementi des Anwalts von Prinz Albert. Das Dementi lief gerade über die Ticker, da zeigten sich Albert und Charlene in Monaco in der Öffentlichkeit, als sie die Vorbereitungen des Konzertes von Jean-Michel Jarre besuchten. Mit solchen Bildern will der Fürst die Gerüchte entkräften.

Der Chef

In seiner Heimat ist Albert einfach nur der „Patron“. So werden auch die Chefs von Familienbetrieben genannt. Monaco ist einer mit mehr als 700 Jahre langer Tradition – und dubiosen Ursprüngen: Die aus Genua stammende und seit 1297 herrschende Grimaldi-Dynastie begründete ihr Vermögen als Raubritter und Piraten. Seinen Aufstieg verdankt der Stadtstaat und Familienkonzern Rainier, der 56 Jahre lang regierte. Er und sein Sohn Albert haben das Mittelmeer beraubt, ihm 40 Hektar abgerungen und die Fläche des Landes damit um ein Viertel gesteigert. So ist das Viertel Fontvieille, in dem das Herz von Monacos Wirtschaft schlägt, fast vollständig dem Meer abgetrotzt.

Als der in den Vereinigten Staaten zum Politologen ausgebildete Albert, der auch eine Banklehre absolviert und in einer Anwaltskanzlei sowie im Management des Champagnerherstellers Moët Hennessy gearbeitet hat, von seinem Vater übernahm, galt er als ewiger Junggeselle. Doch dem heute 53-Jährigen war schon damals klar, wie wichtig die Unternehmensnachfolge ist. Er kündigte an: „Seien Sie versichert, ich werde heiraten und eine Familie gründen.“

Den ersten Schritt macht er nun, indem er Charlene Wittstock an diesem Freitag standesamtlich und am Samstag kirchlich heiratet. „Aus Sicht der Monarchisten ist es Alberts wichtigste Aufgabe für Nachwuchs  zu sorgen“, sagt der Monaco-Kenner und Autor Thomas Veszelits (Die Monaco AG. Wie die Grimaldis ihr Fürstentum vergolden).

Die Hochzeit war schon bei Rainier ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells. Denn die Eheschließung mit der Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly ließ den Glamour in Monaco einziehen. Er machte das Land zum Felsen der Reichen und Schönen. Schätzungsweise mehr als die Hälfte der Einwohner aus 119 Ländern sind Millionäre.

Wäre Millionär eine Staatsbürgerschaft, so wären sie die stärkste Bevölkerungsgruppe, weil nur gut ein Fünftel der Einwohner Monegassen sind (es gibt mehr Franzosen und fast ebenso viele Italiener). Die Wohlhabenden zieht es ans Mittelmeer, weil es in Monaco weder Einkommen-, noch Vermögen- und Erbschaftsteuer gibt. Zudem schätzen sie die Sicherheit. „Das ist der einzige Fleck der Welt, auf dem ich nachts mit meinen Juwelen spazieren gehen kann“, hat die Sängerin Shirley Bassey einmal gesagt.

Der brillante Manager Rainier holte Autorennen, Kongresse, Sportfeste, Rosenbälle und Luxuskreuzfahrten ins Land und baute so einen ganzjährigen Festivalbetrieb auf, „eine Art Edel-Ballermann für Vermögende“ („Die Zeit“). Tourismuschef Michel Bouquier betrachtet Monaco als „eine der führenden Luxusmarken der Welt“.

Es gelang Rainier aber nicht nur Touristen anzulocken, sondern auch Handel sowie Banken anzusiedeln, später auch Industrie, vor allem aus den Bereichen Chemie, Pharma und Kosmetik. Und immer profitiert seine Familie: „Die Grimaldis kassieren bei allem, was in Monaco passiert“, sagt Veszelits. Ihr Gesamtvermögen wird auf mehr als zwei Milliarden Euro geschätzt. Das Geschäftsmodell ist so bestechend, dass es den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai und Abu Dhabi zählen, als Vorbild dient.

Heute besteht die Monaco AG aus 5078 Unternehmen, Handel und Industrie haben einen Anteil von deutlich mehr als der Hälfte am Umsatz. Monacos Einnahmen speisen sich größtenteils aus Körperschaftsteuer, Mehrwert- und Umsatzsteueranteilen. Auch an Immobilienverkäufen verdient der Staat wesentlich mit. Das 1856 gegründete Spielcasino von Monte Carlo dagegen spielt keine große Rolle mehr. Als Rainier 1949 den Thron bestieg, hatte es noch einen Anteil von fast der Hälfte an den Staatseinnahmen. Heute stammt nur noch ein Bruchteil von Monacos Umsatz aus dem Glücksspiel. Im Geschäftsjahr, das am 31. März 2011 mit einem Millionenverlust endete, erzielte die Betreibergesellschaft Société des Bains de Mer damit Einnahmen in Höhe von 172 Millionen Euro. Zu dem an der Pariser Börse gelisteten Unternehmen mit seinen fast 3000 Mitarbeitern gehören heute auch vier Luxushotels wie das Monte Carlo Beach Hotel und das Hotel de Paris, 33 Restaurants, die Oper von Monte Carlo, Nachtclubs wie das Jimmy’z und mehrere Wellness-Center. Hauptaktionär ist das Fürstentum.

„Monaco ist zurückgefallen“

Die bisherige Bilanz von Albert II. beurteilt Monaco-Kenner Veszelits kritisch: „Es ist eine Stagnation eingetreten. Monaco ist wirtschaftlich etwas zurückgefallen.“ Eine Folge davon: Die Regierung erwartet für dieses Jahr ein ungewöhnlich hohes Defizit von 94 Millionen Euro. Noch vor dem Banken-Sektor ist der Tourismus der wichtigste Geschäftszweig der Monaco AG. Und hierbei sank die Aktivität nach den jüngsten verfügbaren Zahlen im Jahr 2009 um neun Prozent. Vor allem die Besucher aus Frankreich und dem nahegelegenen Italien machten sich rar. Vergangenes Jahr ging es mit plus sechs Prozent wieder leicht bergauf, doch das Vorkrisenniveau ist noch nicht wieder erreicht.

Der Fürst verwaltet nach Ansicht Veszelits lediglich das Erbe seines Vaters, es sei ihm aber nicht gelungen neue Akzente zu setzen. „Der grüne Fürst hat nicht eingelöst, was er versprochen hat. Aus einer Lustreise zum Nordpol im Jahr 2006 hat sich nichts entwickelt.“ Denn etliche Unternehmen hätten Monaco zum Zentrum der grünen Wirtschaft und Umwelttechnologie machen wollen. Aber Veszelits urteilt: „Diese Chance wurde verpasst.“ Zudem sieht er das Edelimage durch zunehmenden Billig- und Massentourismus beschädigt. Im Jahr 2010 startete das Fürstentum eine großangelegte Image-Kampagne für rund 4,5 Millionen Euro, um Investoren anzulocken. Viel gebracht zu haben scheint es nicht.

Monaco ABC
Albert Alexandre Louis Pierre Rainier, geboren am 14. März 1958. Fürst Albert II seit dem 6. April 2005. Er galt als Playboy, flirtete mit Claudia Schiffer und Naomi Campbell. Schon mit 15 Jahren soll er gesagt haben: „Meine zukünftige Frau soll meiner Mutter ähnlich sein.“
Albert trat fünfmal als Bobschlittenfahrer bei Olympiaden an. Noch heute ist der Sport seine große Leidenschaft. Das verbindet ihn mit Charlene, im Gegensatz zu seinen Eltern, die kein gemeinsames Hobby hatten. Die beiden wirken immer besonders glücklich bei Sportereignissen. Albert betrieb neben dem Bobschlittenfahren viele Sportarten, darunter Fußball, Rudern, Handball, Schwimmen, Tennis und Reiten.
Charlene Wittstock, geboren 25. Januar 1978 in Rhodesien, erkämpfte sich den Weg vom Pool in den Palast mit Diskretion. Ihr Erfolgsgeheimnis: Die Ex-Schwimmerin war da, wenn sie gebraucht wurde. Nie gab es einen Skandal um sie. Sie verwandelte sich mit viel Ehrgeiz vom Kumpeltyp zur eleganten Fürstin. Hartnäckigkeit ist ihre große Stärke, die hatte sie auch schon in ihrer Sportlerkarriere bewiesen.
Stéphanie von Monacos erster Ehemann - die Ehe wurde nach nur einem Jahr geschieden - war wohl einer der größten Skandale im Fürstentum. Sie bekam mit ihm zwei uneheliche Kinder, bevor sie den Leibwächter heiratete. Die Ehe ging auseinander, weil er mit einer Stripteasetänzerin fotografiert wurde. Er war einer von vielen unstandesgemäßen Männern der wilden jüngeren Schwester von Albert.
Albert und Charlene lernten sich im Jahr 2000 bei einem Schwimmwettkampf in Monte Carlo kennen. Er lud sie zum Abendessen im Palast ein und zeigte ihr den Palastgarten, so wie es sein Vater beim ersten Date mit Grace Kelly getan hatte. Dort entstand auch das Verlobungsfoto von Albert und Charlene. Ein Paar wurden die beiden nicht sofort, aber sie blieben in Verbindung. Offiziell zusammen zeigten sie sich erst im Jahr 2006. Warum es so lange bis zur Hochzeit gedauert hat? „Ich wollte die Person, mit der ich den Rest meines Lebens verbringe, erst kennenlernen“, sagte Albert.
Während der Hochzeit herrscht ein Flugverbot über Monaco. Jahrelang waren die Grimaldis die Lieblinge der internationalen Klatschpresse. Fotos aus der Luft sollen am 1. Juli bei der standesamtlichen und am 2. Juli bei der kirchlichen Trauung vermieden werden. Aber auch aus Sicherheitsgründen, darf nicht über Monaco geflogen werden, weil zahlreiche internationale Gäste und Politiker an der Trauung teilnehmen. Flugverbote sind sonst bei politischen Gipfeltreffen üblich.
Der italienische Designer kreiert das Hochzeitskleid von Charlene. Er gilt seit langem als Freund der Familie, sie besuchte seine Haute-Couture-Schauen in Paris. Er ist einer der Designer, der maßgeblich an der Verwandlung von der Schwimmerin zur Fürstin beteiligt war. Er sieht sie gern in Hosenanzügen und ausgeschnittenen Kleidern, die ihre breiten Schultern betonen.
Von der Kostümbildnerin aus dem Film „High Society“ stammte das traumhafte Kleid von Grace Kelly bei der Hochzeit mit Fürst Rainier III am 19. April 1956. Zum letzten Mal war sie Hollywood-Diva, das Filmstudio MGM hatte sich die Filmrechte an der Hochzeit gesicherte. 30 Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt verfolgten die Hochzeit, dann gab die Oscargewinnerin ihre Karriere auf.
Monaco ist der Treffpunkt des internationalen Jetsets. Nirgendwo sieht man so viele Sportwagen auf einem Haufen wie vor dem Kasino in Monte Carlo. Einst gehörten Frank Sinatra und Tankerkönig Aristoteles Onassis zu den Gästen in Monaco, heute ist Karl Lagerfeld oft zu Besuch.
So heißt Alberts erste uneheliche Tochter, geboren am 4. März 1992 in Palm Springs. Ihre Mutter ist die amerikanische Kellnerin Tamara Jean Rotolo. Das Geheimnis war wohlgehütet und kam erst vor einigen Jahren heraus. Auf der Thronfolgeliste steht sie nicht, weil sie unehelich geboren ist. Darauf können nur in einer Ehe geborene Kinder stehen. Am 24. August 2003 kam Alexandre Coste, das zweite uneheliche Kind von Albert, in Paris zur Welt. Die Mutter ist die Stewardess Nicole Coste. Dass beide Kinder offenbar nicht zur Hochzeit eingeladen sind, sorgte schon für Kritik.
Wann geben sich Albert und Charlene den Hochzeitkuss? Schon auf der standesamtlichen Trauung am Freitag, oder erst bei der kirchlichen Trauung? Angeblich soll das schon am Freitag auf dem Balkon des Spiegelsaals des Palastes geschehen. Hoffentlich länger als William und Kate, deren Kuss dauerte nur 0,7 Sekunden. Der Hochzeitskuss ist ein wichtiges Diskussionsthema in Monaco. Denn Fürst Rainier und Grace Kelly haben bei ihrer Traumhochzeit ganz auf den öffentlichen Kuss verzichtet.
Mehr Leid als Glück gab es in den letzten Jahrzehnten in Monaco. Charlene muss stark sein, um den Grimaldi-Fluch zu durchbrechen, weder Caroline (drei Hochzeiten), noch Stéphanie (zwei Hochzeiten, drei uneheliche Kinder) haben ihr Glück bisher gefunden.
So wird Michael Kenneth Wittstock, der Vater von Charlene genannt. Der Rugby-Fan soll laut Medienberichten seine Tochter in Monaco bei der kirchlichen Hochzeit zum Altar führen. Der Kaufmann für Computer gilt als bodenständig und jovial. Die Familienbande der Wittstocks sind eng, Charlene versteht sich gut mit ihren jüngeren Brüdern Gareth und Sean. „Wir sind eine gefestigte Familie. Das hat viel zu unserem Gleichgewicht beigetragen“, sagt Charlene selbst.
Lange Zeit galten der Prinz und das farbige Topmodel als Paar. Alle fragten sich schon damals, wann Albert heiraten würde. Im September 1995 dementierte der Palast Hochzeitsgerüchte um Naomi Campbell.
Auf der Terrasse der Oper im Kasino-Gebäude findet nach der kirchlichen Trauung das Hochzeitsessen von Starkoch Alain Ducasse statt. Er kocht mit 60 Küchenchefs, das Menü ist nichts für Fleischesser. Es gibt Fisch und Gemüse aus dem fürstlichen Hofgarten.
Für die Dekoration im Fürstentum wurden mehr als 33.000 Pflanzen eingetopft. Noch einige Zahlen um die Traumhochzeit: Beim Feuerwerk explodieren 15.000 Feuerwerkskörper über dem Meer. 350 Hochzeitsgäste sind zur kirchlichen Trauung eingeladen. 500 Meter lang ist der Teppich auf dem Charlene nach der Trauung zur Kirche Sainte Devote schreitet, um dort ihren Brautstrauß abzulegen. 275 Limousinen sind für die Gäste vorgesehen. 200.000 Touristen werden in Monaco erwartet.
Le Rocher, der Felsen, wird Monaco oft französisch genannt, weil es auf einem Felsen steht. Den Felsen im Mittelmeer eroberten die Grimaldis, die einst aus ihrer Heimat Genua verbannt wurde, als Piraten im Jahr 1297.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kommt zur Hochzeit. Noch nicht sicher ist, ob seine schwangere Frau Carla Bruni mit dabei sein wird. Sie kennt Fürst Albert, der in Modelkreisen verkehrte, gut aus ihrer Modelzeit.
Die Bürgerliche Charlene wird durch die Hochzeit in den Adelsstand erhoben. Princesse, so lautet der Titel von Charlene in Zukunft im Französischen. Deutsch wird sie aber Fürstin und nicht Prinzessin, so wie Grace Kelly auch. Albert heißt Französisch auch Prince Albert.
Rund 400 Überwachungskameras und 500 Polizisten sorgen für die Sicherheit der Reichen in dem rund zwei Quadratkilometer großen Fürstentum. Die Kriminalitätsrate geht gegen Null.
Die Kronprinzessin wird mit ihrem Mann Daniel als Gast erwartet. Sie ist häufig in Monaco und kam auch schon zu Alberts Krönungszeremonie. Bei ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr führte Albert Charlene in die hohe Gesellschaft ein. Wenige Tage später gab der Fürstenpalast die Verlobung bekannt. Insgesamt werden 38 Königs- und Fürstenfamilien in Monaco erwartet. Unter den Gästen sollen auch Karl Lagerfeld, Boris Becker, Naomi Campbell, Roger Moore und Demi Moore sein.
Monaco ist ein Steuerparadies, in dem ein Quadratmeter Immobilie mindestens 40.000 Euro kostet. Der Ministaat hat ein Bruttoinlandsprodukt von 4,5 Mrd. Euro, Arbeitslosigkeit gibt es nicht. 34.000 Menschen leben in Monaco, davon sind aber nur knapp ein Viertel echte Monegassen. Das Wohnrecht erhält nur jemand, der 400.000 Euro bei einer monegassischen Bank hinterlegt und eine Immobilie erwirbt.
Schon Fürst Rainier III sagte mal: „Wäre ich nicht Fürst geworden, wäre ich Zirkusdirektor“. Im Jahr 1974 gründete er das Zirkusfestival von Monte Carlo, das heute zu den großen Zirkusereignissen weltweit gehört. Die Zirkusleidenschaft vererbte Rainier weiter. Seine Tochter Stéphanie lebte zeitweise im Zirkuswagen, war mit Zirkusdirektor Franco Knie zusammen und sogar mal ein Jahr mit einem Zirkusartisten verheiratet.

Die Heirat könne nun eine zweite Chance für Albert eröffnen, sagt Veszelits. „Die Hochzeit lässt den Mythos Monaco wieder aufleben.“ Vor allem in Südafrika, der Heimat der Braut, löse sie große Euphorie aus. Das könnte dem Fürsten dabei helfen, die Rolle Monacos als internationaler Finanzplatz auszubauen. „Unser Angebot in diesem Bereich muss noch weiterentwickelt werden“, hatte er bereits in seiner ersten Rede als Souverän gesagt. Dabei profitiert das Land von größeren Freiheiten als andere, weil es nicht zur Europäischen Union gehört. Allerdings versprach der Fürst auch, den Kampf gegen die Geldwäsche voranzutreiben.

Lange als Geldwäscheparadies der italienischen Mafia verschrien, hat das Fürstentum Anfang des Jahrtausends den Schalter umgelegt. Denn seit dem 11. September 2001 spaßt niemand mehr mit Geldern unbekannter Herkunft, die womöglich Terrorismus finanzieren könnten. Monaco passte sich flugs dem neuen internationalen Umfeld an, gründet eine eigene Anti-Geldwäsche-Einheit Siccfin und besteht seitdem die Überprüfungen der internationalen Anti-Geldwäsche-Organisationen wie der Gafi, einer Schwester-Organisation der OECD.

Im Zuge der Finanzkrise 2007 geriet das Fürstentum dann ins Visier wegen seiner Rolle als Steueroase. Denn auf den diskreten Geldkonten Monacos schlummert so mancher Spargroschen aus den Industrie-Ländern, der sich dort vor dem Griff des Fiskus verbirgt. Auf Druck der G20, angeführt von Frankreichs tatendurstigem Staatschef Nicolas Sarkozy, geriet Monaco auf die Sünderliste der OECD in Sachen Steuertransparenz.

Und wieder reagierte der Mini-Staat geschmeidig auf den internationalen Druck – und zeichnete zwölf Abkommen zum Austausch von Steuer-Informationen. Zwölf Abkommen reichen, um aus der OECD-Sünderkartei gelöscht zu werden. „Monaco zeichnete aber zunächst nur Abkommen mit anderen Steueroasen wie den Bermudas und Andorra“, erregt sich ein OECD-Experte. Mittlerweile hat das Fürstentum auch Info-Abkommen mit Deutschland abgeschlossen. Nicht aber mit Großbritannien und Italien, deren Bürger zu den wichtigsten Kundengruppen von Monacos Banken zählen. Um ein Haar hätte die OECD Monaco deshalb verweigert, in die zweite Prüfrunde aufgenommen zu werden, bei der geschaut wird, ob die Steuerabkommen in der Praxis wirklich angewandt werden.

 Jean Dastakian, Generalsekretär des monegassischen Bankenverbandes, erklärt, dass die „Verschwiegenheit“ der lokalen Banken immer noch ein wichtiges Argument im internationalen Wettbewerb sei. „Das muss gar nichts mit Steuerhinterziehung zu tun haben, Kunden können auch wünschen, gewisse Vermögenswerte vor der eigenen Familie geheim zu halten“, sagt er treuherzig.

Der Bank-Vertreter räumt indes ein, dass die erhöhte Steuertransparenz dem Geschäft nicht unbedingt gut getan habe. „Das Volumen der verwalteten Vermögen stagniert“, so Dastakian. Mit an die 78 Milliarden Euro hat es knapp das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht. Die Zahl der am Finanzplatz präsenten Banken ist zudem rückläufig, was Dastakian auf Übernahmen etwa von Fortis durch BNP Paribas zurückführt.

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Deutsche Banken sind in Monaco überhaupt nicht mehr präsent. Die Commerzbank verkaufte vergangenes Jahr die von der Dresdner Bank geerbte Monaco-Filiale an die libanesische Audi Bank. Der Standort Monaco zähle nicht mehr zum Kerngeschäft, heißt es dazu von der Commerzbank.

Albert versucht nun, verstärkt Hedge-Fonds-Manager an die Mittelmeer-Küste zu locken, um dem Finanzplatz neues Leben einzuhauchen.

So lange die Monaco AG existiert, wird sie ein Familienkonzern bleiben. Denn falls die Grimaldi-Dynastie eines Tages erlöschen sollte, würde der Stadtstaat an Frankreich fallen. Dank einer Verfassungsänderung im Jahr 2002 ist der Druck auf Fürst Albert und Charlene Wittstock, für eine Nachfolge an der Spitze des Betriebes zu sorgen, aber deutlich verringert. Denn seitdem kann der Thron auch auf Schwestern des amtierenden Fürsten oder deren Kinder übergehen. Er ist getreu dem Wahlspruch der Grimaldis: Deo juvante („Mit Gottes Hilfe“) allerdings Kindern aus katholisch geschlossenen Ehen vorbehalten. Deshalb können die beiden unehelichen Kinder Alberts nicht zum Zuge kommen.

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