Globalisierung: Die Neuordnung der Lieferketten bedroht den Wohlstand
In der Coronakrise forderten einige Politiker eine größere Unabhängigkeit der europäischen Wirtschaft von ausländischen Konkurrenten. Doch das könnte teuer werden.
Foto: dpaDüsseldorf. Auf dem Höhepunkt des Impfstoffstreits mit dem britisch-schwedischen Pharmahersteller Astra-Zeneca erinnerte sich die EU-Kommission an die bewährten Instrumente des Protektionismus. Wer Impfstoffe gegen Covid-19 aus der EU in andere Länder exportieren will, muss die Brüsseler Behörde künftig im Rahmen einer Ausfuhrkontrolle über seine Pläne informieren.
Mit der Exportkontrolle will die EU sicherstellen, dass nicht andere Länder mit den in Europa produzierten Impfstoffen zuerst beliefert werden. Sie reagierte damit auf die Ankündigung von Astra-Zeneca, der EU weniger Impfstoff zu liefern als zunächst geplant.
Das Beispiel zeigt: Die Corona-Pandemie hat die Schwächen globalisierter Lieferketten schonungslos offengelegt. Ob bei Impfstoffen, persönlicher Schutzausrüstung oder jüngst Halbleiterprodukten: Wo plötzliche Knappheit herrscht, werden Forderungen nach einer Renationalisierung der Produktion laut. Doch für den Wohlstand in Europa und der Welt liegt darin eine Gefahr. Denn je stärker sich die EU vom Rest der Welt abkoppelt, desto größer sind in der Folge die Wohlfahrtsverluste für beide Seiten, so das Ergebnis einer neuen Untersuchung.