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Halbjahresbilanz Wendepunkt für Dax-Unternehmen: Nach dem Einbruch kommt der Aufbruch

Die Gewinne der Dax-Konzerne sind im zweiten Quartal um gut 45 Prozent eingebrochen. Doch viele CEOs glauben, dass es in der zweiten Jahreshälfte besser laufen wird.
17.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die Aktien sind seit dem anfänglichen Einbruch fast wieder auf Vorkrisenniveau. Die Zahlen der Dax-Konzerne müssen da erst einmal hinkommen. Quelle: Reuters
Börsensaal in Frankfurt

Die Aktien sind seit dem anfänglichen Einbruch fast wieder auf Vorkrisenniveau. Die Zahlen der Dax-Konzerne müssen da erst einmal hinkommen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Das zweite Quartal war für die meisten Dax-Konzerne ein Desaster. Insgesamt setzten die 30 Unternehmen im Ende Juni abgelaufenen Quartal 283 Milliarden Euro um. Das waren 13 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenig wie zuletzt vor sechs Jahren. Stärker noch fielen die Gewinne: Vor Steuern, Zinsen und einmaligen Rückstellungen verdienten die 30 Konzerne nur 12,4 Milliarden Euro. Das waren nach Handelsblatt-Berechnungen 45,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mittlerweile blicken die Konzernchefs wieder optimistischer in die Zukunft. „Corona hat uns vor allem im April und Mai schwer getroffen, im Juni haben wir aber schon wieder ganz andere Daten gesehen“, sagt etwa Merck-Chef Stefan Oschmann. Monatelang mussten die CEOs ihre Aktionäre im Ungewissen lassen. Nach dem Shutdown hatten so gut wie alle Konzerne ihre Prognosen für 2020 einkassiert und keine neuen ausgegeben.

Zur Halbjahresbilanz wagen sich nun einige aus der Deckung – nicht nur Merck. Sogar konkrete Umsatz- und Gewinnprognosen sind kein Tabu mehr. Der Halbleiterspezialist Infineon, der Energieversorger RWE und die Deutsche Telekom hoben zudem ihre Jahresprognosen an. „Anders als von uns erwartet, stabilisieren sich die Gewinnerwartungen“, sagt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

Die Stimmung der Wirtschaft habe sich insgesamt verbessert, sagt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. „Die Auftragseingänge machen Mut und der befürchtete Einbruch auf dem Arbeitsmarkt ist bislang ausgeblieben“.

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    Zwar müssen die Dax-Konzerne noch das miese zweite Quartal verdauen. Von April bis Juni bilanzierten sieben der 30 Unternehmen rote Zahlen – das gab es seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Den größten Verlust machte Volkswagen mit 2,4 Milliarden Euro. Vor allem bei den vielen exportstarken Industrieunternehmen, wie sie im Dax zahlreich vertreten sind, hat die Corona-Pandemie samt Werkschließungen zu herben Einbußen geführt.

    Post, Fresenius, SAP und Telekom mit Gewinnsteigerung

    Bemerkenswert ist allerdings, dass es selbst in der Krise einem knappen Dutzend Unternehmen gelang, ihre Gewinne zu steigern, darunter die Deutsche Post, der Gesundheitsspezialist Fresenius, der Softwarekonzern SAP als Deutschlands wertvollstes Unternehmen und die Telekom. Der frühere Monopolist fuhr mit knapp über drei Milliarden Euro den höchsten Quartalsgewinn ein. Grund dafür sind vor allem gute Geschäfte in den USA.

    Der Autobauer machte den größten Verlust der Dax-Konzern im zweiten Quartal. Quelle: Bloomberg
    E-Golf von Volkswagen

    Der Autobauer machte den größten Verlust der Dax-Konzern im zweiten Quartal.

    (Foto: Bloomberg)

    Mit Blick auf das zweite Halbjahr und auf 2021 überwiegt denn auch Optimismus. Senkten Branchen -und Fachanalysten seit dem Frühjahr ihre Umsatz- und Nettogewinnprognosen angesichts massiver Auftragseinbrüche im Wochenrhythmus, stoppte dieser Negativtrend in den vergangenen Wochen. Dazu trugen die zuversichtlichen Äußerungen der Vorstände bei Vorlage ihrer Quartalszahlen ebenso bei wie mit harten Zahlen belastbare Konzernprognosen.

    So rechnet Merck im laufenden Geschäftsjahr mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 4,45 bis 4,85 Milliarden Euro. 2019 waren es 4,4 Milliarden Euro. Eine echte Krise sieht anders aus. Infineon hob die Prognose an: Anstelle eines Umsatzes von 8,4 Milliarden Euro erwartet der Halbleiterspezialist nun 8,5 Milliarden Euro. Die wichtigere Umsatzrendite veranschlagt die frühere Siemens-Tochter nun nicht mehr mit zwölf, sondern mit 13 Prozent.

    Selbst in dem besonders hart von der Pandemie getroffenen Automobilsektor erkenne er „konkrete Anzeichen einer Erholung“, sagte Konzernchef Reinhard Ploss. „Die Auswirkungen von Corona auf unser operatives Geschäft sind bisher erfreulicherweise überschaubar“, hob auch RWE-Finanzchef Markus Krebber hervor. Der Ökostrom-Erzeuger erwartet nun ein Ergebnis im oberen Bereich der bisherigen Prognosen.

    Dax ist seit Ausbruch der Pandemie um mehr als 50 Prozent gestiegen

    An der Börse nehmen die Aktienkurse diese Entwicklung in der Realwirtschaft schon seit geraumer Zeit vorweg: Zu Beginn der Pandemie brach der Dax um mehr als 40 Prozent ein. Seitdem ist er um über 50 Prozent gestiegen – und hat damit sogar fast das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht.

    Selbst Adidas-Chef Kasper Rorsted, dessen Vertrag gerade um weitere fünf Jahre verlängert wurde, sieht nach einem „dramatischen“ zweiten Verlustquartal Anzeichen der Erholung. Bereits im laufenden Quartal erwartet er ein positives Betriebsergebnis von 600 bis 700 Millionen Euro. Das entspräche einer Verbesserung von rund einer Milliarde Euro gegenüber dem Verlust von April bis Juni.

    „Nach allem, was wir heute wissen, wird sich die Erholung im dritten Quartal fortsetzen“, prognostizierte Rorsted. In der Spitze waren bei Adidas weltweit 70 Prozent aller Geschäfte wegen der Pandemie geschlossen. Nun sind über 90 Prozent wieder geöffnet. Die Nachfrage in den Läden und im Onlinehandel bezeichnete Rorsted als hoch.

    Die hohen Verluste geraten so in den Hintergrund bei Adidas. Der Aktienkurs ist mit knapp 270 Euro nur noch 15 Prozent von seinem Rekordhoch aus Vor-Corona-Zeiten entfernt. Zwischenzeitlich hatte sich der Kurs im Frühjahr halbiert. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte Adidas als erster Dax-Konzern Kreditgarantien bei der staatlichen KfW-Bank beantragt.

    Von dem bewilligten Kreditrahmen in Höhe von drei Milliarden Euro hat der Konzern bislang erst 500 Millionen Euro genutzt. Positive Bonitätseinstufungen der Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s führten dazu, dass Adidas wieder Mittel am Kapitalmarkt aufnehmen kann. Das war im Frühjahr nicht gelungen, sodass der Staat helfen musste.

    Grafik

    Bei den meisten Unternehmen entwickelten sich die Geschäfte in den Großregionen Nordamerika und Europa im zweiten Quartal schwach, während sich Asien als Stabilitätsanker erwies. Der in Nordamerika erwirtschaftete Umsatz sank bei den Unternehmen, die darüber entsprechende Angaben machen, um 17 Prozent, in Europa lag das Minus sogar bei 24 Prozent.

    In Asien, wo die Erholung und das Wiederhochfahren der Wirtschaft bereits im Mai einsetzten, betrug das Umsatzminus hingegen nur vier Prozent. „Nicht zuletzt die deutschen Autokonzerne, für die China inzwischen der wichtigste Absatzmarkt ist, profitieren davon, dass dort Beschränkungen früh gelockert wurden“, sagt EY-Experte Meyer.

    Die Ausblicke in der für Deutschland so wichtigen Branche bestätigen die Einschätzung. Continental sieht nach einem „historisch schwachen“ zweiten Quartal und einem operativen Verlust von 830 Millionen Euro für den Rest des Jahres Hoffnung für eine leichte Erholung. Bereits im laufenden Quartal rechnet der Autozulieferer mit einem positiven Ergebnis.

    Das Gesamtjahr werde Continental mit schwarzen Zahlen abschließen, ist der Vorstand überzeugt. „Einen Markteinbruch in der Automobilindustrie, wie wir ihn derzeit erleben, gab es seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart.

    Diesen Einbruch hat auch BMW zu spüren bekommen. Der Münchener Premiumhersteller musste erstmals seit der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt wieder einen Quartalsverlust hinnehmen.

    Dieser summierte sich vor Zinsen und Steuern zwischen April und Juni auf minus 666 Millionen Euro, nach einem Plus von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Doch für die zweite Jahreshälfte äußerte sich Vorstandschef Oliver Zipse „durchaus zuversichtlich“. Er geht von einer Belebung aus, da alle Werke seit Juni wieder im normalen Schichtbetrieb laufen. „Einen klaren Lichtblick signalisiert der Monat Juli“, gab Zipse eine erste Zwischenbilanz für das laufende Quartal. Demnach lag der Umsatz „deutlich über Vorjahr“. Vor allem in China laufe es inzwischen wieder gut.

    Seit Juni legt der Auftragseingang für die deutsche Industrie kräftig zu

    Die Einschätzungen decken sich mit der wirtschaftlichen Gesamtlage. Seit Juni legt der Auftragseingang für die deutsche Industrie kräftig zu und ist bis auf elf Prozent an das Vorkrisenniveau vom Februar herangerückt. Die Ausfuhren stiegen im Juni bereits den zweiten Monat in Folge.

    Hierfür sind vor allem die Exporte nach China verantwortlich. Sie lagen mit über acht Milliarden Euro um gut 15 Prozent über dem Vorjahresniveau. „Die Stabilisierung des chinesischen Außenhandels setzt wichtige Impulse für eine Erholung des Welthandels. Davon profitieren auch deutsche Unternehmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Industrie, Joachim Lang.

    Zu den Profiteuren der Erholung, aber auch der Pandemie zählt die Deutsche Post. Die Paketflut aus dem Onlinehandel und gestiegene Erträge des internationalen Frachtgeschäfts trugen maßgeblich dazu bei, dass der Gewinn vor Steuern und Zinsen im abgelaufenen Quartal mit 943 Millionen Euro um knapp 30 Prozent höher ausfiel als im Vorjahr.

    Der Expressversand aus China glänzt mit rasanten Zuwächsen. CEO Frank Appel zeigte sich denn auch schon fast selbstbewusst in diesen Krisentagen: „Ich bin zuversichtlich, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.“

    Komplett vorbei geht die Krise an SAP. Mit 1,3 Milliarden Euro hat Deutschlands größter Softwarekonzern im abgelaufenen Quartal 55 Prozent mehr als im Vorjahr verdient. Der Verkauf von Softwarepaketen ging zwar zurück, doch das lukrative Geschäft mit Mietsoftware in der Datencloud legte weiter zu. Mit knapp 140 Euro je Aktie bewerten Anleger die 1972 von Dietmar Hopp und Hasso Plattner gegründete Firma mit 170 Milliarden Euro. So wertvoll ist kein anderes deutsches Unternehmen.

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